Ein Gedankengang von Klaus Berger aus seinem Jesus-Buch. Berger ist für steile und provokante Thesen bekannt, die aber zumindest ein Fünklein Wahrheit in sich tragen.In dem Kapitel „Das Märchen vom lieben Gott“ (s.99ff) wendet er sich gegen eine naive Vorstellung von der Liebe Gottes und einem damit verbundenen platten Gottesbild. Gott würde verkitscht: „Gras und Ufer“, „klischeehaft zärtliche Mutter“, „Gummiwand universellen Verzeihens“.
Gott als Herr über Leben und Tod wird so auf Liebe reduziert, und das vermittelt das Bild von einem Gott, der nichts tut – so wie die schnaubenden Hunde, die einem im Wald begegnen. Vor dem man also keine Angst haben muss.
Oder der nichts tut, eben dann wenn Katastrophen hereinbrechen, und man sich fragt, warum denn dieser „liebe Gott“ so etwas tut oder zumindest zulässt.
Gott ist aber neben „Liebe“, die nicht deckungsgleich sein muss mit unserem Verständnis, auch noch heilig. Das bedeutet: „erschütternd, befremdlich, gefährlich, in die Knie zwingend, groß und unfassbar“. Dem korrespondieren menschlicherseits Ehrfurcht und Gottesfurcht.
Bergers Rat:
„Gott so lieben, dass man nichts anderes zu viel liebt.
Gott so fürchten, dass man vor nichts anderem zu viel Angst hat.“
Weiter schreibt er:
„Die herrschende Volksmeinung ist, es führe ein breiter Weg zum Himmel, weil wir so brav sind und weil Gott so lieb sei. Das ist nicht das Evangelium. Das Normale ist (auch im Alten Testament), dass wir wie ganz normale Sünder in unseren Sünden sterben und dass der Tod uns zur Gänze einholt.“
Uns davor zu warnen und uns einen Weg aus Sünde und Tod zu bahnen bezeichnet Berger als ein Zeichen der Liebe Gottes.
Dabei geht es nicht um einen falschen Dualismus, wonach Gott entweder nur liebend oder nur heilig wäre. Es geht darum, verschiedenen Facetten in das Gottesbild zu integrieren, und Gott nicht auf einen braven „lieben Gott“ zu reduzieren. Denn Gott ist mehr und größer.
Foto: joetra/pixelo.de



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