Gaumenfreuden à la Klinik

Es gibt Momente im Leben, da fühlt man sich privilegiert. Etwa dann, wenn man im Krankenhaus auf kulinarische Weltreisen geschickt wird – ohne das Bett zu verlassen.

Da liegt er also vor einem: der rechteckige Teller, halb leer, halb voller Hoffnung. Ein Klecks Kartoffelbrei, der so sanft und gleichförmig daherkommt, dass man sich fragt, ob er aus der Tube stammt. Daneben zwei Brokkoliröschen, die offensichtlich im falschen Film gelandet sind. Und mittendrin ein Stück Fleisch, das vermutlich schon als Komparse in einer Hühnersuppe Karriere machen wollte, dann aber zur Hauptrolle im Menü „Hühnerwürfel im Soßenmeer“ befördert wurde.

Die Soße selbst verdient Erwähnung. Sie überzieht alles mit einem warmen Gelb, das irgendwo zwischen „Ocker“ und „Curryphantasie“ changiert, ohne dabei jemals eine konkrete Geschmacksrichtung zu verraten. Sie ist die Schweiz der Soßen: neutral, überall dabei, aber niemandem richtig verpflichtet.

Und doch – man isst. Tapfer. Mit jedem Bissen das stille Gefühl, dass dies nicht nur eine Mahlzeit ist, sondern ein pädagogisches Konzept: Schätzen lernen, was draußen wartet. Pizza, Döner, sogar die labbrige Bäckersemmel – alles wird durch das Krankenhausmenü veredelt.

So betrachtet, ist es vielleicht gar kein Essen. Es ist Therapie.


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