
Es ist ein Erwachen in der Bedeutungslosigkeit. Im November 2025 muss Europa feststellen, dass es auf der Weltbühne nicht mehr mitspielt, sondern nur noch zuschaut. Der von den USA vorgelegte 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine ist mehr als nur ein diplomatisches Papier – er ist der schriftliche Beweis dafür, dass die europäische Außenpolitik gescheitert ist.
Ein Diktat statt Diplomatie
Was Washington präsentiert hat, liest sich wie eine Wunschliste des Kremls. Russland behält eroberte Gebiete, kehrt in die G7 zurück und darf faktisch mitbestimmen, wie sich die NATO erweitert. Im Gegenzug gibt es vage Versprechen. Für die Ukraine und ihre europäischen Partner ist das ein Schlag ins Gesicht. Besonders demütigend ist jedoch nicht nur der Inhalt, sondern das Zustandekommen: Europa wurde nicht gefragt.
Die Reaktion aus Berlin und Brüssel wirkt hilflos. Während Außenminister Johann Wadephul dem Papier den Status eines Plans abspricht, flüchten sich EU-Vertreter wie Kaja Kallas in Durchhalteparolen. Man wolle die Ukraine unterstützen, „solange es nötig ist“. Doch diese Sätze klingen hohl, wenn amerikanische Immobilienhändler und russische Diplomaten die Zukunft der europäischen Sicherheitsarchitektur unter sich ausmachen. Ein US-Regierungsbeamter brachte es brutal auf den Punkt: Die Europäer interessieren Washington schlichtweg nicht mehr.
Der Preis des Zögerns
Diese Marginalisierung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Passivität. Europa hat es versäumt, sich als eigenständige Macht zu etablieren. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- Es fließt weiterhin mehr Geld für Energie nach Russland als Hilfsgelder in die Ukraine.
- Das Purl-Programm der NATO blieb finanziell weit hinter den Erwartungen zurück.
- Die Angst vor rechtlichen Konsequenzen verhinderte die Nutzung eingefrorener russischer Staatsgelder.
Statt Fakten zu schaffen, hat sich die EU auf den großen Bruder in Übersee verlassen. Man hoffte, die transatlantische Bindung würde ewig halten. Doch mit Donald Trump im Weißen Haus ist diese Hoffnung verflogen. Die selbsternannte „Koalition der Willigen“ um Deutschland, Frankreich und Großbritannien hat außer endlosen Telefonaten wenig Substanzielles hervorgebracht. Wer nicht handelt, wird behandelt – diese alte Weisheit trifft die Europäer nun mit voller Härte.
Innenpolitische Risse in Kyjiw
Die Schwäche des Westens trifft auf eine Ukraine, die auch im Inneren wankt. Korruptionsskandale im Energiesektor und die Kritik am Führungsstil von Wolodymyr Selenskyj und seinem Stabschef Andrij Jermak schwächen die Position Kyjiws zusätzlich. Wenn selbst der Kyiv Independent von einer Gefahr für die Existenz des Landes spricht, zeigt das, wie dramatisch die Lage ist. Während Europa zaudert, rekrutiert Russland unbeirrt weiter fast 30.000 Soldaten pro Monat und gleicht seine Verluste aus.
Die bittere Rechnung
Am Ende steht Europa mit leeren Händen da. Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Kollegen versuchen nun hektisch, noch einen Platz am Verhandlungstisch zu ergattern, doch der Zug ist längst abgefahren. Wladimir Putin hat gelernt, dass Europa ohne die USA handlungsunfähig ist. Und er weiß nun auch, dass den USA die Interessen Europas egal sind.
Die diplomatische Niederlage ist bereits besiegelt. Egal, ob die Ukraine den US-Plan annimmt oder nicht: Der Anspruch der EU, eine geopolitische Gestaltungsmacht zu sein, hat sich als Illusion entpuppt. Europa zahlt nun den Preis für seine Bequemlichkeit und muss zusehen, wie über seine Sicherheit in Washington und Moskau entschieden wird.



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