
Es geht um das neue, erstaunlich flauschige Leben von Baschar al-Assad. Ein Jahr nach seiner Flucht aus Damaskus sitzt der Ex-Diktator nicht etwa auf der Anklagebank in Den Haag, sondern genießt russischen Luxus im Nobelviertel Rubljowka – der ultimativen Endstation für gescheiterte Autokraten.
Man hilft sich, man kennt sich. In der geschlossenen Wohnanlage bei Moskau ist Assad in bester Gesellschaft; sein Nachbar ist der ebenfalls gestürzte Ex-Ukrainer Wiktor Janukowytsch. Es wirkt wie eine Art betreutes Wohnen für Diktatoren, die ihren Job an die Wand gefahren haben. Doch der eigentliche Treppenwitz der Geschichte ist Assads Karriereplanung: Der Mann, der jahrelang dafür gesorgt hat, dass in Syrien die Lichter ausgehen, frischt nun seine Kenntnisse in Augenheilkunde auf.
Richtig gelesen. Der Schlächter von einst will der Moskauer Elite künftig tief in die Augen schauen. Eine rührende Ironie: Ein Kriegsverbrecher, der Sehstörungen korrigieren will, während er selbst jahrelang blind für das Leid seines Volkes war. Vielleicht ist das aber auch nur eine Beschäftigungstherapie, denn sein alter Gönner Wladimir Putin hat ihn fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Wer keine Macht mehr hat, taugt im Kreml nicht mal mehr als „Gast fürs Abendessen“.
So bleibt Assad nur das Büffeln von russischen Vokabeln und die Hoffnung, dass seine neuen Patienten nicht zu genau hinsehen, wer da eigentlich das Skalpell hält.



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