Wenn Kafka einen Mobilfunkvertrag hätte: Die unmögliche Reise der Nummernportierung

In Anlehnung an Kafkas ominöses „Das Schloss“ begibt sich unser moderner Protagonist Herr Samsa in die unnachgiebige, verschlungene und mysteriöse Welt des Telekommunikationsnummern-Transfers. Er, der naiverweise dachte, ein einfacher Wechsel des Mobilfunkanbieters wäre nur eine Sache von wenigen Klicks und gut gelaunten Telefonaten mit freundlichen Kundenservice-Mitarbeitern, fand sich schnell in einem unerwarteten Albtraum wieder.

Bereits der Versuch, eine direkte Kommunikationslinie mit dem Anbieter aufzubauen, offenbarte sich als eine Expedition ins Unerwartete. „Ihre Wartezeit beträgt 45 Minuten“ hieß es auf der anderen Seite der Leitung, während aufdringliche Klaviermusik das Schweigen füllte. Herr Samsa, der sich unerbittlich in der ausdruckslosen Landschaft der Warteschleife verirrt hatte, stellte sich die Frage: „Ist es nur mir so ergeht oder sitzen alle ihre Kunden in der Warteschleife wie ich?“

Der Gesprächspartner – eine stets positive, wenn auch roboterhafte Stimme – versprach, dass der Prozess „einfach und schmerzlos“ sein würde. „Einfach und schmerzlos“, wiederholte Herr Samsa, während er durch das Labyrinth an Optionen navigierte, die ihm das automatisierte System vorschlug. Denk dran: Taste 1 für Vertragsinformationen, Taste 2 für technische Unterstützung, Taste 3 für Rechnungsinformationen und schließlich Taste 9 für die Rufnummernportierung. So weit, so gut.

Die Portierung, ein verwirrendes Wort, das den Anschein erweckt, es handle sich um einen aufwendigen chirurgischen Eingriff, versetzte Herrn Samsa in einen Zustand der Verwirrung und des Unbehagens. Als ob seine geliebte Nummer – seine digitale Identität, die ihn seit Jahren begleitete – von seinem alten Anbieter auf den Operationstisch gelegt und mit größter Vorsicht auf das Gerät des neuen Anbieters transplantiert werden müsste.

Er fand sich auf der Webseite seines alten Anbieters wieder, in der Hoffnung, irgendeinen Prozess auszulösen, der ihm seine Rufnummer retten würde. Aber jede Handlung schien nur zu einer weiteren Türe zu führen, hinter der sich wiederum mehr Türen verbargen. Samsa fragte sich, ob er jemals den inneren Kern dieses verschlungenen, bürokratischen Schlosses erreichen würde.

Während die Tage verstrichen, blieb Herr Samsa beharrlich, trotz der Frustration und des kafkaesken Gefühls der Absurdität. Und während er so das absurde Theater seiner Kommunikation mit dem Anbieter und den digitalen Irrgarten durchlief, konnte er ein leises Lächeln nicht unterdrücken. In seiner Verzweiflung hatte er etwas Wichtiges erkannt: Das absurde Drama der Nummernportierung war nicht mehr als eine groteske Parodie auf unser modernes Leben,


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