(K)Eine Nachricht aus Münster

Die Lokalzeit Münsterland im WDR Fernsehen meldete gestern, dass im Beckumer Westpark eine Jüdische Gedenkstätte beschmiert wurde. Diese Nachricht ist heute den beiden Tageszeitungen am Ort, soweit ich sehen kann, keine Zeile wert.

Nachricht aus Münster ist, und sicherlich eine Meldung wert, dass Prof. Sven Kalisch dem Rektorat der Universität am Ort per E-Mail mitgeteilt hat, er sein kein Muslim mehr. Auf der Titelseite weisen die „Westfälischen Nachrichten“ heute auf Kalischs Abwendung vom Islam hin und teilen mit, dass Kalisch wegen der Proteste muslimischer Verbände 2008 aus der Ausbildung für Religionslehrer abgezogen werden musste und sogar Morddrohungen erhielt. Aber dieser Artikel verschweigt – und da wird seine Tendenz gefährlich – den Grund für diese Reaktionen.

Erst im Inneren der Zeitung finden sich ausführliche Informationen zur Causa Kalisch. Zum Hintergrund: Sven Kalisch wurde 2002 an der Universität Hamburg im Fach Islamwissenschaften promoviert. 2004 wurde er als erster Professor für islamische Theologie an eine deutsche Hochschule berufen, nämlich an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Hier wurde er mit der Ausbildung islamischer Religionslehrer für staatliche Schulen beauftragt. Das sorgte für viel Aufsehen. Dann veröffentlichte Kalisch 2008 seine These, in der er die historische Existenz Mohammeds bezweifelt. Das führte zu erheblichen Unruhen auf muslimischer Seite, was kaum verwundert. Die Universität Münster sah sich daraufhin gezwungen, Kalisch aus der Lehrerausbildung abzuziehen; er forschte aber weiter auf dem Gebiet der islamischen Theologie. Jetzt muss die Universität den Professor – er ist ja Beamter – in einem anderen Institut unterbringen.

foto: gedankenstuecke,flickr.com

9 Gedanken zu “(K)Eine Nachricht aus Münster

  1. @ekattwinkel

    Interessanter Beitrag, wobei ich das auch für fraglich halte, was dieser Prof da sich überlegt. Das wäre ja so, wie wenn Christen die Existenz Jesu anzweifelten. Ich denke, dass Mohammed durchaus gelebt hab. Es ist sicher wie bei dem historischen und dem kerygmatischen Jesus: Jesus als Person hat gelebt. Aber war er der „Christus“ ? Ich denke, so könnte man auch zb bei Mohammed fragen, oder auch bei anderen religiösen Gestalten. Aber ich persönlich würde Mohammed auch eine Gotteserkenntnis nicht absprechen wollen.

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    1. Ja, ich finde es auch außerordentlich bedenklich, was Herr Kalisch so anstellt. Da der Islam ja insgesamt keine Aufklärung mitgemacht hat, ist Kalischs These für die allermeisten Muslime eine schwere Kränkung, wenn jemand überhaupt, und dann noch jemand mit dieser Stellung die Existenz Mohammeds anzweifelt. Den Vergleich mit Jesus/Christus halte ich an der Stelle für völlig gerechtfertigt. Bedenklich ist eben auch, dass die Zeitung in dem Artikel auf der Titelseite nicht den Grund für den Ärger auf muslimischer Seite benennt. Das öffnet der anti-islamischen Hetze Tür und Tor. Nicht jeder liest noch den ausführlichen Artikel.Andererseits ist selbstverständlich eine solche theologische These absolut kein Grund für Morddrohungen. Auch bestärkt der Fall Kalisch mich in der Meinung, dass Konvertiten in vielen Fällen mit größter Vorsicht zu genießen sind. Konvertiten sollten erst einmal still sein und lernen, lernen, lernen.

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  2. @ekattwinkel

    Ach so, darauf wolltest Du hinaus….ja, stimmt, das ist eine gefährlich lenkende Vereinfachung der Darstellung, die Leser erst einmal in eine falsche Richtung manipulieren kann.

    Wenns allerdings so an die Glaubensgrundpfeiler geht, ist sicher keine Religion ganz teilnahmslos. Bzw. hier ein Fall, wo die Teilnahmslosigkeit schon abstrus anmutet:

    Pfarrer ohne Gott – was müssen Geistliche glauben?
    https://theolounge.wordpress.com/2010/02/10/pfarrer-ohne-gott-was-mussen-geistliche-glauben/

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    1. Vielleicht muss ich meinen Denkansatz noch deutlicher machen und mehr erklären. Ich möchten aber gerade erreichen, dass der Leser zum Denken angeregt wird und mitdenken muss. Nun, was dieser Pfarrer in den Niederlanden sich da leistet und was ihm zugestanden wird, das überschreitet jedes Maß der zulässigen Toleranz. Der Mann sollte sich schleunigst einen anderen Job suchen. wenn ich für die Kirche arbeite, muss ich mich innerhalb ihrer Prämissen bewegen. Wenn ich das nicht mehr kann, dann muss ich gehen. Das ist die einzig ehrliche und ethisch vertretbare Lösung, meiner Meinung.

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  3. Grüß Gott,
    natürlich gibt es keine Entschuldigung für Drohungen gegen Herrn Kalisch. Aber beschweren,dass er nicht mehr für die Ausbildung muslimischer Theologen eingesetzt wird, kann er sich wirklich nicht. Mir ist außerdem unerklärlich, wie er die Existenz Muhammeds, s., anzweifeln kann, es gibt wohl wenige historische Persönlichkeiten, deren Leben so dokumentiert wurde und deren Nachkommenschaft bis heute seine Stammbäume bewahrt.

    Keine Ahnung was er bezweckt. Richtig: Konvertiten sollen lernen. Da hat der Prof. Kalisch womöglich nicht genug getan, bevor er konvertiert ist? Merkwürdig, wo das doch sogar eine nur gerade ausreichend gebildete Person wie ich tun kann.

    Also der scheint irgendein persönliches Problem zu haben. Blöd nur, wenn man ihn jetzt weiterbeschäftigen muss.

    Grüße von Meryem

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    1. Hallo Meryem, herzlichen Dank für den Kommentar.- Es gab in akademischen Kreisen andernorts schon lange Bedenken gegen Herrn Kalisch. Leider haben sie sich bestätigt.-

      Ich verstehe wirklich nicht, wie ein Mensch, der zu einer anderen Religion konvertiert, gleich meint, dort etwas Grundlegendes ändern zu müssen. Wenn ihm an der anderen Religion etwas Wichtiges nicht passt, dann soll er nicht dorthin konvertieren. Ich bin grundsätzlich sehr kritisch gegenüber Konversionen eingestellt. Sicher gibt es im Einzelfall (bei Eheschließungen z. B.) gute Günde dafür. Aber sonst denke ich, jeder ist durch die Religion, in die er geboren wurde und in der er aufwuchs, geprägt.Diese Prägung lässt sich nicht so einfach wechseln wie ein Kleidungsstück. – Aber das Wechseln zwischen Religionen und die Zugehörigkeit zu gleich zwei Religionen liegen offensichtlich im Trend. – Und wer Änderungen möchte, der sollte bei der eigenen Kultur und Religion anfangen, also, wie das Sprichwort sagt, vor der eigenen Haustür kehren. Auch Ihnen viele Grüße Eleonore Kattwinkel

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