Von Martin Helfrich. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise hatten wir zuletzt über eine “Beziehungskrise” zwischen Wirtschaft und Umwelt geschrieben.
“Wirtschaft und Umwelt müssen gleichberechtigt nebeneinander gepflegt und geschützt werden. Es gibt sie nur als Einheit”,
war dabei das Fazit, zu dem wir gekommen waren. Das soll nun nocheinmal im Vordergrund stehen. Heute widmen wir uns zunächst den essentiellen Grundlagen und schreiben über die Umwelt; im nächsten Post werden wir uns dann der Wirtschaft zuwenden.
Die Natur ist schon in einem christlich-theologischen Sinn Ursprung und Grundlage des Lebens (1. Buch Mose, Genesis: Erschaffung der Welt). Weil Gott laut dem Alten Testament die Welt erschaffen und den Menschen überlassen habe, begreift die christliche Lehre die Umwelt als schützenswert. In anderen Religionen ist es ebenso. Und aufgrund des großen Einflusses gerade von Religionen auf Wert- und Normenbildung ist “Umweltvernichtung” gesellschaftlich generell eher diskreditiert.
Doch Religion hin und her: In einer Zeit, da Natur meist in Form von Parks oder Naturschutzgebieten wahrgenommen wird, spielt die sog. Ökosphäre (=Gesamtheit lebender Organismen; Pflanzen, Tiere, Menschen, auch Erde, Böden, etc.) eine geringe Rolle.
Dabei bleibt festzuhalten: Auch aus wirtschaftlicher, ökologischer oder soziologischer Sicht ist die Natur vollkommen unbestritten Grundlage unserer Existenz.
Eben weil das selbstverständlich ist, bleibt es in der gesellschaftlichen Wahrnehmung oft außen vor. Diese Tatsache führt hingegen dazu, dassUmweltzerstörung zwar als eher negativ angesehen wird, ihr aber nicht die Brisanz zugemessen wird, die sie hat. Denn durch sie zerstören wir unsere Lebensgrundlagen – wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen.
Der nachlässige Umgang mit der Natur macht die Umwelt zum Tatort eines der schlimmsten Delikte der letzten Jahrhunderte – der Prägung einer Gefahr für uns alle. Denn heute kennen wir vor allem eine ökologische Herausforderung:
Den Klimawandel. Und diese drohende Katastrophe hat einen entscheidenden Nachteil: Sie wirkt sich global aus. Und zudem haben wir keine absolut exakte Gewissheit über die näheren Umstände – wir können zwar Prognosen abgeben (die mittlerweile auch schon sehr exakt sind), aber letzten Endes müssen wir eben doch “abwarten”.
Damit unterscheidet sich der Klimawandel als drängenstes Problem unserer Zeit deutlich von lokalen, begrenzten Umweltproblemen, die sich nur auf einem bestimmten Gebiet in geringer Zeit mit wenigen Beteiligten und nicht so weitreichenden Folgen abspielen.
Ursache der Problematik ist ein falsches Verständnis von Natur, das sich verfestigt hat: Nicht als Ursprung und Grundlage wird Umwelt begriffen, sondern als Produktionsmittel.
Die Umwelt ist wie ein großes Lagerhaus, aus dem sich bislang jeder frei zur eigenen Bereicherung bedienen darf. Ein Fortswirt kauft zwar ein Stück Land, um die Bäume darauf zu fällen (er empfängt die Ware “gratis” von der Natur, muss nur den Abbau leisten) und zu verkaufen – doch eine Art “Abgabe” für ökologischen Raubbau muss er nicht zahlen.
Welche Lösungen zeichnen sich also ab? Viele, sei hier gesagt. Denn auf jedes einzelne Problem, vor dass uns die “Beziehungskrise” zwischen Wirtschaft und Umwelt stellt, verlangt eine eigene Antwort: Überfischung, Brandrodung, Abforstung, abnehmende Artenvielfalt, Tiersterben, Krankheiten, Seuchen, Klimaprobleme, Umweltkatastrophen – Wirbelstürme, Überschwemmungen, … – , etc.
Doch generell lässt sich vielleicht ein Ansatz finden, der auf die wirtschaftlichen Anreize zurückgreift. Mit einer vollkommenen Änderung unseres Steuersystems wäre das gespaltene Verhältnis zu unserer Natur wieder ein Stück weit zu kitten:
Dazu müssten a) sämtliche jetzt erhobenen Steuern aufgegeben, b) Steuern nur auf Produkte (Konsum) erhoben und c) Nutzung von Natur steuerlich sanktioniert werden. Der letzte Punkt hieße, sowohl Ressourcenabbau (also z.B. Holz fällen, Wasser entnehmen, Fische fangen, Erz fördern), als auch Umweltnutzung durch “Verschleiß” (also CO2-Emissionen, Abgase, Temperaturmanipulation, usw.) zu besteuern.
Wir müssen, ohne Zweifel, unseren Umgang mit der Umwelt neu definieren. Das ist schon aus ethischen Gründen und existentiellem Erhaltungsdrang unserer Art notwendig.
Aber dies muss in einem Rahmen geschehen, der sich mit einem (markt-)wirtschaftlichen System vereinbaren lässt, unter Berücksichtigung von Werten wie Demokratie, und zur Erhaltung von Stabilität und sozialem Standard.
- Stichwort: soziale ökologische Marktwirtschaft
Bild: marcelgermain,flickr.com



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