Nach ihrer Rehabilitierung durch den Papst: Lefebvristen wollen Rom bekehren

lefebvre2Ich habe den Eindruck, der römisch-katholische Papst Benedikt XVI. hat sich und den seinen mit der Rehabilitierung der Anhänger der reaktionären Lefebvre-Bewegung eine Suppe eingebrockt, die auszulöffeln nun der gesamten römisch-katholischen Kirche erhebliche Bauchschmerzen verursacht.

Denn nachdem sich zunächst einer der vier rehabilitierten Bischöfe als Holocaust-Leugner entpuppt hat (vgl. „Lefebvre zurück in Rom„), machte nun ein weiterer dieser Bischöfe – Bernard Tissier de Mallerais – gegenüber der italienischen Zeitung „La Stampa“ deutlich, dass die Lefebvristen nicht etwa die Absicht hätten, ihre eigene Position zu ändern (also z.B.: die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils wie Einführung der Landessprache im Gottesdienst, die Öffnung der römisch-katholischen Kirche für die Ökumene oder der verstärkte Dialog mit anderen Religionen anzuerkennen – vgl. dazu auch „Petition fordert uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils„), sondern dass die Lefebvre-Bewegung die Absicht habe, Rom zu bekehren. Die Verbannung der Piusbruderschaft habe nun 20 Jahre gedauert. Nun wollten die Lefebvre-Bischöfe den Vatikan zu ihren Positionen führen.

Na. Das wird noch ein Tanz!

Siehe zu dem Thema auch meine Einschätzung, warum sich die römisch-katholische Weltkirche weiterhin in die konservative Richtung entwickeln wird: „Warum sollte Rom sich ändern?

Wer das Interview mit Bischof Bernard Tissier de Mallerais lesen will, findet auf dem Blog „exultet.net“ eine deutsche Übersetzung: Bernard Tissier de Mallerais im Interview

Foto: LeoneL Schilling – Quelle: http://www.flickr.de


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Kommentare

11 Kommentare zu „Nach ihrer Rehabilitierung durch den Papst: Lefebvristen wollen Rom bekehren“

  1. Der Papst hat ein Problem

    Doch dies ist nicht allein die Piusbruderschaft bzw. die Verleugnung der Massenmorde. Was jetzt hochkocht., ist letztlich aus einer konservativen Dogmatik heraus erwachsen, an der Papst Benedikt XVI. Halt sucht. Nicht zuletzt, weil er als Wissenschaftler erkennt, dass alle bisherige historisch-kritische Auswertung, die letztlich immer in Jesus nur einen zum Gottessohn/Logos erhobenen Guru annimmt, zu kurz greift, der anfänglichen Geisteswende bzw. antiken Glaubensaufklärung nicht gerecht wird.

    Doch wer den Grund dieser Dogmen im Heute, einer rationalen Welt nicht erklären kann bzw. will, der wird nicht ernst genommen, sondern als gestrig, weltfremd betrachtet. Genau dies ist dann diese Woche im SPIEGEL zu sehen.

    Wer ständig von „schöpferischer Vernunft“ bzw. dem griechischen Logos spricht, wenn er über Jesus Christus redet, sich jedoch aufgrund bisheriger Prägung nicht auf die naturwissenschaftlich erklärte Logik allen evolutionären Werdens beziehen kann, der wirkt weltfremd. So hat dann auch Heiner Geißler im Spiegeltitel dem Papst ein völlig spirituelles Jesusverständnis unterstellt, dies als Beleg für dessen Weltabgewandtheit gewertet.

    Doch wie soll der Papst, der einer Glaubensgemeinschaft vorsteht, die bisher jenseits der Vernunft „glaubte“, bis vor wenigen Jahren naturwissenschaftliche Logik verteufelte bzw. völlig neben die biblische Offenbarung stellte, jetzt im evolutionären Werden bzw. den dort geltenden kreativen Mechanismen das ewige Wort hören, eine menschlich umzusetzende „schöpferische Vernunft“ (die christlich einzige Vermittlung von Schöpfung ist, über die hinaus es nichts über den Vater/Schöpfergott der Väter bzw. einen Desinger zu sagen gibt) verstehen wollen?

    Man stelle sich vor, was die Welt, die dem Papst weltfremdheit vorwirft, sagen würde, wenn er jetzt im evolutionären Werden der Welt, der wissenschaftlichen Welterklärung die „schöpferische Vernunft“/das ewige Wort hören, gar dort den lebendigen Jesus, gegenwärtige Offenbarung wahrnehmen wollte?

    Und was erst würden die Gläubigen von ihm denken?

  2. @ Gerhard Menzel / theologie-der-vernunft

    ist ja ganz nett, der Kommentar – hat aber m.E. mit meinem Beitrag herzlich wenig zu tun, sondern ist nur die Darstellung einer eigenen theologischen Sichtweise, die ich, dessen Glaube auf dem ökumenischen Konsens der Christinnen und Christen beruht, nicht teilen kann

    wäre es nicht einfach möglich, beim eigentlichen Thema zu bleiben?

  3. @Walter Jungbauer,
    was möchten Sie denn hören? Ein Tanz ist ein Tanz und wieso sollte ein Tanz noch kommentiert werden.
    So wie Sie die Sache schildern, werden sich jetzt die Traditionalisten gegenseitig bekehren und das ungefragte Fußvolk wird sich einfach abwenden. Wenn zwei sich stzreiten freut sich meist der Dritte.
    Es geht doch wohl um ein bisschen mehr, als um den Erhalt einer Institution einer Kirche.
    Es geht darum dem Menschen seine Göttlichkeit zurück zugeben und wie kann das besser geschehen, als damit dass sich Papst und Bischöfe anfangen wie Kesselflicker zu zanken. Wer das mit wachem Verstand verfolgt, wird sich gut von einer solchen Hierarchie abnabeln können.

  4. Herr Jungbauer,
    denken Sie wirklich, dass es mit der ach so großen Empörung, über die pästliche Panne, in die jetzt auch unsere Kanzlerin eingeriffen hat, getan ist?

    Verstehen die Menschen noch, um was es beim Streit zwischen den rehablitierten Traditionalisten und der Kirche geht? (Über die beliebige Beurteilung, ob die alte Messe schmeckt oder nicht, hinaus.)

    Werden die Dogmen der Kirche, die Kernpunkte bzw. die biblisch bezeugten Bedeutungsinhalte unseres Glaubens überhaupt noch ernst genommen?

    Oder zeigt sich nicht gerade im Spiegel der Presse zur päpstlichen Integration der „Ultras“, von FAZ bis zur Lokalzeitung, dass man meist auch dem Papst bzw. der Kirche eine konservative Haltung unterstellt und all das, was da gesagt und behauptet wird, als völlig weltfremd betrachtet?

    Sicherlicher wollte der Papst als Pontifex Brücken bauen, die Einheit der Kirche sicherstellen. Doch was nutzt diese „scheinbare“ Einheit, wenn all das, was an Dogmen gewälzt und gestritten wird, die moderne Welt (auch innerhalb der Kirchenmitglieder) nicht wirklich interessiert, für weltfremd gehalten wird?

    Entschuldigen Sie, wie ich mich nicht auf dem von Ihnen beanspruchten ökumuenischen Konsens bewege. Doch wie auch in meinem unter http://www.theologie-der-vernunft.de hinterlegten Brief an Benedikt XVI. nachzulesen, versuche ich nur in Auswertung des heute gegebenen geschichtlichen Wissens bzw. ernst genommener Bedeutungsinhalte der Bibel Brücken zu bauen: Zum zeitgemäßen Verständnis der Welt, damit auch zwischen den verschiedenen religiösen Weltbildern bzw. Glaubensvorstellungen.

    Von einer kreativen=schöpferischen Vernunft allen naturwissenschaftlich erklärten Werdens als offenbarendes Wort (historischen Glaubensgrund/gründer in menschlicher Person=Rolle/Aufgabe) ausgehend, wären m.E. nicht nur die Bedeutungsinhalte bzw. Dogmen in heutiger Zeit zu verstehen, sondern deren Bedeutung gerade für unsere Zeit zu belegen.

    In weiterer Hoffnung auf ein zeitgemäßes
    Auf-verständnis des lebendigen Wortes,
    statt Bekehrung von Rom durch Lefebvristen.

  5. hmmmmmm ?

  6. @Walter Jungbauer

    Lieber Walter,

    dein Beitrag ist – so offen muss man das aussprechen- unredlich.

    Es wäre mir nicht wirklich angenehm, aber ich denke daran, hier nicht weiter untätig zuzuschauen.

    Jeder, der um ein vertretbares Maß an Information bemüht ist, weiß ohnehin, dass der Papst nie und nimmer die Lefebvre-Bischöfe oder die Pius-Bruderschaft rehabilitiert hat.

    Es gibt klare Auflagen, die der Vatikan den Bischöfen und der Pius-Bruderschaft aufgegeben hat, um über eine Rehabilitierung überhaupt nachdenken zu können. Die Aufhebung der Exkommunikation ist nichts als eine ausgestreckte Hand, die angenommen werden kann, oder eben nicht.

    Wir haben eine Verantwortung gegenüber unserem Gewissen (wem sage ich das?) und auch eine Verpflichtung gegenüber mittlerweile 300.000 Zugriffen auf dieser Plattform.

    Grüße, Stefan

  7. @ betezujesus alias stephansleben alias kroski

    Was ist an dem Beitrag unredlich???

    Ich habe lediglich die Nachrichten verfolgt, und diese mit meinem Beitrag aus meiner Perspektive kommentiert. Genau wie Du die Vorgänge aus Deiner Perspektive kommentierst.

    Dass unsere Perspektiven unterschiedlich sind, dürfte die geneigte Leserin / der geneigte Leser dabei allerdings ja auch schon mitbekommen haben 😉

    Aber da offenbaren sich eben die unterschiedlichen Blickwinkel zweier katholischer Konfessionen auf die gleiche Frage. Finde ich jetzt nicht tragisch.

    Herzlich

    Walter alias oekumenisch

  8. Hallo Walter,

    wenn einem Fehler unterlaufen, sollte man dies auch einräumen können: Ich hatte nicht richtig auf das Datum der Veröffentlichung deines Beitrags geachtet, und hier will ich ganz sicher nicht eine Diskussion nochmals beginnen, die bereits 2 Wochen zurückliegt!
    +
    Trotzdem nütze ich die Gelegenheit, einfach darum zu bitten, mit der Wortwahl bei den theolounge-Aufmachern vorsichtiger zu sein. Wenn die BILD-Zeitung mit „Rehabilitierung der Lefebvre-Bischöfe“ titelt, ist das schon schlimm genug. Aber ich denke nicht, dass Unterstellungen auf einer Plattform des Dialogs Sinn machen.

  9. Theologie der Vernunft,
    was brauchen wir die Dogmen der Kirche? Wenn uns lediglich aufgetragen wurde den Nächsten zu lieben wie uns selbst.
    Dann fehlt es uns meistens an der Selbstliebe, wenn wir den Nächsten nicht lieben.
    Mit den Dogmen der Kirche ist viel zu viel Schindluder getrieben worden und wird es noch. Die Liebe ist eben keine reine Sache der Vernunft, obwohl es natürlich schön wäre, wenn Liebende ab und zu auch die Vernunft einschalten.

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