Im Politikteil der Printausgabe der ZEIT erfährt man, dass monatlich etwa 100 Flüchtlinge an die bayerische Grenze kommen, auf die überhaupt zutrifft, worum sich die CSU und die CDU aktuell streiten. 100 Flüchtlinge also, die offenbar in einem anderen Staat bereits registriert sind, aber versuchen, weiter nach Deutschland zu kommen. Nicht gerade viel also.
Das stört aber die CSU offenbar nicht, dies als die größte Bedrohung Deutschlands seit der Sintflut darzustellen und zu inszenieren.
Absurd erscheint die Flüchtlingsdebatte auch aufgrund der aktuellen Flüchtlingszahlen. Diese lagen in der ersten Jahreshälfte bei etwa 54. 000. Hochgerechnet aufs Jahr dürften es dann vielleicht 110.000 sein. So wenig wie nie.
Es ist einerseits natürlich richtig, wenn sich die Politik auch um solche Themen kümmert. Aber das Thema wird derzeit so verkauft, als hänge ganz Europa daran. Allein die Zahlen widersprechen dem aber heftigst, zumindest in Deutschland.
Würden in den nächsten zehn Jahren jährlich 110.000 Flüchtlinge nach Deutschland einwandern (denn die Grenzen der EU werden wohl kaum durchlässiger, im Gegenteil), bei denen ja noch nicht mal klar wäre, ob überhaupt jeder hier asylberechtigt wäre und bleiben dürfte, aber nur mal als Gedankenexperiment, dann wären das in zehn Jahren 1, 1 Millionen. In 100 Jahren wären es 11 Millionen. 11 Millionen im Vergleich zu 83 Millionen Deutschen. Das soll eine Gefahr sein, wie es in manchen rechtspopulistischen Kreisen dargestellt wird?
In den nächsten 100 Jahren kann alles mögliche passieren. Wahrscheinlicher wäre, dass zwischendrin mal noch III und IV Weltkrieg stattfinden. Und ja, sollte die deutsche Familienpolitik bis dahin schlecht sein, könnte es sein, dass die Deutschen immer weniger Kinder bekämen, weil sie beispielsweise keine Kitas hätten. Allerdings ist diese Befürchtung auch ziemlich aus der Luft gegriffen. Denn die Entwicklung geht ja genau in die andere Richtung, dass eben der Ausbau von Kitas massiv gefördert wird.
Realistischer ist, daß in hundert Jahren, sofern eben keine Weltkriege mehr dazwischen kommen, dann vielleicht 200 Millionen Deutsche in Deutschland leben. Und 11 Millionen Flüchtlinge, sofern sie weiterhin so einwandern sollten.
Wen das trotzdem noch stresst, der sollte ernsthaft darüber nachdenken, in stark regulierte Staaten auszuwandern, wie Nordkorea beispielsweise. Dort wird noch gekocht, wie der Chef sagt.
Alle anderen Menschen, die sowohl die Freiheit als auch die Menschenrechte lieben und hochhalten, können derzeit ganz entspannt durchatmen, selbst, wenn sie politisch rechts angesiedelt sind. Denn kein angeblich böser Flüchtling wird irgendeinem Deutschen irgendwas wegnehmen. Zumal Deutschland derzeit finanziell so gut dasteht, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Sollten aber irgendwelche Menschen dennoch die Sorge haben, dass die Flüchtlinge mit ihnen in Konkurrenz um Arbeitsplätze treten, was nicht ganz aus der Luft geholt ist, zumindest im Billiglohnsektor, dann sollten sie sich zuerst mal an die Politik wenden. Denn diese hätte, gerade in diesen extrem reichen Zeiten in Deutschland, alle Möglichkeiten, die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern. Wobei ohnehin die Arbeitszahlen ganz gut aussehen.
Naja, und die Kriminalitätsstatistik ist auch auf dem tiefsten Stand seit 25 Jahren.
Sollte nun aber wirklich wegen diesem Strohmannargument die Regierung in Berlin kippen und es Neuwahlen geben, dann könnte es natürlich tatsächlich gefährlich werden. Dann könnten in der aufgeheizten Stimmung, in einer Stimmung, die zwar nicht den Daten entspricht, tatsächlich die Rechtspopulisten weiter starken Zulauf bekommen. Und in Zeiten, in denen an vielen Orten in Europa diese rechten Strömungen immer stärker werden und die Rechtsstaatlichkeit bedrohen, wäre dies dann tatsächlich ein Problem.
Die aktuellen Flüchtlingszahlen sind es jedoch nicht.



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