Trump als trojanisches Pferd ?

Läutet der Friedensengel von Alaska das Ende der amerikanischen Demokratie ein?

Es war ein Bild, das kurzzeitig um die Welt ging und für einen Moment so etwas wie Hoffnung aufkeimen ließ: Donald Trump, der auf dem Gipfel in Alaska 2025 den großen Friedensstifter für die Ukraine gab. Man rieb sich verwundert die Augen. Sollte der Mann, dessen politische Karriere auf Konfrontation und Spaltung aufgebaut ist, plötzlich zum besonnenen Diplomaten mutiert sein? Doch was, wenn diese Inszenierung nur eine clevere Nebelkerze war? Eine Ablenkung von seinem womöglich wahren, weitaus düstereren Ziel: dem Umbau der Vereinigten Staaten in einen autoritären Staat, ganz nach dem Vorbild seines offensichtlich so bewunderten Freundes im Kreml, Wladimir Putin.

Die Hinweise für diese These liegen nicht in den diplomatischen Hinterzimmern Alaskas, sondern auf offener Straße, in der Hauptstadt der USA. Während die Welt auf einen möglichen Frieden in der Ferne blickte, marschierte in Washington, D.C. das Militär auf. Unter dem Vorwand, die „totale Gesetzlosigkeit“ zu bekämpfen, inszeniert Trump einen Kampf gegen einen Feind im Inneren, den er über Jahre selbst heraufbeschworen hat. Schon in seiner ersten Amtsantrittsrede sprach er vom „amerikanischen Gemetzel“. Nun liefert er die Bilder, die diese düstere Fantasie zur Realität machen sollen.

Die Nationalgarde patrouilliert allerdings gar nicht in den Gegenden mit hoher Kriminalität, sondern vor den ikonischen Wahrzeichen der Nation. Sie dient somit bislang offensichtlich vor allem als Kulisse für eine Machtdemonstration. Es geht also gar nicht um die Sicherheit der Bürger, sondern womöglich darum, die Bevölkerung an den Anblick von Soldaten im Inneren zu gewöhnen. Das wäre eine Normalisierung des Ausnahmezustands. Währenddessen gehen allerdings unmarkierte Einheiten von Bundesbehörden wie die Drogenbekämpfungsbehörde DEA in Vierteln mit hohem Einwandereranteil brutal gegen Zivilisten vor, zerren Essenslieferanten von ihren Rollern, verhaften sie und errichten spontane Checkpoints. Die Angst ist wohl das erklärte Ziel.

Dieses Vorgehen ist vermutlich kein Zufall, sondern Strategie. Trump konstruiert eine Krise – die angebliche Anarchie in den Städten –, um sich dann als starker Mann zu präsentieren, der mit eiserner Faust durchgreift. Die Bürgermeisterin und die Polizeichefin von Washington protestierten vergeblich. Der Präsident hat die lokale Polizei einfach seinem Justizministerium unterstellt und damit die föderale Ordnung mit einem Handstreich ausgehebelt. Er wiederholt in der Hauptstadt, was er bereits in Los Angeles exerziert hat: die Stigmatisierung ganzer Städte als „besetzt“ von Feinden, um einen militärischen Eingriff zu rechtfertigen.

Und hier schließt sich der Kreis zu Putin und dem Alaska-Gipfel. Trumps offene Bewunderung für autoritäre Herrscher ist lange bekannt. Die Inszenierung in Alaska, sein plötzlicher Friedenswille, könnte der Versuch gewesen sein, das Ausland zu beruhigen und sich selbst als Staatsmann zu präsentieren, während er zu Hause die Axt an die Wurzeln der Demokratie legt. Die Methoden zur Einführung repressiver Maßnahmen kennt man aus geschichtlichen und auch aktuellen anderen Kontexten: die Erfindung innerer Feinde, die Military-Show zur Einschüchterung der eigenen Bevölkerung und die schrittweise Demontage demokratischer Institutionen.

Vielleicht werden die Geschichtsbücher eines Tages zu dem Schluss kommen, dass Donald Trump, der seit Jahrzehnten undurchsichtige Beziehungen zu Russland pflegt, tatsächlich eine Art trojanisches Pferd war. Ein Werkzeug, das, bewusst oder unbewusst, die Interessen des Kremls bediente, indem es die größte Demokratie der Welt von innen heraus eroberte – nicht mit Panzern an der Grenze, sondern mit Soldaten auf der National Mall. Der Kampf um die Seele Amerikas findet nicht in der Ukraine statt, sondern in den Straßen von Washington, D.C. Und der Prolog dazu könnte beängstigender nicht sein.

Quelle: Roth, Johanna. „Nationalgarde in Washington, D. C.:Eine ganze Stadt als Feind im Inneren“. ZEIT ONLINE, 20. August 2025.


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Kommentare

6 Kommentare zu „Trump als trojanisches Pferd ?“

  1. Avatar von Agricola
    Agricola

    Nach Ludwigshafen sollte eigentlich jedem Beobachter klar sein, daß das Ende der Demokratie in Deutschland deutlich näher ist als in den USA. In den USA wäre eine Demokratie nach iranischem Vorbild undenkbar. In Deutschland wird sie gerade Realität.

  2. Der Iran ist keine Demokratie, sondern eine Theokratie, bestenfalls. Im Grunde eigentlich eine Diktatur.

    Warum der Kandidat, den sie da verlinkt haben, von der Wahl ausgeschlossen ist, kann man in dem Artikel, der nur ansatzweise angezeigt wird, leider nicht lesen.

  3. Avatar von Agricola
    Agricola

    Ach, das wissen Sie nicht? Für Systemmedien wie die ZEIT scheint das auch nicht so bedeutend zu sein, wenn die Axt von der linken Seite an die Demokratie gelegt wird. Auf dem Auge ist man ja gerne blind.

  4. Avatar von Medienbeobachter
    Medienbeobachter

    Nachtrag: Während diese gefährliche Entwicklung in Deutschland vom Mainstream nahezu totgeschwiegen wird, beobachtet man sie doch im Ausland mit Sorge.

  5. Schutz der Verfassung ist keine Trickserei, sondern eine Pflicht

    Die zentrale Behauptung des Autors, ein Wahlausschuss dürfe nur formale Kriterien prüfen, ist eine irreführende Verkürzung. Für ein öffentliches Amt, insbesondere das eines Bürgermeisters, ist die Verfassungstreue keine bloße Formalie, sondern eine grundlegende und gesetzlich verankerte Eignungsvoraussetzung.

    Die „wehrhafte Demokratie“ ist kein Defekt, sondern ein Merkmal: Das Grundgesetz ist bewusst als „wehrhafte Demokratie“ konzipiert. Das bedeutet, es stellt Werkzeuge bereit, um zu verhindern, dass Feinde der Demokratie ebendiese mit ihren eigenen Mitteln abschaffen. Die Überprüfung der Verfassungstreue von Kandidaten für öffentliche Ämter ist eines dieser entscheidenden Werkzeuge. Es ist eine direkte Lehre aus dem Scheitern der Weimarer Republik, die der Autor zu ignorieren scheint.

    Kein Präzedenzfall, sondern Rechtsanwendung: Es wird kein neuer „Trick“ erfunden. Es wird geltendes Recht angewendet. Wenn es begründete Zweifel gibt, dass ein Kandidat nicht für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einsteht, muss ein Wahlausschuss handeln. Alles andere wäre pflichtvergessen und würde den Bock zum Gärtner machen. Demokratie bedeutet nicht, dass jede anti-demokratische Position wählbar sein muss.
    Der Souverän wird geschützt, nicht bevormundet: Der Wählerwille wird nicht manipuliert, sondern geschützt. Die Wählerinnen und Wähler haben ein Recht darauf, aus Kandidaten auszuwählen, die sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen. Einem Kandidaten die Eignung abzusprechen, der die Verfassung potenziell untergraben will, ist kein Misstrauen gegenüber den Wählern, sondern die Erfüllung der staatlichen Schutzpflicht gegenüber der Verfassung selbst.
    Der Vergleich mit 1933 ist eine geschichtsvergessene Ungeheuerlichkeit. Damals wurde die Demokratie zerstört, weil es an wirksamen Schutzmechanismen mangelte. Heute werden eben diese Schutzmechanismen angewendet, und der Autor diffamiert dies als Weg in die Diktatur. Das ist eine klassische Täter-Opfer-Umkehr.

    Was dieser Artikel eigentlich bezwecken will: Eine Strategie der Delegitimierung
    Dieser Kommentar verfolgt eine klare und durchschaubare Strategie, die typisch für anti-demokratische Akteure ist:

    Das Ziel des Artikels ist es, eine Opfer-Erzählung zu konstruieren und gleichzeitig die demokratischen Institutionen zu delegitimieren. Ein legitimer und rechtlich vorgesehener Prozess wird als willkürlicher Akt einer angeblich abgehobenen „Elite“ dargestellt, die den „wahren Willen des Volkes“ unterdrückt.

    Durch die systematische Infragestellung von Wahlausschüssen, Gerichten und den Grundprinzipien der „wehrhaften Demokratie“ soll das Vertrauen in den Rechtsstaat und seine Institutionen untergraben werden. Der Autor versucht, die Grenzen des Sag- und Wählbaren zu verschieben, indem er die Verteidigung der Verfassung als einen anti-demokratischen Akt umdeutet.

    Kurz gesagt: Der Artikel will nicht die Demokratie schützen, sondern für ihre Feinde eine Bresche schlagen, indem er die Schutzmauern der Verfassung als Gefängnismauern für den Volkswillen darstellt.

  6. Auch für Sie gilt die gleiche Antwort, bzw. möglicherweise schreiben Sie ohnehin unter verschiedenen Pseudonyen.

    Prozess wird als willkürlicher Akt einer angeblich abgehobenen „Elite“ dargestellt, die den „wahren Willen des Volkes“ unterdrückt.

    Durch die systematische Infragestellung von Wahlausschüssen, Gerichten und den Grundprinzipien der „wehrhaften Demokratie“ soll das Vertrauen in den Rechtsstaat und seine Institutionen untergraben werden. Der Autor versucht, die Grenzen des Sag- und Wählbaren zu verschieben, indem er die Verteidigung der Verfassung als einen anti-demokratischen Akt umdeutet.

    Kurz gesagt: Der Artikel will nicht die Demokratie schützen, sondern für ihre Feinde eine Bresche schlagen, indem er die Schutzmauern der Verfassung als Gefängnismauern für den Volkswillen darstellt.

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