Nachdem ein Bischof der Pius-Brüder im Frühjahr den Holocaust geleugnet hatte, tun sich die Lefebvre-Anhänger jetzt als Widerstandskämpfer hervor. Dabei berufen sie sich auf den Widerstand von katholischen Christen gegen den Nationalsozialismus. Bedauerlicherweise richtet sich der Widerstands-Kampf der Erztraditionalisten leider nicht gegen den grassierenden Rechtsextremismus und gegen faschistoides Gedankengut, sondern gegen den „Christopher Street Day“ (CSD). Dabei erinnert der CSD selber an eine Widerstands-Bewegung – ein Aufstand Homosexueller gegen ihre Unterdrückung (zur Geschichte des CSD: Wikipedia-Artikel zum Christopher Street Day).
In der neuesten Ausgabe ihres Mittelungsblattes steht ein Artikel mit dem Titel „Der Untergang des Abendlandes. Katholische Männer und Familienväter: Wacht auf!“, in dem die Pius-Brüder insbesondere Katholische Männer und Familienväter zum aktiven Widerstand gegen die CSD-Parade am 01. August in Stuttgart aufrufen. In dem Artikel heißt es: „Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: ‚Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!‘ Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben!“
Die römisch-katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich unmittelbar von diesen Äußerungen distanziert. Es sei eine ziemliche Anmaßung der Bruderschaft, ihre Aktion auf eine Stufe mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu stellen, betonte Bistumssprecher Thomas Broch.
Wer selber mal bei den Lefebvrianern nachlesen will: Mittelungsblatt Juli 2009 (pdf) – Seiten 3 & 34 bis 37
Der CSD erinnert an den ersten, bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit homosexuellem Zielpublikum. Es kam in der Folge zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei. Um des ersten Jahrestages des Aufstands zu gedenken, wurde das Christopher Street Liberation Day Committee gegründet. Seit dem wird in New York am letzten Samstag des Juni, dem Christopher Street Liberation Day, mit einem Straßenumzug an dieses Ereignis erinnert. Daraus ist eine internationale Tradition geworden, im Sommer eine Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben abzuhalten. In Berlin, Köln und anderen deutschen Großstädten werden diese Demonstrationen jedes Jahr als Christopher Street Day oder kurz „CSD“ abgehalten.



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