
Wie Donald Trump der Welt den Wohlstand austreibt.
Donald Trump, gerade mal seit Januar 2025 wieder US-Präsident, hat den Welthandel erneut ins Visier genommen – mit einem flächendeckenden Zollprogramm, das fast alle Importwaren betrifft. Mit bis zu 34 Prozent Strafzoll, etwa auf chinesische Produkte, sowie 25 Prozent auf Autos, verkündet er diesen wirtschaftlichen Feldzug im Rosengarten des Weißen Hauses als „Befreiungstag für Amerika“. Was für andere nach wirtschaftlichem Kamikazeflug klingt, ist für Trump offenbar ein strategischer Geniestreich. Oder zumindest hält er ihn dafür.
Analyse:
Es ist ein bemerkenswertes Schauspiel: Ein Präsident, der sich als Wirtschaftsvisionär inszeniert, während er die ökonomischen Grundlagen eines global vernetzten Handelssystems zielsicher demontiert. Donald Trump liebt Zölle – und zwar leidenschaftlich, wie andere Menschen Hunde oder italienischen Kaffee. Dabei ignoriert er konsequent, dass Zölle keine Industrie zurückholen, keine neuen Jobs schaffen und keinen Wohlstand erzeugen. Im Gegenteil: Sie sind, wie der renommierte Ökonom Maurice Obstfeld erklärt, eine Steuer auf Exporte, eine Belastung für Konsumenten und ein Angriff auf die Effizienz der Wirtschaft.
Trump glaubt, mit dieser Politik dem „ausgebeuteten“ Amerika wieder zu Größe zu verhelfen. Dabei übersieht er elegant, dass die USA ihr Handelsdefizit selbst produzieren, weil sie mehr konsumieren als sie erwirtschaften. Aber was zählen Zahlen und ökonomische Mechanismen, wenn man sich selbst für das Zentrum des Universums hält? Hybris ist eben auch eine Wirtschaftsstrategie. Nur eben keine besonders erfolgreiche.
Während die Weltgemeinschaft mit Vergeltungszöllen und wachsender Nervosität reagiert, scheint Trump die Logik des internationalen Handels nie wirklich verstanden zu haben. Er verwechselt Selbstgenügsamkeit mit Souveränität, Strafzölle mit Stärke und ökonomische Realität mit Showbusiness. Die Konsequenz? Höhere Preise, schrumpfende Wirtschaftsleistung, beschädigte Allianzen – und ein schrittweiser Rückzug der USA aus ihrer Rolle als wirtschaftliches Zugpferd der Welt.
Doch vielleicht geht es ihm gar nicht um Wirtschaft. Vielleicht geht es ihm nur darum, im eigenen Echo zu glänzen. Solange man laut genug ruft, hört man wenigstens sich selbst.
Trump führt Amerika in eine wirtschaftspolitische Isolation, die teuer wird – für die USA und den Rest der Welt. Wer glaubt, dass man globale Probleme mit nationalistischen Werkzeugen lösen kann, wird bald merken: Die Rechnung zahlt am Ende immer der Bürger.
Quelle: Interview mit Maurice Obstfeld in DIE ZEIT Nr. 14/2025, „Trump hat der Weltwirtschaft den Krieg erklärt“



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