Oder warum wir uns mit dem Thema Kreationismus und Intelligent Design auseinandersetzen müssen. Ist die Evolutionstheorie so richtig, wie sie angenommen wird ? In vielerlei Hinsicht ist sie das wohl, selbst, wenn von Darwin der Spruch stammen soll, dass diese Theorie nicht falsch sein müsse, nur, weil man sie nicht glauben könne. Auch er hatte also Zweifel.
Heutzutage sind viele Verbindungsglieder erkannt worden, aber dennoch ist man noch davon entfernt, dieser Sache den Namen „Theorie“ zu entziehen und sie ein Faktum zu nennen. Wie könnte man auch, man war ja nicht mit dabei all die Jahrmillionen. Allerdings soll diese „Theorie“ hier nicht wirklich bezweifelt werden. Was aber geschehen soll: dass ein paar Fragen gestellt werden, warum diese Theorie eben auch nur eine Theorie ist, selbst, wenn sie die beste ist, die wir derzeit haben, um das Leben zu erklären.
Sie ist zunächst einmal die beste Konstruktionsidee, die wir Menschen von unserer Entstehung haben. Denn irgendwo ist es doch recht unglaublich, dass wir einfach so – plopp – wie von Zauberhand geschaffen worden sein sollen. Gut, auf den Urknall darf man diese Frage nicht anwenden, aber bei uns: irgendwie haben wir uns entwickelt im Laufe der Jahrmillionen. Der Gottesfrage tut dies keinen Abbruch.
Allzu oft argumentieren Naturwissenschaftler allerdings mit dem Begriff des Zufalls. Und nehmen diesen Begriff recht unhinterfragt in ihre Argumentationen mit hinein. Hier ist aber tatsächlich ein theologischer, philosophischer und ontologischer Ansatzpunkt gegeben: was ist denn bitte der Zufall, was bezeichnen wir als Zufall ?
Nun ist es so: bis auf wenige Ausnahmen hat man sich offenbar zumindest in den großen Kirchen in Deutschland eher dahingehend geeinigt, dass der Glaube nicht konträr zur Naturwissenschaft stehen darf, kann, soll. Dies ist berechtigt und hat gute Gründe. Es verbaut einem jedoch auch die Diskussionsgrundlage über manche Themengebiete etwas.
Machen wir einen Schwenk: zur Lernpsychologie. Dort ging man vor einigen Jahrzehnten noch von behavioristischen Lernmodellen aus. Demnach verläuft Lernen folgendermaßen: Wenn man eine Vokabel lernen will, so muss man sie nur oft genug wiederholen, dann kann man sie. Oder wissenschaftlicher: ein Reiz muss oft genug bekräftigt werden, dann wird er ein Teil des Verhaltens.
Man müsste also Millionen und Abermillionen Reize immer wieder bekräftigen, um zu lernen. Dass dies nicht geht, hat man irgendwann erkannt. Man löste sich von diesen rein behavioristischen Lernmodellen. Heute geht man in Richtung kognitive Lernmodelle: Lernen lässt sich nicht so einfach beschreiben, wie die Behavioristen dies gern gehabt hätten. Lernen ist in seiner Komplexität viel unüberschaubarer.
Hier finden wir eine Parallele zur Evolutionstheorie. Sie scheint nämlich auch ähnlich behavioristisch geprägt zu sein. Möglicherweise muss man sich auch hier von diesem Modell lösen. Dies heißt nun nicht, dass man sie verwerfen muss, aber möglicherweise überarbeiten und auch durch philosophische und möglicherweise theologische Denkansätze etwas „unterfüttern“.
Nun ist man hier aber schnell bei religiös-fundamentalistischem Gedankengut angekommen: die Erde sei vielleicht nur gar 6000 Jahre alt (Kreationisten). Oder aus der Komplexität des Lebens könne man auf Gott Rückschlüsse ziehen (Intelligent Design). Von ersterem Weg sollte man sich distanzieren, und wenn es nach den großen Kirchen (bis auf wenige Vertreter) geht, von zweiterem auch. Das ist irgendwo in sich logisch, weil man sich zu sehr an wissenschaftliche Erkenntnisse klammern könnte, die morgen wieder verworfen sind. Ein dünnes Eis.
Dennoch ist letzeres Argument auch den Psalmendichtern nicht unbekannt und kommt zudem an einigen Stellen in der Bibel vor, wo ausgehend von dem Wunder des Lebens, des Kosmos und auch der Umwelt Gott gelobt wird als der Schöpfer.
Zwar ist die biblische – neutestamentliche – Offenbarung Gottes durch Jesus etwas einzigartiges, aber es gibt eben auch diese anderen Denklinien: Man kommt auch in der heutigen Zeit einfach nicht umher, zu staunen. Ein Mensch ist unglaublich komplex und es fällt einem schwer, zu erfassen, dass er in rein behavioristischer Weise sich aus Atomen in Moleküle, aus Molekülen in Zellen, aus Zellen in einen solch komplexen Apparat an Leben entwickelt haben soll. Schwer. Wer dies nicht zugibt, weiß womöglich nicht, wovon er spricht.
Wohin geht also die Reise ? Vielleicht dorthin: dass Theologen und Philosophen sich mehr der Sache annehmen. Denn an der Zeit wäre es. Das heißt nun nicht, dass die Evolutionstheorie kippen wird, denn sie ist – wie schon gesagt – das beste Modell, das wir irgendwie zur Verfügung haben. Möglicherweise geht es aber darum, hier Theologie, Philosophie, Biologie, Physik und Chemie mehr zusammenzubringen. Nicht in einen blinden Glaubenskanon, wohl aber dahingehend, dass man sich der verschiedenen Weltbilder bewußt wird, dass man mehr wahrnimmt: wir wissen so vieles eigentlich nicht wirklich: was ist der Urknall, was ist unser Bewußtsein und unsere Seele, was ist der Grund allen Seins, gibt es die Unendlichkeit ?
Eine Einschätzung: wir werden diese Fragen niemals lösen können. Dennoch geht es darum, sich ihrer anzunehmen. Denn an ihnen hängen ganze Weltbilder – und diese bestimmen das Leben von jedem Einzelnen von uns. Leider. Oder auch: Gott sei Dank.
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Bild: Dieter Wendelken, pixelio.de



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