Ade, Evolutionstheorie ?

schildkrote-dieter-wendelken.jpgOder warum wir uns mit dem Thema Kreationismus und Intelligent Design auseinandersetzen müssen. Ist die Evolutionstheorie so richtig, wie sie angenommen wird ? In vielerlei Hinsicht ist sie das wohl, selbst, wenn von Darwin der Spruch stammen soll, dass diese Theorie nicht falsch sein müsse, nur, weil man sie nicht glauben könne. Auch er hatte also Zweifel.

Heutzutage sind viele Verbindungsglieder erkannt worden, aber dennoch ist man noch davon entfernt, dieser Sache den Namen „Theorie“ zu entziehen und sie ein Faktum zu nennen. Wie könnte man auch, man war ja nicht mit dabei all die Jahrmillionen. Allerdings soll diese „Theorie“ hier nicht wirklich bezweifelt werden. Was aber geschehen soll: dass ein paar Fragen gestellt werden, warum diese Theorie eben auch nur eine Theorie ist, selbst, wenn sie die beste ist, die wir derzeit haben, um das Leben zu erklären.

Sie ist zunächst einmal die beste Konstruktionsidee, die wir Menschen von unserer Entstehung haben. Denn irgendwo ist es doch recht unglaublich, dass wir einfach so – plopp – wie von Zauberhand geschaffen worden sein sollen. Gut, auf den Urknall darf man diese Frage nicht anwenden, aber bei uns: irgendwie haben wir uns entwickelt im Laufe der Jahrmillionen. Der Gottesfrage tut dies keinen Abbruch.

Allzu oft argumentieren Naturwissenschaftler allerdings mit dem Begriff des Zufalls. Und nehmen diesen Begriff recht unhinterfragt in ihre Argumentationen mit hinein. Hier ist aber tatsächlich ein theologischer, philosophischer und ontologischer Ansatzpunkt gegeben: was ist denn bitte der Zufall, was bezeichnen wir als Zufall ?

Nun ist es so: bis auf wenige Ausnahmen hat man sich offenbar zumindest in den großen Kirchen in Deutschland eher dahingehend geeinigt, dass der Glaube nicht konträr zur Naturwissenschaft stehen darf, kann, soll. Dies ist berechtigt und hat gute Gründe. Es verbaut einem jedoch auch die Diskussionsgrundlage über manche Themengebiete etwas.

Machen wir einen Schwenk: zur Lernpsychologie. Dort ging man vor einigen Jahrzehnten noch von behavioristischen Lernmodellen aus. Demnach verläuft Lernen folgendermaßen: Wenn man eine Vokabel lernen will, so muss man sie nur oft genug wiederholen, dann kann man sie. Oder wissenschaftlicher: ein Reiz muss oft genug bekräftigt werden, dann wird er ein Teil des Verhaltens.

Man müsste also Millionen und Abermillionen Reize immer wieder bekräftigen, um zu lernen. Dass dies nicht geht, hat man irgendwann erkannt. Man löste sich von diesen rein behavioristischen Lernmodellen. Heute geht man in Richtung kognitive Lernmodelle: Lernen lässt sich nicht so einfach beschreiben, wie die Behavioristen dies gern gehabt hätten. Lernen ist in seiner Komplexität viel unüberschaubarer.

Hier finden wir eine Parallele zur Evolutionstheorie. Sie scheint nämlich auch ähnlich behavioristisch geprägt zu sein. Möglicherweise muss man sich auch hier von diesem Modell lösen. Dies heißt nun nicht, dass man sie verwerfen muss, aber möglicherweise überarbeiten und auch durch philosophische und möglicherweise theologische Denkansätze etwas „unterfüttern“.

Nun ist man hier aber schnell bei religiös-fundamentalistischem Gedankengut angekommen: die Erde sei vielleicht nur gar 6000 Jahre alt (Kreationisten). Oder aus der Komplexität des Lebens könne man auf Gott Rückschlüsse ziehen (Intelligent Design). Von ersterem Weg sollte man sich distanzieren, und wenn es nach den großen Kirchen (bis auf wenige Vertreter) geht, von zweiterem auch. Das ist irgendwo in sich logisch, weil man sich zu sehr an wissenschaftliche Erkenntnisse klammern könnte, die morgen wieder verworfen sind. Ein dünnes Eis.

Dennoch ist letzeres Argument auch den Psalmendichtern nicht unbekannt und kommt zudem an einigen Stellen in der Bibel vor, wo ausgehend von dem Wunder des Lebens, des Kosmos und auch der Umwelt Gott gelobt wird als der Schöpfer.

Zwar ist die biblische – neutestamentliche – Offenbarung Gottes durch Jesus etwas einzigartiges, aber es gibt eben auch diese anderen Denklinien: Man kommt auch in der heutigen Zeit einfach nicht umher, zu staunen. Ein Mensch ist unglaublich komplex und es fällt einem schwer, zu erfassen, dass er in rein behavioristischer Weise sich aus Atomen in Moleküle, aus Molekülen in Zellen, aus Zellen in einen solch komplexen Apparat an Leben entwickelt haben soll. Schwer. Wer dies nicht zugibt, weiß womöglich nicht, wovon er spricht.

Wohin geht also die Reise ? Vielleicht dorthin: dass Theologen und Philosophen sich mehr der Sache annehmen. Denn an der Zeit wäre es. Das heißt nun nicht, dass die Evolutionstheorie kippen wird, denn sie ist – wie schon gesagt – das beste Modell, das wir irgendwie zur Verfügung haben. Möglicherweise geht es aber darum, hier Theologie, Philosophie, Biologie, Physik und Chemie mehr zusammenzubringen. Nicht in einen blinden Glaubenskanon, wohl aber dahingehend, dass man sich der verschiedenen Weltbilder bewußt wird, dass man mehr wahrnimmt: wir wissen so vieles eigentlich nicht wirklich: was ist der Urknall, was ist unser Bewußtsein und unsere Seele, was ist der Grund allen Seins, gibt es die Unendlichkeit ?

Eine Einschätzung: wir werden diese Fragen niemals lösen können. Dennoch geht es darum, sich ihrer anzunehmen. Denn an ihnen hängen ganze Weltbilder – und diese bestimmen das Leben von jedem Einzelnen von uns. Leider. Oder auch: Gott sei Dank.

Lesen Sie hier: > Ade, Evolutionstheorie ?

> Gott und der Zufall
> Der Geist bleibt unfassbar (ZEIT)
> Gehirnforschung: Was ist die Seele und das Bewußtsein ? (ZEIT)
> Ein kritischer Blick auf ID, Evolution & Universe (EKD)
> Dem Kreationismus mit Argumenten begegnen
> Gott im Quantenchaos (SPIEGEL)
> Überzogene Ansprüche der Naturwissenschaften
> Stellt der Papst die Evolutionstheorie in Frage ?
> Schöpfungsglaube & naturwissenschaftliche Aussagen EKD
> Wunder des Lebens ?
> Transzendenz – als Wurzel des Intelligent Design ?
> Was ist Wirklichkeit ? – Formen des Nichtwissens (F.A.Z)
> Intelligent design
> Crash der Weltbilder ?
> Wunder des Lebens
> Was ist das Bewußtsein ? Gibt es eine Seele ?
> Die Krise der Evolutionstheorie – Gott und die Wissenschaft
> “Evolution – ist der Schöpfer ausgestorben?”

Bild: Dieter Wendelken, pixelio.de


Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.


Kommentare

14 Kommentare zu „Ade, Evolutionstheorie ?“

  1. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    Oh oh, ein heikles Thema! Aber danke fürs Aufgreifen.
    Die Väter hatten es da einfacher – sie haben sich auf Apologien beschränkt. Wir stehen im Erbe der Aufklärung und dürfen das nicht mehr – sagt man uns.

    Stimmt das denn?

    Müssen wir als Christen ständig betonen, dass wir im Einklang mit dem naturwissenschaftlichen Weltbild stehen, das doch ausdrücklich erklärt, seine Arbeit zu tun „als wenn es Gott nicht gäbe“?! Ich sehe wirklich gravierende, entscheidende Differenzen zwischen christlichem und naturwissenschaftlichem Weltbild!

    Mein Vorschlag:
    Ich würde die Probleme der Evolutions“theorie“ zuerst mal nicht zu „unseren“ Problemen machen, sondern zu den Problemen derer, die sie vertreten.

    Und dann wird mir sofort bewußt, dass wir sie selbst ganz gerne haben, weil wir mit der Offenbarung der Schrift so unsere eigenen Probleme haben – oder? Und an „Evolution“ zu glauben machen doch alle, sogar „Wissenschaftler“, da mache ich doch dann lieber mit (auch innerlich). Ist doch „erwachsener“ als darauf zu beharren, dass das christliche Zeugnis eindeutig von der Schöpfung durch Gott ausgeht.

    Nebenbei gesagt, ist der Evolutionsgedanke erkenntnistheoretisch noch nicht mal eine Theorie, sondern ein Mythos. Man muss daran glauben! Sie ist nämlich weder beweisbar, noch widerlegbar. Der bekannte Konrad Lorenz hat dazu mal gesagt, dass Evolution zwar nicht beweisbar, aber für Naturwissenschaftler ein notwendiger Glaube ist, eine „heilige Kuh“, die nie geopfert werden darf, sonst bricht nämlich das ganze (Karten-) Haus zusammen.

    Fragen wir uns: Kann man beides glauben? Daß Gott die Welt geschaffen hat und gleichzeitig, dass es aus unbelebter Materie entstanden ist?

    ad theolounge:
    Ich sehe es also nicht so, dass dies „das Leben von jedem Einzelnen von uns“ bestimmen sollte.

    Meine Meinung ist, dass Christen ganz gelassen sein sollten. Wir haben ein verlässliches Zeugnis der Schrift: GOTT hat die Erde und alles, was darauf ist, GESCHAFFEN. Wie – ist eigentlich unerheblich (ich denke auch, das die Genesis zuerst ein Glaubens- und nicht ausdrücklich ein Tatsachenbericht sein will).

    Und danach – da stimme ich Dir zu – sollten wir lernen „Das weiß ich nicht“ zu sagen. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass es Dinge gibt, die wir eben nie wissen werden (bevor wir im Himmel sind ;-).

    Und ich halte es für einen Christen nicht für redlich, zu forschen „als wenn es Gott nicht gäbe“. Das ist verordneter Atheismus – dagegen sollte man strikt eintreten! Gerade als „intelligenter“ Wissenschaftler. Sein Bemühen darauf zu orientieren, philosophische Brücken zwischen beiden Welten zu schlagen, halte ich für einen unfruchtbaren Weg.

    Es gibt, nebenbei gesagt, noch ein anderes Schriftzeugnis (2 Tim 2,14, Rö 13,13, Jak 4,1 etc.): dass wir uns nicht streiten sollen um Dinge, die unnütz sind. Argumente pro und contra bewirken nicht viel „Liebe Gottes“. Diese Liebe Gottes ist es aber, von der wir Zeugnis geben wollen in der Welt. Das ist übrigens für mich ein Hauptargument gegen den Fundamentalismus: er verlässt so bereitwillig, wegen oft unnützer „Prinzipien“ den Weg der Liebe.

    Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man ohne uneingeschränkte Zustimmung zum Evolutionsgedanken in bestimmten Bereichen keine Arbeit bekommt. Aber ich sehe das nicht als ein Problem der „Einsicht“, sondern des Bekenntnisses. Ist das zu hart?

  2. @ Wieland Röhricht

    Danke für Deinen guten Kommentar.
    Ich denke auch: die Bibel ist keine naturwissenschaftliche Abhandlung, der Schöpfungsbericht auch nicht. Er will etwas über das Wesen Gottes Aussagen.
    Ich denke auch, dass die Evolutionstheorie im Großen und Ganzen stimmt, dass sich Gott eben der Evolution bedient, um Leben in Gang zu setzen.
    Ich denke aber, dass dies in der Öffentlichkeit viel stärker thematisiert werden MUSS. Und zwar deswegen, weil viele Naturwissenschaftler – zumindest die oberflächlichen – glauben, ihre Naturwissenschaft würde die wesentlichen Fragen abdecken. Das ist aber keineswegs so.

    Ihr Weltbild ist in etwas das des Demokrit, das von Epikur aufgenommen wurde und später von Lukrez.

    Dort geht man davon aus, dass es die Materie seit aller Zeit gibt und immer geben wird. Punkt und aus.
    Es wird also per definitionem die Frage nach dem Warum völlig ausgeklammert. Dass dies in sich völlig abstrus ist, kommt vielen nicht in den Sinn.

    Wir Menschen können nämlich nur in Kausalketten denken: Wenn es etwas gibt, dann muss es eine Ursache davon geben.
    Wenn es etwas Hochkomplexes gibt, dann erst recht.
    Mich stört diese (wenn ich das recht sehe besonders von der EKD vertretene Linie), dass man sich nur auf die Offenbarung zurückzieht.
    Das ist zwar einerseits sinnvoll, soll hier nicht in Abrede gestellt werden. (Allerdings finden sich auch innerhalb von Artikeln der EKD beispielsweise unterschiedliche Denklinien, wenn ich das richtig sehe…)

    Es ist aber m.E. dringend nötig, auf die Fragen unserer Zeit zu antworten. Und eine Frage ist der Materialismus, der in der Naturwissenschaft – und in vielen Köpfen – vorherrscht: das, was ich eben mit Demkrit dargestellt habe.
    Es ist m.E. wichtig, diesen Diskurs auch öffentlich anzustoßen, weil daran eben tatsächlich ganze Weltbilder hängen. Wenn man nämlich beispielsweise mehr thematisiert, dass man eben gar nicht weiß, warum es einen Urknall gab, wie es seien kann, dass das gesamte Weltall im Zeitpunkt Null auf einem Stecknadelkopf Platz gehabt haben soll, dann ergibt sich viel mehr Raum dafür, über einen Gott nachzudenken.
    Dabei geht es nicht darum, an die Stelle der Großen Frage nach dem Warum einfach Gott als Lückenbüßer für Nichtwissen zu stellen. Aber es geht darum, dass man ihn innerhalb dieser Thematik wesentlich logischer als Ursprung allen Seins annehmen kann.

    Intelligent Design Argumentationen, wie beispielsweise, dass das menschliche Auge nur durch Gott entstanden sein kann, halte ich für nicht so günstig und vielleicht sogar an der Realität vorbei. Aber zu thematisieren, dass die Welt tatsächlich unglaublich komplex ist, dass man eigentlich gar nicht weiß, WORAUS alles besteht, das sind Themen, die stärker in den Fokus der öffentlichen Diskussion rücken sollten.
    Denn woraus besteht eigentlich alles ? Aus Ladungen. Was aber sind Ladungen ? Daraus setzten sich dann Atome zusammen (von denen wir allerdings auch nur Modellvorstellungen haben, die wir aber irgendwie auch nicht so wirklich begreifen können).
    Aus diesen Atomen sind dann Moleküle aufgebaut, aus diesen wiederum DNA Stränge mit einer unglaublichen Komplexität, aus diesen Zellen, daraus wiederum ganze Lebewesen, Menschen, die ein Gehirn haben, das wie ein neuronales Netz arbeitet.

    Haben wir eigentlich wirklich begriffen, von was wir das reden ? Neuronale Netze werden in der Computerwissenschaft mittlerweile einigermaßen erfolgreich simuliert, aber man ist noch recht entfernt davon, zu begreifen, wie das menschliche Gehirn funktioniert – das erkennt man nur in Ansätzen.

    Man findet also überall eine unglaubliche Komplexität vor, die weithin irgendwie im öffenltichen Diskurs zu diesem Thema weitgehend ignoriert wird und wo allein der Naturwissenschaft die Deutungsgewalt gegeben wird. Dabei haben viele Naturwissenschaftler möglicherweise auch einen eingeschränkten Blickwinkel, sie betrachten alles aus der Sicht Demokrits – eine Ideologie übrigens.

    Es geht m.E. also nicht darum, nachzuweisen, dass zb das menschliche Auge nur so und so entstanden sein kann (Intelligent Design), denn das ist möglicherweise so ebenfalls nicht nachweisbar.

    Es geht aber darum, die theologische Sichtweise und die philosophische – dass es eben verschiedene Weltbilder und Weltsichten gibt – mehr in den öffentlichen Diskurs zu bringen.

    Ich persönlich denke, dass die Evolutionstheorie im Großen und Ganzen so schon stimmt. Aber irgendetwas muss die Parameter dafür vorgegeben haben, dafür, dass Materie sich selbst organisiert. Hier kommt der Gottesbegriff ins Spiel. Und hier sollte – muss er – auch in den öffentlichen Diskurs stärker hineinkommen. Sonst schottet sich die Kirche von dem ab, wozu sie eigentlich etwas zu sagen hätte. Sie sollte dies nicht nur abwertend tun, sondern zb beim Intelligent Design darauf hinweisen: diese Linie halten wir in ihrer sehr konkreten Art zwar für nicht richtig, aber das Anliegen dahinter ist durchaus das Richtige: dass nämlich Nichts aus Nichts entstanden sein kann und dass die Komplexität der Welt nicht ohne Ursache bestehen kann.

    Hier besteht m.E. großer Diskursbedarf. Andernfalls spalten sich die Kirchen womöglich von den Fragen der Öffentlichkeit ab – sie haben dann irgendwie nichts zu sagen.

    Die Offenbarung durch Jesus ist für uns Christen etwas einmaliges. Aber um sie auch heute noch in einen aktuellen und als möglich erachteten Zusammenhang zu bringen und für Menschen verständlich erscheinen zu lassen, ist es m.E. dringend nötig, stärker diese Fragen aufzugreifen und klarzustellen, dass ihre Beantwortung auch stark davon abhängt, welches Weltbild man zugrunde legt. Und dass die Wirklichkeitskonzeption eines Demokrit, Epikur, Lukrez eben nur eines sind: Konstruktionen, Ideologien. Sie müssen aber nicht die Realität abbilden, zumal sie Annahmen machen, die nicht mehr hinterfragt werden: alles existiere nämlich einfach so, völlig zufällig. Wie abstrus das ist, merken viele offensichtlich nicht.

  3. Avatar von MentalRover
    MentalRover

    Hi Theolounge,

    ich finde es gut, dass du diese Thematik aufgreifst und die Wichtigkeit der Debatte darüber in Bezug der Christen auf die Welt „um sie herum“ mal in den Blick stellst.

    Auch deine Einschätzung des Kreationismus und ID teile ich.

    Auf der anderen Seite wäre ich an zwei Stellen vorsichtig:

    Du schreibst hier oben ähnliches, wie auch schon im Artikel „Gott und der Zufall“(Zitat von dort):

    In theologischen und philosophischen Kreisen kommt man ab und an auf den Begriff des Zufalls zu sprechen. Biologen zum Beispiel nehmen diesen Begriff relativ unhinterfragt als Gegebenheit hin.

    Ich weiß nicht, ob du inzwischen Dawkins‘ Gotteswahn gelesen hast, aber eine Sache macht er dort deutlich:
    Wenn Wissenschaftler vom Zufall reden, verstehen sie darunter etwas anderes als der ‚Normalbürger‘.

    Das bringt ihn dazu, in seinem Populärwerk sogar zu erklären, dass Biologen eben nicht vom Zufall ausgehen.
    (Obwohl das so herum ja auch nicht ganz stimmt, allerdings wendet er sich gegen den Alltagsbegriff).

    Zufall, aus wissenschaftlicher Sicht, hat eben mehr mit Statistik und Gewichtung als mit „Plopp“ zu tun. Evolution mehr mit „Zufall mit Gedächtniseffekt“ als mit „wie von Zauberhand“.

    Und was mir in Gesprächen mit Leuten immer wieder begegnet, die meist jünger sind oder weniger in wissenschaftlicher Denkweise geprägt, ist die Argumentation:

    warum diese Theorie eben auch nur eine Theorie ist,

    Das „nur“ eine Theorie erzeugt bei einem unbedarften Leser/Hörer eine naive Vorstellung, und berücksichtigt eben nicht, was in der Wissenschaft eine Theorie überhaupt ist, und welchen Stellenwert Theoriebildung dort hat!

    Gerade auch der erweckte Eindruck, dass wissenschaftliche Arbeit weitgehend darin bestünde, „nur Theorien“ irgendwann in Fakten zu verwandeln, scheint mir eher in die Irre zu leiten.

    Beide Argumente (Zufall und Theorie) führen leider regelmässig dazu, dass in Evolutions-Diskussionen in Foren Christen, die damit losmarschieren, sich ins Fettnäpfchen setzen, weil sie die Begrifflichkeiten nicht aus dem ursprünglich wissenschaftlichen Kontext, sondern dem Alltags-Kontext verwenden.

    KR
    MentalRover

  4. @Mentalrover

    Nein, hab ich nicht gelesen, werd ich aber irgendwann mal.
    Zufall: das mag in der Naturwissenschaft durchaus so gesehen werden, aber ich denke, auch viele Wissenschaftler benutzen den Begriff unhinterfragt, selbst, wenn sie bisweilen Erfahrung mit statistischen Wahrscheinlichkeiten haben. Das ist einfach so eine Einschätzung, die ich habe. Zwar ist das richtig, was Du sagst, denke ich, aber viele gehen trotzdem denke ich – auch Naturwissenschaftler – recht locker mit diesem Begriff des Zufalls um.

    Dass es in der Wissenschaft eigentlich nicht darum geht, eine Theorie in Fakten umzuwandeln, ist mir auch klar, weil eine Theorie immer nur ein Welterklärungsmodell ist, das also versucht, die Wirklichkeit abzubilden.
    Dennoch ist auch dies vielen Menschen nicht klar. Selbst, wenn es also nicht darum geht, einer Theorie diesen Namen zu entziehen und selbst, wenn sie durchaus viele richtige Elemente in sich vereinen sollte, bleibt es trotzdem ein Erklärungsmodell, also ein Versuch, in möglichst einfachen allgemeingültigen Aussagen ein Maximum an Komplexität zu erfassen und abzubilden.
    Es ist aber dennoch wichtig, denke ich, darauf hinzuweisen, dass dies alles Versuche der Wirklichkeitskonstruktion durch uns Menschen sind (die vielerorts natürlich auch funktionieren). Dennoch sind es eben vereinfachende Wirklichkeitskonstruktionen, die zudem jeweils noch stark durch das jeweilige Weltbild geprägt sind oft, innerhalb welchem sie entstehen.

  5. […] Ade, Evolutionstheorie ? […]

  6. Avatar von harey

    Hallo theolounge,

    das mit der Theorie scheint mit schon ien wichtiger Punkt zu sein:
    damit ein Modell in der Naturwissenschaft als Theorie anerkannt wird muss es folgende Voraussetzungen erfuellen: das Modell muss alle derzeitigen Beobachtungen erklären und ueberpruefbare Vorrausagen machen. werden diese Voraussagen bestätigt ist die Theorie anerkannt.
    Dennoch, keine Theorie kann je „bewiesen“ werden, denn es könnte ja irgendwann Experimente geben die die Theorie widerlegen, ie, jede Theorie ist in gewissem Sinne vorläufig.
    Man könnte das zusammen fassen als „soweit wir wissen ist wird die Realität so beschrieben“.

    Ich stimme grossen Teilen deiner Argumentation zu. Allerdings möchte ich mich zu deiner Kritik an Naturwissenschaften äussern, es ist wahr, keine Naturwissenschaftliche Theorie beantwortet die Frage nach dem warum, dass sit innerhalb der Naturwissenschaft aufgrund der Methodik auch nicht möglich, und miener Meinung nach innerhalb der Naturwissenschaft auch nicht sinnvoll. Fragen nach dem Warum zu beantworten ist Aufgabe der Öffentlichkeit, der Medien, der Kirchen, der Philosophie. Dass diese Diskussion nicht genuegend stattfindet ist nicht der Fehler der Naturwissenschaftler, denn es ist nicht ihre Aufgabe.

    Was nicht heisst dass Naturwissenschaftler oberflächliche, beschränkte Persönlichkeiten sind die sich fuer diese Fragen nicht interessieren, es heisst nur sie sehen es nicht als Teil ihrer Forschung an, und das ist meiner Meinung nach der richtige Weg um Naturwissenschaft so weit wie möglich von Ideologie zu trennen.

    Deswegen denke ich dass dein Vorwurf die Falschen trifft.

    Gruesse

    harey

  7. @Harey

    Das ging auch nicht gegen die Naturwissenschaftler. Das ist mehr als Aufruf zu einem Diskurs über das Thema gedacht, weil es m.E. an der Zeit wäre.
    Manche Naturwissenschaftler tendieren vielleicht aber dazu, ihre Wissenschaft zu verideologisieren.
    Aber es geht drum, mehr Vernetzung zwischen den Weltbildern anzustreben, finde ich.

  8. […] Ade, Evolutionstheorie ? […]

  9. […] man sich dabei nur selbst; trotz allem Wohlwollens, trotz aller guten Absichten. Man möchte mit Evolutionsbiologen in einen Diskurs treten, um die Evolutionstheorie, die sicherlich so falsch nicht sei, aber vielleicht dann auch […]

  10. Avatar von Daniel

    Bin erst kürzlich auf Euer Blog gestoßen und es gefällt mir sehr gut so weit. Ich mag es, wie unverklemmt alle Themenfelder bearbeitet werden. Ist im feed.
    Auch wenn ich etwas spät zu dieser Diskussion stoße, hoffe ich doch sie voran bringen zu können. 😉

    Zum Thema Theorie Fakt wurde ja schon einiges gesagt, aber da das häufig, auch von Dir Theolounge missverstanden wird, eine kurze Ausführung:

    Eine Theorie ist ein in sich schlüssiges und alle bekannten Beobachtungen gerecht werdendes Erklärungsmodell. Es ist maximal das und nie ein Fakt. Fakten sind die Beobachtungen die zur Theoriebildung beitragen oder sie zu Fall bringen, aber der Unterschied ist fundamental. Man kann nicht sagen „Eine Theorie ist so schlüssig und gut unterfüttert, sie ist jetzt ein Faktum.“ Insofern wird das nie mit der Evolutionstheorie passieren, genauso wenig wie es mit irgend einer anderen wissenschaftlichen Theorie passiert. Aus meinem Studium (Informatik, mit Teilschwerpunkt Bioinformatik) ist mir auch kein Professor oder Doktor bekannt der da was anderes vertreten hat, genauso wie mit dem Zufall, auf den ich später noch zu sprechen komme.
    Was aber ein Fakt ist, das ist die Evolution selbst. Sie ist ein Fakt, weil der Effekt, der die Evolution definiert, direkt beobachtet wird. Evolution ist die Änderung der Genhäufigkeit (genauer Allelhäufigkeit) in Populationen über die Zeit. Der Effekt wurde und wird ständig beobachtet. Evolution ist eben dieser Effekt, die Evolutionstheorie ist ein Erklärungsmodell für diesen Effekt.
    Mehr dazu z.B. hier: http://bioinfo.med.utoronto.ca/Evolution_by_Accident/Evolution_Fact_and_Theory.html

    Jetzt zum Zufall:
    Nach meiner Erfahrung wird der Zufall von Wissenschaftlern keineswegs „unhinterfragt“ als gegeben hingenommen. Ganz im Gegenteil. Wann und wie Mutationen auftreten ist ein sehr aktives Forschungsgebiet. Mutationen sind nicht komplett zufällig, in dem Sinne, dass alle Nukleotide gleich wahrscheinlich sind, das ist lange bekannt. Auch die Stellen an denen Mutationen auftreten sind nicht gleich wahrscheinlich. Für all das gibt es aber überzeugende naturalistische Erklärungen. Im Rahmen dieser Erklärungen entsprechen die beobachteten Mutationen den Erwartungen über der Zeit. Gott hier im statistischen Rauschen zu suchen ist genau das wovor Dietrich Bonhoeffer mit seiner Vorstellung von „Gott als Lückenbßer wissenschaftlicher Erkenntnis“ gewarnt hat.
    Zu dem Thema fällt mir dann immer wieder dieser Comic ein: http://russellsteapot.com/comics/2007/omni-impotence.html

    Der Hinweis allein „Theologen und Philosophen sollten sich mehr in die Diskussion einmischen“ ist wenig hilfreich. Welches konkrete Problem mit der Evolutionstheorie soll denn gelöst werden? Philosophen mischen sich ja schon lange ein, ihr Beitrag ist acuh sehr wertvoll gewesen bisher.
    (z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Kritischer_Rationalismus )
    Was die Theologen beitragen können ist mir, ohne konkrete Hinweise oder Beispiele völlig unklar.

    Gerne wird von der Theologie in Anspruch genommen, die Frage nach dem Warum beantworten zu können, was ich stark bezweifle. Aber nehmen wir für die Diskussion an, sie könne es tatsächlich, inwiefern würde die Antwort auf die Warum-Frage die Wie-Frage besser klären?

    Gruß
    Daniel

  11. Ganz guter Comic 😉

    Ich stelle die Evolutionstheorie so gar nicht in Frage.

    > „Was aber ein Fakt ist, das ist die Evolution selbst. Sie ist ein Fakt, weil der Effekt, der die Evolution definiert, direkt beobachtet wird. Evolution ist die Änderung der Genhäufigkeit (genauer Allelhäufigkeit) in Populationen über die Zeit. Der Effekt wurde und wird ständig beobachtet. Evolution ist eben dieser Effekt, die Evolutionstheorie ist ein Erklärungsmodell für diesen Effekt.“

    Das will ich nicht in Abrede stellen. Ich denke aber, dass man nach den Gründen fragen muss, ohne sie jedoch klären zu können. Aber allein das Fragen danach kann unser Weltbild verändern. Ich halte es nämlich für wichtig, dass man mehr wahrnimmt, wie komplex eigentlich alles ist (ohne jetzt zum Intelligent Design abgleiten zu wollen).
    Wenn man dies wahrnimmt, kommt man zu der Frage, wie es sein kann, dass Materie sich selbst organisiert. Hier ist man möglicherweise auch schnell wieder beim Gottesbegriff, auch, wenn man mir nun vorwerfen könnte, ich wollte den Gottesbegriff an die Stellen einsetzen, wo sie naturwissenschaftliche Forschug ungeklärte Stellen hat. Das ist aber nicht so.

    Ich halte aber ein Universum, unser Leben, unsere Seele / Bewußtsein irgendwie für „geschaffen“. Das ist nicht alles ein Produkt des Zufalls, oder man müsste am Zufallsbegriff doch sehr feilen. Dann wäre es vielleicht auch Zufall, wenn man in der Sbahn fährt und 20 mal hintereinander kontrolliert wird. Oder beim Roulette 20 mal hintereinander auf die richtige Zahl tippt. Ich denke, es gibt einfach zuviele Parameter, die in unserer Welt stimmen, als dass man dies einfach dem Zufall zuschreiben könnte. Die Frage nach dem ungeklärten Leid (Theodiezee) lasse ich hier mal aus, aber auch trotz ihr gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Leben, die m.E. irgendwie doch ihren Ursprung braucht. Also nun „Zufall“ ist mir da zu wenig. Allerdings beißt sich dies nicht mit der Evolutionstheorie. Angenommen, man würde zb am Computer eine Simulation erstellen, so würde man ihr auch bestimmte Parameter mit auf den Weg geben müssen, sonst würde sie überhaupt nicht selbständig funktionieren können.
    Vielleicht kann man ähnlich die Naturgesetze sehen.

    Dass eine wiss. Theorie immer ein Konstrukt ist, das die Welt abbildet, ist mir klar. Es muss halt innerhalb der Parameter, die es erklären will, funktionieren.

    Viele Leute setzen aber diese naturwissenschaftlichen Erklärungen – die m.E. im philosophischen Bereich nur Teilerklärungen sind – als DIE Wirklichkeit voraus. Und das ist nicht sinnvoll, denke ich, weil es den Blickwinkel sehr einschränkt und einengt. Hier setzt die Philosophie und Theologie an , hier ist ihr Proprium, denke ich.
    Sie fragt „warum“ ? – ohne es beweisend beantworten zu können. Aber allein diese Fragen weiten den Denkhorizont – und darauf kommt es an. Es kann ein Segen für die Welt sein und für jeden Einzelnen darin, weil es die Weltbilder verändern kann.
    Es macht nämlich einen Unterschied, ob man eine Laune der Natur ist und in einer unendlichen Bewegung des Zufalls schwimmt, oder ob man sich irgendwie getragen fühlt durch etwas, das hinter diesem sog. Zufall steht.
    Die Theologie freilich beantwotet diese existentiellen Fragen recht konkret, weil sie einen Offenbarungsanspruch für sich beansprucht, zb die christliche Religion.
    Wirkt für jemanden, der nicht gläubig ist, erstmal absurd. Wenn man mehr drüber nachdenkt, kann man aber zu dem Schluß kommen, dass wenn es Gott gibt, man tatsächlich nur etwas von ihm wissen kann, wenn er etwas von sich preisgibt. Ansonsten würde man in aufgeblähten, selbstgestickten Gottesbildern stecken bleiben.
    Ob sich Gott offenbart hat, ist natürlich dir Frage, die auch sehr angreifbar ist. Die Antwort von Christen ist aber: ja, er hat.

  12. […] on War Erlösung durch Jesus notw…andy55 on Der Tod ist tot: Jesus hat ihm…theolounge on Ade, Evolutionstheorie ?Der Tod ist tot: Jes… on Gehirnforschung: Was ist die S…Daniel on Ade, […]

  13. […] Sie auch: > Ade, Evolutionstheorie ? > Der Kreationismus als florierendes Business (GEO) > Dem Kreationismus mit […]

  14. […] > Schöpfung oder Evolution ? (AUDIO) > Theologe contra Dawkins   > Ade, Evolutionstheorie ? Foto: Orfield […]

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von god.fish

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen