Seit Deutschland in Folge von Fukushima nach und nach aus der Atomkraft ausgestiegen ist, die Wirtschaft aber Energie braucht, ist das Erdgas immer wichtiger geworden. Über die Hälfte des benötigten Erdgases, 55% nämlich, bezieht Deutschland aus Russland.
Im Umfeld der Ukraine-Krise, im Umfeld also des drohenden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, aber möglicherweise auch gegen Polen oder das Baltikum, wird nun aber deutlich, dass die Abhängigkeit vom russischen Erdgas, die man nicht so schnell und ohne weiteres ersetzen könnte, zutiefst politisch ist und zutiefst den Frieden in der EU bedroht. Denn das russische Gas ist zu einem politischen Druckmittel Putins geworden.
Seit es Nord Stream 2 gibt, könnte Putin es sich leisten, die Ukraine großflächig anzugreifen und dabei in Kauf zu nehmen, die ukrainischen Gasleitungen, die das Erdgas nach Deutschland bringen, versehentlich oder sogar absichtlich zu beschädigen. Deutschland könnte es sich im Gegenzug nicht leisten, auf das Erdgas aus Nord Stream 2 zu verzichten, es sei denn, die deutschen Bürger würden frieren im Winter und die Industrie hätte keine Energie, was allerdings sogleich den Druck auf die jeweils aktuelle deutsche Bundesregierung massiv erhöhen würde.
Kurz gesagt: Weil es Nord Stream 2 und die massive deutsche Abhängigkeit vom russischen Erdgas gibt, kann Putin es sich leisten, die Ukraine anzugreifen.
Vielleicht wäre es vor diesem Hintergrund sinnvoll, noch einmal darüber nachzudenken, ob man den Atomausstieg in Deutschland nicht doch noch für einige Zeit verschiebt.
Atomkraft ist zwar auch nicht das Wahre, aber wenn Erdgas Krieg in der Ukraine und in Europa bedeutet, ist Atomkraft immer noch die bessere Wahl. Nicht die Wahl für immer, aber eine Zwischenlösung, die immerhin keinen Krieg bedeutet. Und dann müsste man schnell und mit Verve auf erneuerbare Energien umsteigen, um dem russischen Erdgas ein für allemal den Rücken zuwenden zu können – und der Erpressung durch den russischen Autokraten.



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