Die EU will Nudeln begradigen

Die Nudel ist noch meilenweit davon entfernt, was die EU-Gurke schon längst erreicht hat.

Diese darf nämlich nur in einer gewissen Weise gebogen sein. Ist sie zu krumm, ist das dumm. Und zwar für sie. Denn dann darf sie auf keinen EU-Tisch.

Der Gedanke dahinter ist, dass krummes Gemüse Menschen auch krumm machen könnte. Deswegen dürfen Gurken mit zu großem Biege-Index nur noch in Länder mit buckeligen Menschen exportiert und dort verspeist werden.

Was aber die Nudel betrifft, so herrscht dort noch völliges Chaos. Zwar erreicht sie die Haushalte streng geordnet und in Reihe liegend, aber sobald sie dann auf den Tisch kommt, direkt aus dem Topf heraus, ist es vorbei mit der schönen Ordnung.

Psychologen befürchten, dass dieses Wirrwarr auf dem Teller negative Folgen für die Psyche haben könnte und zudem auch die Leistungsfähigkeit europäischer Arbeitnehmer massiv vermindern könnte, weil die Ordnung fehle.

Ist die Nudel gerade, so heißt in einem aktuellen Schreiben der europäischen Nudelliga, der Lobbygruppe für Nudeln, verlaufe auch das Leben geradlinig. Man müsse im Kleinen anfangen, um im Großen dann punkten zu können. Pars pro toto.

Deswegen soll ab Mitte des Jahres eine Nudelverordnung inkrafttreten, wonach in der EU Nudeln nur noch serviert werden dürfen, wenn sie einen gewissen Ordnungs-Index erfüllen. Dies soll dem Chaos auf Nudeltellern den Garaus machen und die Bevölkerung langsam und auf sanfte Weise zur Ordnung erziehen. Langjährige und intensive Lobbyarbeit habe sich hier bezahlt gemacht und könne nun endlich in ein Gesetz gegossen werden.

Es gibt auch schon Überlegungen, wie die Ordnung auf den Tellern hergestellt werden kann, beispielsweise mit speziell in China hergestellten Nudel-Kämmen. Da in der EU tausende Restaurants von der neuen Regelung betroffen sein könnten, dürfte sich hier eine neue Berufssparte, nämlich die das Nudelkämmeurs, eröffnen und somit für Arbeitsplätze und Wirtschaftsaufschwung sorgen.

Bis zum Inkrafttreten der Verordnung sei die Lage in der EU aber noch verheerend, ganz vorneweg in Deutschland. In dem Land, in dem die Ordnung zu Hause ist, und dann noch in dem Bundesland, in dem sie sich fest verwurzelt hat, in Schwaben nämlich, bekannt für seine wöchentliche Kehrwoche, herrscht auf den Nudeltellern, egal, ob es sich nun um Eierspätzle oder normale Spaghetti handelt, noch völlige Anarchie.

Das könne so nicht bleiben. Die Politik müsse endlich handeln. Man habe das Problem erkannt und nehme das Thema sehr ernst, heißt es aus Brüssel.

Unverständnis brachte dieser Gesetzesentwurf in Großbritannien hervor, wo man sich der neuen Verordnung höchstens freiwillig, aber nicht verpflichtend unterordnen wolle.

Stattdessen plane man, das britische Nationalgericht, kidney pie, die leckere Schleckerei aus Rindfleisch und Nieren, per parlamentarischer Anordnung mehrmals wöchentlich – nach einer noch zu erstellenden Quote – in Großbritannien auf den Tisch zu bringen. Denn Ordnung gehe durch den Magen und die Niere, hört man aus London. Bis die Verordnung in der EU jedoch in Kraft trete, wolle man in Großbritannien gute Niere zum bösen EU-Spiel machen. Und dann, gleich am ersten Tag nach dem Brexit, seine eigenen Regeln erlassen, nach Herzenslust und mit britischem Humor, sofern das Parlament in London sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen könne, was als nicht ganz sicher gilt.

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