Lass Blumen sprechen – oder: Diebstahl auf spanisch

Mallorca-Geschichten (6 – Teil 1)

Da dies eine etwas längere Geschichte wird, muss ich mit einem Rückblick beginnen. Mallorca, drei Jahre zuvor. Wir beschliessen, für einen Tag Palma zu besuchen. Die Hauptstadt soll ja viele Sehenswürdigkeiten besitzen und ausserdem könnte man mal richtig shoppen… Wir finden auch auf einer Ringstrasse einen Parkplatz in einer bewachten Tiefgarage. Das Auto einfach draussen stehen lassen – davon hatte man uns abgeraten.

Den Stadtplan in der Hand, Rucksack auf dem Rücken – geht es Richtung Zentrum. Und an einer Ecke sahen wir sie stehen: Mehrere Frauen, schwarz gekleidet und mit kleinen Myrtensträuschen in den Händen. Verstanden haben wir nicht, was sie uns in einem Wortschwall erklärten, aber irgendwie wollten sie uns beglücken mit diesen kleinen grünen Zweigen. Na ja, warum auch nicht. Als Gegenwert wollten sie nur eine kleine Münze haben. Die sollten sie auch bekommen. Ich zog mein Portemonnaie heraus und wollte ihnen 2 Euro geben. Aber mein Gegenüber schüttelte den Kopf – das sei zu viel. Und bot sich an, selbst eine kleine Münze herauszusuchen. Was sie auch tat.

(Dem geneigten Leser, der hier schon ahnt, was da ablief und der denken mag: “Wie naiv muss man sein?” gebe ich ja im Nachhinein recht – wir waren sowas von naiv!!!).

Aus den Augenwinkeln konnte ich noch ein anderes Touristenpaar sehen, die – an uns vorbeilaufend – den Kopf schüttelten. Aber das verstanden wir erst später…

Damals genossen wir den Flair von Palma de Mallorca, besuchten die Kathedrale, in der gerade auch noch eine tolle Hochzeit stattfand, machten Bilder vom Hafen. Am Ende des Ausflugs ging es noch zum Placa Major, um auf einem der dortigen Strassencafes einen Eisbecher zu essen. Es war ein echt schöner Urlaubstag.

Bis es ans Bezahlen ging. Ich hatte vor dem Ausflug einen 100-Euro-Schein eingesteckt. Aber der war verschwunden! Wie das??? Wir suchten unsere Geldbörsen akribisch durch, schauten im Rucksack, in den Hosentaschen nach – das Geld blieb verschwunden. Zum Glück hatten wir noch etwas Reserve eingesteckt und konnten die Rechnung bezahlen. Und dann dämmerte es: Das müssen diese schwarzen Frauen am Eingang zur City von Palma gewesen sein, die auf Touristenfang aus waren. Und als solche waren wir ja deutlich erkennbar… Aber – wie hatte sie es fertig gebracht, uns zu bestehlen?

Im Nachhinein wurde uns dann einiges klar: Der Tourist, der den Kopf schüttelte, wollte uns vor den Diebinnen warnen. Selbst im Reiseführer hatte ich einen kurzen Satz gelesen, dass man sich vor den so genannten Nelkenfrauen in Acht nehmen sollte. Aber solche Informationen vergisst man auch schnell wieder. Zumal “unsere” Frauen uns ja gar keine Nelken verkauft hatten…
Sie muss sehr geschickt gewesen sein: Während sie vorne im Münzenfach eine kleine Münze heraussuchte, muss sie mit den anderen Fingern – wie auch immer – sich den Geldschein aus dem hinteren Fach geangelt haben. Eine tolle Leistung!

Als uns das Prinzip klar wurde, musste ich die Frauen echt bewundern – sowas von Geschicklichkeit. Im Ablenken und Herausfingern des Geldes. Einfach toll. Und ärgerlich, weil wir darauf hereingefallen waren!

Auf dem Rückweg zum Parkhaus hielt ich dann ständig Ausschau, ob ich welche von den Frauen noch mal sehen würde – und ich würde sie zur Rede stellen. Ganz sicher.

Aber sie waren verschwunden…

Was das alles mit meinem Leben als Christ zu tun hat – das kommt ein wenig später…:-)

[Originalpost]

siehe auch Mallorca-Geschichten (1)
siehe auch Mallorca-Geschichten (2)
siehe auch Mallorca-Geschichten (3)
siehe auch Mallorca-Geschichten (4)
siehe auch Mallorca-Geschichten (5)

Fotos: A. Meissner


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Lass Blumen sprechen – oder: Diebstahl auf spanisch“

  1. […] gesagt, dieser Diebstahl hat sich vor drei Jahren zugetragen. In diesem Jahr konnten wir nun erneut Mallorca als Reiseziel […]

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