Die moralische Demontage von Politikern

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz schön ungeniert. So in etwa könnte der Wahlspruch von Donald Trump gelautet haben, dem es eigentlich egal gewesen zu sein scheint, was die Medien, die er gleich als Fake-News-Medien eingestuft hatte, über ihn schrieben. Bei ihm galt, bad publicity is good publicity. Hauptsache, es wird über ihn berichtet.

In Deutschland ist die Lage anders. Die Mehrheit der Deutschen gibt glücklicherweise etwas auf die Seriosität der Medien und auf das, was sie schreiben.

Von daher ist es für Politiker wichtig, ihren vermeintlich guten Ruf nicht zu verlieren, vor allem für Politiker, die Bundeskanzler werden möchten.

Zunächst einmal wurde systematisch der gute Ruf der grünen Kanzlerkandidatin Anna-Lena Baerbock demontiert, indem in irgendeinem Buch von ihr herumgestochert wurde, in welchem sie hier und da und dort irgendeine Quelle nicht richtig angegeben haben soll. Könne so jemand überhaupt Bundeskanzlerin sein?

Nun haben sich die Plagiatssucher auch nach anderen Kanzlerkandidaten umgesehen und sind derzeit beim Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet, angelangt, der 2009 ebenfalls ein Buch geschrieben hat, in dem mindestens eine Quelle nicht angegeben worden sei. Könnte so jemand überhaupt Bundeskanzler sein? Wie zuvor Anna-Lena Baerbock, so entschuldigte sich nun auch Armin Laschet sofort für dieses moralische Ungemach, will das Buch nun untersuchen lassen und gelobt somit zwischen den Zeilen öffentlich Besserung.

Indirekt profitiert davon derzeit einer, von dem man derzeit eigentlich überhaupt nichts hört, der Kanzlerkandidat der SPD, Olaf Scholz. Er ist in der Beliebtheitsskala der potenziellen Wähler*innen durch die vermeintlich moralischen Makel seiner Konkurrent*innen gleich nach oben gestiegen, ohne selbst irgendetwas dafür zu tun, wenngleich auch er natürlich sofort wieder von seinem moralischen Elfenbeinturm durch die Realität heruntergeholt werden könnte, wenn gewisse Menschen tiefer nachbohren beim Cum-Ex-Skandal, bei dem er eine undurchsichtige und bislang ungeklärte Rolle gespielt haben soll.

Wer kann sich dann freuen? Vielleicht Christian Lindner von der FDP? Aber nein, auch bei ihm könnte man jederzeit den mittlerweile zum running Gag degradierten Spruch „lieber nicht regieren, als falsch regieren“ , wieder aus der Schublade holen.

Und ähnlich dürfte es eigentlich bei allen Politiker*innen sein.

Wir merken also, wir sind wahrscheinlich gerade im medialen Sommerloch angelangt. Irgendein Fleck oder moralischer Schmutz wird derzeit in den Medien aufgebauscht, allerdings zuvörderst wohl nicht so sehr von den Medien, sondern von Leuten, die nach derlei Makel suchen und dann darüber berichten, so dass auch die Medien, deren Aufgabe es ja ist, zu berichten, dann darüber berichten.

Egal, wer im Herbst also tatsächlich Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin wird, es wird jemand sein, der natürlich irgendwo einen Fleck in seiner Biografie hat, denn es wird einer sein, von dem man sagt, es ist ein Mensch. Kein Gott.

Gott Donald Trump übrigens muss wohl nun doch seine Steuererklärung endlich offenlegen. Auch nur ein Mensch.

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