„Wir sind nicht Kirche im Abbruch, wir sind Kirche im Aufbruch“, meinte Wolfgang Huber noch auf der diesjährigen EKD-Synode. Dennoch sind wachsende Gemeinden eher die Ausnahme als die Regel.Doch wie machen es die wachsenden Gemeinden nun?
Was ist ihr Erfolgsrezept? Das Buch „Wachsen gegen den Trend“ stellt eine Studie dazu vor. Das Ergebnis ist nicht eindeutig, vielmehr werden unterschiedliche Faktoren benannt. Und je nach theologischem Gusto des jeweiligen Lesers kommt man zu dieser oder jener Lesart des Buches, z.B. „Wachstum durch Gottesdienste.“
Einen ganz anderen Ansatz vertritt dagegen Bill Hybels in seinem Buch „Mutig führen“, das ich zur Ordianation gleich zweimal geschenkt bekam. Das Fazit des ersten Kapitels. Zitat:
„Allen blühenden Gemeinden ist gemeinsam, dass sie von Menschen geführt werden, die die geistliche Gabe der Leitung besitzen und einsetzen.“
Nun muss man in Rechnung stellen, dass die zuerst genannte Studie nach sozialwissenschaftlichen Kriterien im deutschen Raum geforscht hat, während Bill Hybels aus seinen Erlebnissen in (überwiegend amerikanischen) Gemeinden referiert. Sicherlich haben beide ihr gutes Recht.
Dennoch ist die Kategorie der Begabung m.E. zumindest im volkskirchlichen Kontext bisher unterbelichtet. Im pfarramtlichen Alltag sind eben verschiedene Aufgaben wahrzunehmen, ob sie einem liegen oder nicht. Und entsprechend wird ausgebildet. Das ist ja auch soweit richtig.
Dennoch: Der Wahn vom „Herrn Pastor“ als der eierlegenden Wollmilchsau ist nicht totzukriegen, weder innerhalb der Gemeinde, noch bei so manchen Pfarrherren. We can do it. Ach ja?
Sämtlichen Aufgaben zum Trotz: Wie wäre es denn, wenn wir in unseren Kirchen und Gemeinden tatsächlich den Begabungen entsprechend Schwerpunkte in der Gemeindearbeit setzten und die anderen Aufgabenfelder denen überließen, die auch die entsprechende Gaben dazu haben? Das würde konsequent zu Ende gedacht auch bedeuten, dass die Leitung einer Gemeinde u.U. nicht vom „Herrn Pastor“ wahrgenommen wird, sondern von „Herrn Meier“. „Herr Pastor kann besser mit Konfirmanden …“
Das wär nicht nur ehrlicher, sondern wahrscheinlicher auch fruchtbarer. Dann bräuchte auch jede Gemeinde ihr individuelles Modell von Gemeindeleitung und -entwicklung, das sich u.U. wieder verändern muss, wenn sich das Personalkarussell der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter wieder dreht.
Auch die ehrenamtlichen Aufgaben werden häufig nach dem Muster verteilt: „Wir brauchen noch jemanden, der einen Kuchen backt…“ Und das nennt man dann großspurig „Priestertum aller Gläubigen.“ Folglich hätte auch das Rote Kreuz ihre Priester. 😉
„Man wächst mit seinen Aufgaben“ behauptet der Volksmund. Zitiert wird es allzu oft, wenn jemand mit unliebsamen Aufgaben betraut wird. Diesem Satz wäre aber nur bedingt zuzustimmen, weil eben nicht jeder für jede Aufgabe geschaffen ist, d.h. begabt. Vielmehr möchte ich korrigieren:
„Man wächst mit seinen Gaben.“
Foto: old shoe woman,flickr.com



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