Im Bundestag wurde heute die gleichgeschlechtliche Ehe mehrheitlich beschlossen, wobei die große Mehrheit der Union dagegen stimmte, die große Mehrheit der SPD dafür. Die SPD war es ja auch, die dieses Thema nun vor der Bundestagswahl noch ins Rennen geschickt hatte, offenbar mit dem Ziel, gegen die Bundeskanzlerin zu punkten. Diese jedoch erklärte, sicherlich auch taktisch motiviert, die Angelegenheit zur Gewissensfrage, so dass jeder im Bundestag ohne Fraktionszwang abstimmen durfte. Ein offizieller Bruch der großen Koalition wurde so zum einen vermieden, zum anderen wurde ein Thema, das die SPD sonst für den Wahlkampf hätte ausnutzen können, im Kern entkräftet.
Die evangelischen Kirchen haben ohnehin eine starke Tendenz gezeigt, der gleichgeschlechtlichen Ehe ihren Segen zu geben, die katholische Kirche ist in dieser Hinsicht noch verhaltener. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrerseits stimmte heute mit nein, weil für sie eine Ehe aus Mann und Frau besteht.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Oppermann äußerte sich zum Wahlergebnis folgendermaßen:
„Wenn unsere Verfassung eines garantiert, dann, dass jeder in unserem Land so leben kann, wie er es für richtig hält und wie sie es für richtig hält. Wenn die Ehe für alle kommt, das wird vielen etwas gegeben, aber niemandem etwas genommen. (…) Bei der Ehe geht es nicht um das Geschlecht, sondern ob Menschen füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen wollen.“
Seiner Ansicht nach geht es also bei der gleichgeschlechtlichen Ehe gar nicht um das Geschlecht. Das ist verwunderlich, wo sie doch als gleichgeschlechtliche Ehe thematisiert wurde. Wenn es also nicht um das Geschlecht geht, um was denn dann? Aha, es gehe also darum, ob Menschen füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen wollten.
Das ist prinzipiell natürlich zu begrüßen und zudem auch eine gute Sache. Allerdings ist die Frage, warum beispielsweise nicht auch Geschwister füreinander in dieser Weise einstehen können? Das Gesetz hat dem einen Riegel vorgeschoben, weil es bei sogenannten inzestuösen Beziehungen eine hohe Wahrscheinlichkeit von Erbkrankheiten gibt. Wie wäre aber die Sache, wenn der eine Teil des Geschwisterpaares, das möglicherweise heiraten möchte, unfruchtbar wäre? In diesem Falle könnten beide Geschwister ja durchaus füreinander einstehen im Sinne Oppermanns, ohne dass die Sexualität dabei eine Rolle spielen würde. Unfruchtbare Geschwister können keine Kinder bekommen, was ja ebenfalls für Partner in gleichgeschlechtlichen Ehen gilt.
Dieser Gedanke hier ist übrigens keineswegs der Vorschlag, die Ehe auch für Geschwister einführen zu wollen oder zu sollen.
Aber anhand dieses Beispiels soll einmal deutlich gemacht werden, dass die oben im Zitat angeführte Argumentation ziemlich brüchig ist.
Wenn Partner mit gleichem Geschlecht heiraten wollen, ist dies wahrscheinlich eine gute Idee, wenn dies im Sinne von Verantwortlichkeit und gegenseitiger Liebe in die Tat umgesetzt wird. Es soll hier also nicht gegen die gleichgeschlechtliche Ehe polemisiert werden, lediglich einmal hinterfragt werden, ob die Argumentation denn überhaupt schlüssig ist.
P.s. noch zu Abrahams Zeiten war Polygamie übrigens en vogue. Er war nämlich verheiratet mit Sara – und Hagar, seine Sklavin, wurde schwanger von ihm. Was spricht eigentlich gegen eine polyamore Ehe? Da würden nämlich gleich mehr „…Menschen füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen wollen.“
http://www.tagesschau.de/inland/bundestag-ehe-fuer-alle-zitate-101.html



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