Warum dein „Mindset“ der Schlüssel zu (fast) allem ist

Glaubens-Power

Wir kennen den Spruch: „Der Glaube kann Berge versetzen.“ Jesus selbst hat das in ähnlichen Worten gesagt (siehe Matthäus 17:20). Aber mal ehrlich: Für die meisten von uns klingt das nach einer spirituellen Metapher, die wenig mit unserem Alltag, unserem Stress in der Uni, dem Druck auf Social Media oder unseren Zukunftsängsten zu tun hat.

Aber was, wenn Jesus und viele der größten Denker der Theologie uns damit auf etwas viel Tieferes, Psychologischeres aufmerksam machen wollten? Was, wenn es stimmt, dass das, was du glaubst, dein Leben definiert?

Du hast es selbst erlebt: Wer ständig denkt „Ich schaffe das eh nicht“ oder „Ich bin nicht gut genug“, der wird selten über sich hinauswachsen. Du baust dir dein eigenes mentales Gefängnis. Deine Gedanken werden zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Und umgekehrt: Wer an eine Möglichkeit glaubt, fängt überhaupt erst an, nach Wegen zu suchen.

Dieser Mechanismus ist keine Erfindung moderner „Mindset-Coaches“. Er ist ein zutiefst theologischer Gedanke.

1. Dein Glaube ist dein „Ultimate Concern“

Was ist „Glaube“ überhaupt? Oft verwechseln wir ihn mit dem „Für-wahr-halten“ von alten Geschichten. Aber für viele Theologen ist Glaube etwas viel Größeres.

Der Theologe Paul Tillich (20. Jahrhundert) definierte Glauben als das, was dich „unbedingt angeht“ (ultimate concern). Dein Glaube ist das, woran dein Herz wirklich hängt, wofür du lebst, was deinem Leben Sinn gibt.

Wenn dein „unbedingtes Anliegen“ die Meinung anderer ist, wird dein Leben von Angst geprägt sein. Wenn es materieller Reichtum ist, wirst du nie genug haben. Wenn du aber, wie es die Theologie vorschlägt, deinen Glauben auf etwas Größeres – auf Liebe, Wahrheit oder Gott – setzt, verändert das deine gesamte Realität.

2. Der Sprung ins kalte Wasser

Das Problem ist: Dieser „große“ Glaube fühlt sich oft riskant an. Ein eingeschränktes Leben ist zwar klein, aber es ist sicher. Wir wissen, was uns erwartet.

Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard (19. Jahrhundert) sah das Problem genau. Er argumentierte, dass der Glaube kein logischer Schluss ist, sondern ein „Sprung“ (der berühmte „leap of faith“). Es ist die bewusste Entscheidung, über die sichere, eingeschränkte Vernunft hinauszugehen und auf etwas zu vertrauen, das man nicht beweisen kann.

Kierkegaard wusste, dass das Gegenteil von Glauben nicht Zweifel ist, sondern Angst (oder „Verzweiflung“). Die Angst davor, sein wahres Selbst zu werden. Wer sich in seinen Gedanken einschränkt, tut dies oft aus Angst vor dem Scheitern. Kierkegaard würde sagen: Wage es!

„Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“ (Søren Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode)

Das „Warten“ und „Stillwerden“ ist der erste Schritt, um aus den eigenen engen Gedankenmustern auszubrechen.

3. Es ist kein Wunschkonzert, es ist Vertrauen

Okay, aber wie funktioniert das? Reicht es, positiv zu denken, und das Universum (oder Gott) liefert? Nicht ganz. Das wäre „cheap faith“.

Martin Luther (16. Jahrhundert) machte eine entscheidende Unterscheidung. Glaube ist nicht nur assensus (Zustimmung, „Ich glaube, dass das wahr ist“). Echter, bergversetzender Glaube ist fiducia – ein tiefes, unerschütterliches Vertrauen.

Es ist der Unterschied zwischen dem Wissen, dass ein Stuhl existiert, und dem Hinsetzen im Vertrauen darauf, dass er dich hält.

„Der Glaube ist ein lebendiges, kühnes Vertrauen auf Gottes Gnade, so gewiss, dass er tausendmal dafür sterben würde.“ (Martin Luther, Vorrede auf die Epistel S. Pauli zu den Römern)

Wer ein solches „kühnes Vertrauen“ entwickelt, dass das Leben einen Sinn hat, dass man geliebt ist, dass man eine Aufgabe hat, der agiert fundamental anders. Der traut sich mehr zu. Der steht nach dem Scheitern wieder auf. Nicht weil er denkt, es wird schon gutgehen, sondern weil er darauf vertraut, dass er gehalten wird, selbst wenn es nicht gutgeht.

4. Wenn der Glaube Hände und Füße bekommt

Hier schließt sich der Kreis. Ein Glaube, der nur im Kopf bleibt, ist tot. Er muss dein Leben ausmachen.

Dietrich Bonhoeffer (20. Jahrhundert), ein Theologe, der für seinen Glauben gegen Hitler Widerstand leistete und hingerichtet wurde, unterschied scharf zwischen „billiger Gnade“ und „teurer Gnade“.

  • Billige Gnade ist der Glaube als Ausrede: „Gott liebt mich eh, also kann ich weitermachen wie bisher.“ (Ein eingeschränktes, passives Leben).
  • Teure Gnade (oder echter Glaube) ist die Erkenntnis, die dich in die Handlung zwingt.

„Nur der Glaubende ist gehorsam, und nur der Gehorsame glaubt.“ (Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge)

Wenn du wirklich glaubst, dass jeder Mensch Würde hat, kannst du nicht rassistisch sein. Wenn du wirklich glaubst, dass diese Welt ein Geschenk ist, kannst du sie nicht gleichgültig zerstören. Dein Glaube (dein „Mindset“) bestimmt deine Taten.

Der Berg bist Du

Wenn Jesus also vom Glauben spricht, der Berge versetzt, meint er vielleicht nicht (nur), dass wir die Gesetze der Physik außer Kraft setzen sollen.

Der erste und wichtigste Berg, der versetzt werden muss, ist oft der Berg in uns selbst: Der Berg der Angst, der Selbstzweifel, der Bequemlichkeit und der eingeschränkten Gedanken.

Der Kirchenvater Augustinus von Hippo (4./5. Jahrhundert) verbrachte den Großteil seines Lebens damit, seinen eigenen Willen zu verstehen. Er erkannte, dass das, was wir lieben (oder glauben), unseren Willen formt. Sein berühmtester Satz fasst es vielleicht am besten zusammen:

„Liebe – und dann tu, was du willst.“ (Augustinus, Dilige et quod vis fac, aus: Homilie über den 1. Johannesbrief)

Das ist keine Erlaubnis für Beliebigkeit. Es ist die tiefste Einsicht: Wenn dein Glaube (deine tiefste Liebe) richtig ausgerichtet ist, werden deine Wünsche, deine Gedanken und dein Handeln (dein Leben) automatisch folgen – und dann kannst du Berge versetzen.


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