Make Universities grumble again (and again…)

Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus greift Donald Trump gezielt die US-Universitäten an, insbesondere die Columbia University. Fördergelder werden gestrichen, neue Regeln eingeführt, und selbst wissenschaftliche Fachbereiche geraten unter politische Kontrolle. Der offizielle Grund? Die Bekämpfung von Antisemitismus auf dem Campus. Tatsächlich bezieht sich dieser Vorwurf auf propalästinensische Proteste, die laut Regierung eine feindliche Atmosphäre für jüdische Studierende geschaffen hätten. Doch Kritiker halten dies für einen Vorwand, um Hochschulen politisch gefügig zu machen. Besonders pikant: Die Columbia hatte Trump vor 25 Jahren ein lukratives Immobiliengeschäft verweigert. Heute fällt die Strafsumme zufällig genau so hoch aus wie damals seine gescheiterte Forderung.

Ein Campus im Wandel

Lange galten Universitäten in den USA als Orte des freien Denkens und der wissenschaftlichen Debatte. Doch in der zweiten Amtszeit Trumps bekommen sie eine neue Rolle: Hochschulen werden als Bastionen der liberalen Elite gebrandmarkt – und wer denkt, steht unter Verdacht.

Die Columbia University trifft es besonders hart: 400 Millionen Dollar an staatlichen Fördergeldern werden gestrichen, offiziell wegen mangelnder Maßnahmen gegen Antisemitismus. Die Maßnahme kam unangekündigt, ohne Untersuchung oder Anhörung – aber dafür mit einem Posting auf Truth Social, dem sozialen Netzwerk des Präsidenten. Der folgende Brief aus Washington liest sich weniger wie eine sachliche Begründung und mehr wie ein Katalog politischer Forderungen:

  • Maskenverbot bei Protesten
  • Neue Definition von Antisemitismus
  • 36 bewaffnete Sicherheitskräfte mit Befugnissen zur Festnahme von Studierenden
  • Fremdbestimmung des Fachbereichs für Nahoststudien für mindestens fünf Jahre

Kritische Stimmen sehen darin nicht nur einen Eingriff in die Hochschulautonomie, sondern einen Präzedenzfall für zukünftige politische Einflussnahme auf die Wissenschaft.

Hochschulen in der Defensive

Die Columbia University gab dem Druck weitgehend nach – wohl auch, um nicht völlig von der staatlichen Finanzierung abgeschnitten zu werden. Ein Vorfall mit Signalwirkung: Wenn eine der mächtigsten Universitäten der Welt kapituliert, was bedeutet das für kleinere Hochschulen?

Währenddessen frieren andere Universitäten vorsorglich Reformen ein, reduzieren Forschungsprojekte und meiden gesellschaftspolitisch sensible Themen. Die University of California verhängte kürzlich eine Einstellungssperre – nicht aus Geldmangel, sondern aus Angst.

Besonders hart trifft es Forschungsvorhaben in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Doch auch die Naturwissenschaften bleiben nicht verschont. Internationale Studierende und Wissenschaftler ziehen sich zurück – die Botschaft aus Washington ist klar: Bildung ist in den USA nicht mehr nur eine Frage des Wissens, sondern eine politische Angelegenheit.

Was steckt dahinter?

Trumps Vorgehen gegen die Hochschulen folgt einem bekannten Muster. Seine Rhetorik basiert seit Jahren auf einer simplen Erzählung: „Wir gegen die da oben.“ Und wer gehört zu den „Eliten“? Die Medien, die Wissenschaft, die Bildungseinrichtungen. Komplexität und Reflexion gelten in dieser Welt als Bedrohung, einfache Wahrheiten als Lösung.

Die langfristigen Folgen dieser Politik könnten gravierend sein. Die USA verdanken einen Großteil ihres wirtschaftlichen und technologischen Fortschritts ihren Universitäten. Doch wenn Forschung zunehmend politisch gelenkt wird, verliert das Land an Innovationskraft.

Das nächste Ziel: Das Bildungsministerium

Trump geht noch weiter: Er hat nicht nur die halbe Belegschaft des Bildungsministeriums entlassen, sondern nun auch eine Anweisung unterzeichnet, das Ministerium weitgehend abzuschaffen. Was das bedeutet? Weniger Aufsicht, weniger Schutz vor Diskriminierung und vor allem: Mehr politischer Einfluss auf das, was in Schulen und Universitäten gelehrt wird.

Gleichzeitig wird der Apparat genutzt, um unliebsame Bildungseinrichtungen ins Visier zu nehmen. Ein Förderprogramm für nicht-weiße Schüler? Untersucht. Eine geschlechtsneutrale Umkleidekabine? Ein Fall für das Ministerium. Der Begriff „Diversität“ wurde bereits aus offiziellen Dokumenten gestrichen.

Der Testfall für Amerikas Bildung

Dass die Columbia und andere sich dem Druck beugen, ist nachvollziehbar – aber nicht ohne Folgen. Denn die entscheidende Frage bleibt: Wenn selbst Eliteuniversitäten nicht mehr unabhängig agieren können, wer kann dann noch widersprechen?

Das, worum es hier geht, ist mehr als ein Streit um einzelne Studiengänge oder Fördergelder. Es geht um die Zukunft der Bildung, der Forschung und des freien Denkens in den USA. Wer entscheidet, was Wissen ist? Wer bestimmt, was gelehrt werden darf? Und wo endet politischer Einfluss, wenn er einmal Einzug in die Hochschulen gehalten hat?

Die Antwort auf diese Fragen wird nicht nur die Universitäten betreffen – sondern das ganze Land.


Quelle: ZEIT ONLINE


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