Nachdem nun vier Bischöfe der vor rund 20 Jahren von Johannes Paul II. exkommunizierten Gefolgschaft des erzkonservativen Erzbischofs Marcel Lefebvre (1905-1991) von dessen Nachfolger Benedikt XVI. wieder in die römisch-katholische Kirche aufgenommen wurden (vgl. „Lefebvre zurück in Rom„), regt sich auch innerhalb der römischen Variante des Katholizismus Widerstand. Vom römisch-katholischen Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse (vgl. „Der Preis darf nicht gezahlt werden„) über den vom Vatikan mit Lehrverbot belegten hervorragenden Theologen Hans Küng (vgl. „Ein Obama muss Papst werden„) bis hin zu einer Petition von Theologinnen und Theologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (vgl. „Petition fordert uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils„).
Alles gut gemeinte Initiativen. Sie erinnern mich an die Zeit in den 80er Jahren, in denen ich (römisch-katholische) Theologie studiert habe. Damals waren wir jungen Studierenden überzeugt, dass wir diese Kirche verändern könnten. „Initiative Kirche von unten“ (IKvu) und „Wir sind Kirche“ waren unsere Bewegungen, „Befreiungstheologie“, synodale Strukturen und die Mitsprache aller Kirchenmitglieder, ökumenische Beziehungen und gemeinsames Abendmahl/gemeinsame Eucharistie, die Aufhebung des verpflichtenden Zölibats für die Geistlichkeit und die Einführung der Frauenordination, das hat uns umgetrieben. – Wie ich von Freunden aus der römisch-katholischen Kirche höre, lösen sich IKvu und „Wir sind Kirche“ mittlerweile wegen Überalterung auf, von Befreiungstheologie ist nur noch wenig zu hören (vgl. „70 Jahre und ein bischen leise – Leonardo Boff hat Geburtstag„), und die erwähnten Themenfelder sind meinem Eindruck nach nicht mehr wirklich virulente Diskussionsthemen in der breiten römisch-katholischen Kirchenöffentlichkeit.
Nachdem ich zu der Überzeugung gekommen war, dass sich die römisch-katholische Kirche zu meinen Lebzeiten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ändern wird, bin ich zur alt-katholischen Kirche gewechselt, in welcher die angeführten Reformschritte nicht Wunsch, sondern umgesetzte Realität sind.
Ich denke, bei nüchterner Betrachtung wird eigentlich jede und jeder schnell feststellen, dass die römisch-katholische Kirche (resp. ihre Hauptrepräsentanten) keinerlei Anlass hat, sich zu ändern, sondern eher weiter auf dem eingeschlagenen konservativen Weg voranschreiten wird:
- die Probleme, mit denen die römische Konfession zu kämpfen hat, sind vorrangig Probleme in Westeuropa;
- weltweit wächst die römisch-katholische Kirche an Mitgliedern;
- weltweit gesehen gibt es keinerlei Priestermangel (weswegen ja jetzt Priester importiert werden und verstärkt deutsche Pfarrstellen besetzen);
- die theologischen Erkenntnisse der v.a. westeuropäischen und amerikanischen Theologie liberalen Zuschnitts und ihre theoretisch logischen Folgen sind irrelevant im Vergleich zu den faktisch vertretenen theologischen Ansichten in weiten Teilen der römisch-katholischen Kirche (v.a. der Hierarchie) – wobei ich mir manchmal nicht wirklich sicher bin, ob es tatsächlich um Theologie oder vielleicht doch vorrangig um Machterhalt geht …
Ich freue mich über Widerspruch! 😉
Foto: gulaschsuppn – Quelle: http://www.flickr.de



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