Eigentlich ist Dialog doch wichtig, oder nicht ? Wer nicht miteinander spricht, der bietet idealen Nährboden für das Entstehen von Feindbildern. Das ist der grundlegende Gedanke des Dialogs. In einem Dialog kommt in der Regel heraus, dass der andere Mensch – trotz unterschiedlichen Auffassungen – eben auch ein Mensch ist und als solcher zu achten ist. Der EKD-Ratsvorsitzende Huber hat in diesem Zusammenhang auch mit den Muslimen Kontakt aufgenommen, zugleich aber Dinge thematisiert, die unserer demokratischen Auffassung zuwiderlaufen. In einem jüdischen Blog wird dies thematisiert, wenn auch aus anderer Perspektive: Dort sieht man dies als Angriff auf innerreligiöse Angelegenheiten und spannt den Bogen gleich weiter zum Judentum: wenn bei den Muslimen angeprangert wird, sie hätten keine Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern, was sich u.a. allein schon in der Sitzordung in der Moschee zeige, so könne man dies gleich auf das orthodoxe Judentum ausweiten, wo der Fall ähnlich liege. Man traue sich nur nicht.
Der Fall liegt aber vielleicht doch ein wenig anders: man sollte differenzieren zwischen „man kann“ und „man darf nicht“. Wenn man eine Trennung beispielsweise zwischen den Geschlechtern will, dann ist dies eine freiwillige Entscheidung. Man vergißt hierbei aber sicher schnell die institutionalisierende Wirkung solcher Unterfangen: was heute als freie Entscheidung beginnt, ist morgen „Gesetz“ und lässt möglicherweise wenig Spielraum für eigene Entscheidungen.
In dieser Hinsicht ist sicher auch die Kritik von Herrn Huber zu sehen. Der Blog, auf den hier verwiesen wird, hat jedoch eine andere Sicht. Die Autorin ist freiwillig vor einiger Zeit zum Judentum übergetreten und empfindet z.B. die Geschlechtertrennung in der Synagoge nicht als Zwang, sondern als Tradition. Zugleich äußert sie sich jedoch kritisch darüber, ob denn jemand aus dem Judentum überhaupt Interesse an einem interreligiösen Dialog habe.
Dies ist sicher nur eine Meinung von vielen. Es gibt sicherlich auch im Judentum die Meinung, Verständigung sei wichtig. Bestes Beispiel für die Notwenigkeit dieses Dialogs ist m.E. eben das Mißverständnis, das oben beschrieben wurde: Zwang – oder Freiwilligkeit. > Hier zum Blog.
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