Leben ohne Geist… eine teuflische Messianisierung

„Ende hier ist Anfang dort – Erde hier ist Himmel dort“, so mancher Relativist sollte wieder mal Rilke lesen. Dort wird die christliche botschaft mit nur wenigen Worten zum Klingen gebracht. Dabei trägt unsere Gegenwart eine vielfach kalte und nüchterne Brille. In 12 Schritten zum Humanismus. Genauer gesagt zum gottlosen Humanismus des Humanistischen Manifest III , das unter anderem von Paul Kurtz, dem Begründer der International Academy of Humanism, und Richard Dawkins, dem Darling der populären Medien, unterzeichnet wurde.

Säkularisten, Relativisten, Rationalisten, Naturalisten, Humanisten, Atheisten gehen gläubigen Christen gegenüber aggressiv zu Werke,

indem sie Metaphysik sowie Theologie und Glauben dogmatisch als Aberglauben abqualifizieren. Selten bis gar nicht nehmen sie auf ihre eigenen Be- und Erkenntnisse Bezug, die alte Taktik „Angriff ist die beste Verteidigung“ genügt offenbar. Dabei hat jeder Christ, Jude, Muslim und weitere Religionsangehörige… alle haben ein Anrecht zu erfahren, nach welchen Leitlinien der in den Medien bestimmende Teil der Nichtgläubigen sein Leben ausrichtet.

Lehnen wir uns zurück und „geniessen“ 12 Leitsätze, herausgelöst aus den Texten einer Elite pragmatisch denkender „Humanisten“, für die das Leben sinnlos ist – und die dennoch die gesellschaftliche Vorherrschaft reklamieren. Ein Anspruch, der erste Züge einer totalitären Diktatur in sich trägt.

12 Kernsätze des atheistischen Humanismus:

1. Etablierung eines naturalistischen Weltbildes

Die Schaffung eines Weltbildes mit einer aggressiv betriebenen Ausklammerung von Metaphysik und Theologie ist das Ziel des Humanismus. Religionen und Theologie werden beiseite geschoben, und die mehrtausendjährige abend- und morgenländische Geistesgeschichte der Metaphysik wird für bedeutungslos erklärt.

2. Unbegrenzte Forschung schafft künstliches Leben

Eine freie und unbegrenzte Forschung ist das Ziel. Dabei steht nicht die Bewahrung des natürlichen Lebens, sondern die Schaffung künstlichen Lebens im Zentrum der Bemühungen.

3. Die Natur ist auf physikalisch-chemische Grundlagen rückführbar

Die Natur beruht eigentlich auf physikalisch-chemischen Grundlagen, erklärt das Manifest. Dabei bleibt offen, wie und in welcher Form ästhetischen und anderen kulturellen Ausdrucksformen Rechnung getragen werden soll.

4. Respekt vor geistigen Phänomenen erübrigt sich

Aufgrund der im Manifest vertretenen Thesen des nicht reduktiven Materialismus sind mentale Phänomene grossteils auf physikalische Ereignisse rückführbar. Die Geistebene bleibt somit ohne besonderen Stellenwert und ein Respekt vor geistigen und transzendentalen Phänomenen erübrigt sich.

5. Einen „intelligenten Plan“ gibt es nicht

Ausschliesslich nachprüfbares Wissen über die Natur kann für gesellschaftlich relevante Entscheidungen herangezogen werden. Die These eines „intelligenten Plans“ wird aufgrund statistischer „Beweisführungen“ ausgeschlossen. Neuere unbewiesene Thesen der Evolutionsbiologie und Kosmologie (Stichwort Multiversum) werden aufgegriffen, um die Gottesthese in ein möglichst unwahrscheinliches Licht zu rücken.

6. Naturwissenschaftliche Eliten entscheiden über Leben und Tod

Laut Manifest müssen bei Entscheidungsträgern naturwissenschaftliche Kenntnisse vorausgesetzt werden. In der Folge haben naturwissenschaftlich gebildete Eliten das Entscheidungsrecht ganz besonders für diejenigen Angelegenheiten, die über Leben und Tod befinden.

7. Das christliche Wertesystem hat sich humanistischen Wertesystemen unterzuordnen

Demokratische Gesellschaften können eine vielzahl alternativer Wertesysteme aufweisen. Das christliche Wertesystem hat, weil es wie andere Religionen auf Aberglauben beruht, keine weitere gesellschaftliche Berechtigung.

8. Humanistische Ethik ersetzt Liebe und Familie durch Glück und Selbstbestimmung

Die humanistische Ethik verwendet die Parameter Glück, Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit. Die christlichen Werte Glaube, Hoffnung und Liebe werden als gesellschaftlich irrelevant zurückgewiesen. Die aktive Tätigkeit der Nächstenliebe wird auch nicht annähernd durch die passive Tugend „Wertschätzung“ ersetzt.

9. Jederzeit auflösbare Partnerschaften ersetzen die christliche Ehe

Der humanistische Sittenkodex übernimmt eine Reihe von Geboten aus religiösen Wertesystemen, ohne die gesellschaftliche Keimzelle Familie (Hetero-Ehe) ausdrücklich einzubinden. Jederzeit auflösbare zivilrechtliche Partnerschaften einschliesslich Homo-Ehe bilden das erklärte Gegenmodell zur christlichen Ehe.

10. Eltern dürfen christlich-sittliche Grundsätze nicht auf ihre Kinder übertragen

Festgestellt wird, dass Paare hinreichend über die Möglichkeit informiert werden müssen, von der künstlichen Befruchtung und biogenetischer Beratung Gebrauch zu machen. Obwohl von den Eltern vermittelte sittliche Grundsätze von großer Bedeutung sind, dürfen Eltern laut Manifest nicht ihre eigenen religiösen Anschauungen auf ihre Kinder übertragen.

11. Sterbehilfe, Abtreibung und Klonen sind wesentlich für die menschliche Freiheit und Selbstbestimmung

Die Humanisten werden die Debatte über die Sterbehilfe insbesondere in den Wohlstandsgesellschaften verstärkt führen, um unnötiges Leiden zu verkürzen und sogar den Tod schneller herbeizuführen. Aktive Sterbehilfe soll unter Berufung auf die Europäischen Menschenrechte gesellschaftsrechtlich verankert werden. Frauen müssen das Recht haben, über ihren Körper selbst zu bestimmen, d.h. sie können sich für oder gegen Fortpflanzung, Empfängnisverhütung, Abtreibung, Leihmutterschaft und Klonen entscheiden.

12. Einen Sinn des Lebens gibt es nicht

Für atheistische Humanisten gibt es kein Leben nach dem Tod. Das Leben ist dem Wesen nach sinnlos.

Mir ist etwas kalt geworden nach diesen 12 Kerngedanken und ihren praktischen Auswirkungen. Wer dennoch etwas warm werden will mit dem Hintergrund dieses Programms, der lese die Kritik des Humanistischen Manifest III, aus der die genannten Thesen Schritt für Schritt hervorgehen.

Kommen wir auf die Einleitung meines postings zurück, dort wurde der Begriff des Totalitarismus ins Spiel gebracht.

Definition des Begriffs Totalitarismus (Wikipedia):

„Der Begriff bezeichnet in der Politikwissenschaft eine diktatorische Form von Herrschaft, die, im Unterschied zu einer autoritären Diktatur, in alle sozialen Verhältnisse hinein zu wirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen.“

Stichworte im vorliegenden Fall des atheistischen Humanismus sind die rigorose Durchsetzung des naturalistischen Weltbildes, das allgemeine und individuelle Glück als Staatsziel, und naturwissenschaftlich gebildete Eliten als Staatswächter.

Definition des Begriffs Totalitarismus (Fortsetzung):

„Während eine autoritäre Diktatur den Status quo aufrechtzuerhalten sucht, fordert eine totalitäre Diktatur von den Beherrschten eine äußerst aktive Beteiligung am Staatsleben sowie dessen Weiterentwicklung in eine Richtung, die durch die jeweilige Ideologie angewiesen wird. Typisch sind somit die dauerhafte Mobilisierung in Massenmedien respektive -organisationen und die Ausgrenzung bis hin zur moralischen und physischen Vernichtung derer, die sich den totalen Herrschaftsansprüchen tatsächlich oder möglicherweise widersetzen.“

Die Mobilisierung geht ideell vom angelsächsischen Raum aus (Richard Dawkins, Brights,…) und findet politisch in Spanien, Niederlanden, Belgien und der Schweiz statt, wo Europäer zeigen, wie wandelbar die Menschenrechte (auf die wir alle stolz sind) im Namen des atheistischen Humanismus sind. Konkret ausgegrenzt werden Gläubige aller Religionen, sowie Verfechter des Instituts der christlichen Ehe, des Ideals der christlichen Familie, schliesslich der christlich orientierten Kindererziehung.

Gegenüber dieser säkularen Messianisierung ist man versucht mit Cicero zu sagen „Wehret den Anfängen“. Wie ginge das – aus christlicher Sicht – überzeugender als mit dem Dreieinigen Gott? Hier unterscheidet das Wirken des Heiligen Geistes den christlichen Glauben von einer Weltanschauung im Sinne eines Systems von Gedanken und Überzeugungen. Anhänger einer Weltanschauung sind entweder auf die Lehren ihres Gründers angewiesen (z.B. Scientology, übrigens von Richard Dawkins durchaus positiv beurteilt) oder müssen sich mehrmals innerhalb einer Generation (Humanistische Manifeste I-III, Humanistische Erklärung, Manifest des evolutionären Humanismus) neu erfinden.

Der christliche Glaube dagegen spricht uns durch den Geist persönlich an. Heiliger Geist ist das Geschenk der leidenschaftlichen Beziehung zu unserem ewigen Schöpfer. Indem wir diesem Geist Zugang zu unserem Innersten gewähren, erleben wir lebendige Gemeinschaft mit Gott: Die Gnade des Schöpfers und die Liebe zu den Menschen. Gnade und Liebe, zwei Begriffe die der beschriebene Humanismus nicht kennt. „Ein Wanderer ohne Ziel, ein Fragender ohne Antwort, ein Ringender ohne Sieg, ein Sterbender ohne neues Leben; das ist der Mensch ohne Glauben.“ (Augustinus)

Das letzte Wort gehört dem eingangs zitierten Autor: „…vergessen Sie nicht: Das Leben ist eine Herrlichkeit„, Rainer Maria Rilke macht uns Mut.

Humanistisches Manifest III (deutsch, pdf)

Eine Kritik des Humanistischen Manifest III

Die rechtspolitischen Grundvorstellungen… der säkularen Verbände (pdf)

Humanismus-Theorien in Deutschland – eine Auswahlbibliographie (pdf)

Humanist Manifesto II (englisch)

Humanist Manifesto I (englisch)

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Kommentare

25 Kommentare zu „Leben ohne Geist… eine teuflische Messianisierung“

  1. @mountainking

    Warum mein letztes Argument kein Strohmann ist, kann man hier ganz gut nachlesen (wenn auch unter leicht anderer Intention des Schreibers), alles kann zum „Götzen“ werden, der Mensch ist immer in Gefahr, sich selbst Götzen zu schaffen bzw. sich selbst sogar als Gott zu sehen und sich zu überhöhen:

    http://www.sektenausstieg.net/index.php?option=com_content&view=article&id=1146&catid=89:biblische-betrachtungen&Itemid=29

  2. @ theolounge

    „Stelle ich mir schwer vor, weil das offiziell nicht sehr akzeptiert ist, also Homosexualität – obwohl ich Freunde hab, die so sind (sowohl Frauen als auch Männer).“

    Das ist dann aber kein Makel dieser Lebensgemeinschaften, sondern derer, die diese Haltung haben.

    „aber leicht ist das nicht für ein Kind, wenn ich das richtig sehe – spätestens ab der Schulzeit nicht mehr“

    Wie gesagt, es kann doch nicht der entscheidende Kritikpunkt an der „Kinderaufzucht“ durch homosexuelle Paare sein, dass viele Menschen dagegen Vorurteile haben. Siehst du das denn als Schaden DURCH dieses Aufwachsen?

    „Lukrez denkt, es existiert alles seit immer und für alle Ewigkeiten – und somit klammert er die Frage, woher alles kommt, einfach aus. Und das findet man heute auch noch ab und an, diese Einstellung.“

    Dafür klammerst du die Frage aus, wo Gott denn her kommt, wenn er der Ursprung alles Seins ist. Wenn alles immer irgendwo „herkommt“, landet man letztlich einem infiniten regress, es sei denn, man macht es sich einfach und hört bei Gott einfach auf, ohne das wirklich begründen zu können.

    “ Die Bibel weiß es so ganz genau nicht, denn sie hat ja viele Autoren gehabt und viele unterschiedlciche Sichtweisen, die sich mitunter auch entgegenlaufen. Dennoch ist dort m.E. viel Gotteserkenntnis – über Generationen gewachsen und reflektiert – enthalten.“

    Ich habe es ja schon mehrfach angedeutet: eine solche differenzierte Haltung ist sicher nicht das, wogegen sich die Kritik von Atheisten/Humanisten vorrangig richtet. Man kann halt aber nicht einfach so tun, als ob diese Sichtweise die vorherrschende oder gar einzig vorkommende wäre.

    „Warum mein letztes Argument kein Strohmann ist, kann man hier ganz gut nachlesen (wenn auch unter leicht anderer Intention des Schreibers), alles kann zum “Götzen” werden, der Mensch ist immer in Gefahr, sich selbst Götzen zu schaffen bzw. sich selbst sogar als Gott zu sehen und sich zu überhöhen:“

    Für mich hat Vergötterung etwas mit Schrankenlosigkeit, Überhöhung und Absolutheit zu tun und ich sehe nicht, wo das beim Humanismus der Fall sein sollte. Vielleicht kannst du das mal konkretisieren? Wenn du so argumentierst wie im Link, dann bedeutet das ja, dass jeder Mensch per se IMMER einen Gott hat und wenn das nicht der christliche ist, dann MUSS es etwas anderes sein. Ich zweifle allerdings an der Richtigkeit der Voraussetzung.
    Ich suche ja noch nach dem Humanisten, der behauptet, Menschen sind ie Größten, können alles und jeder sollte sich rücksichtlos gegen alles und jeden durchsetzen…

  3. @Mountainking

    “aber leicht ist das nicht für ein Kind, wenn ich das richtig sehe – spätestens ab der Schulzeit nicht mehr”

    Wie gesagt, es kann doch nicht der entscheidende Kritikpunkt an der “Kinderaufzucht” durch homosexuelle Paare sein, dass viele Menschen dagegen Vorurteile haben. Siehst du das denn als Schaden DURCH dieses Aufwachsen?

    ich sehe ja nicht die Vorurteile als Schaden an. Aber der Normalfall ist, das ein Kind nicht-gleichgeschlechtliche Eltern hat. Wie gesagt: bevor es im Waisenhaus dahinvegetiert wäre es vielleicht der bessere Weg…aber kein einfacher.

    “Lukrez denkt, es existiert alles seit immer und für alle Ewigkeiten – und somit klammert er die Frage, woher alles kommt, einfach aus. Und das findet man heute auch noch ab und an, diese Einstellung.”

    Dafür klammerst du die Frage aus, wo Gott denn her kommt, wenn er der Ursprung alles Seins ist. Wenn alles immer irgendwo “herkommt”, landet man letztlich einem infiniten regress, es sei denn, man macht es sich einfach und hört bei Gott einfach auf, ohne das wirklich begründen zu können.

    ja. Man kann es sich einfach nicht vorstellen. Eine der Eigenschaften Gottes ist die Unendlichkeit, so sagt man.

    “Warum mein letztes Argument kein Strohmann ist, kann man hier ganz gut nachlesen (wenn auch unter leicht anderer Intention des Schreibers), alles kann zum “Götzen” werden, der Mensch ist immer in Gefahr, sich selbst Götzen zu schaffen bzw. sich selbst sogar als Gott zu sehen und sich zu überhöhen:”

    Für mich hat Vergötterung etwas mit Schrankenlosigkeit, Überhöhung und Absolutheit zu tun und ich sehe nicht, wo das beim Humanismus der Fall sein sollte. Vielleicht kannst du das mal konkretisieren? Wenn du so argumentierst wie im Link, dann bedeutet das ja, dass jeder Mensch per se IMMER einen Gott hat und wenn das nicht der christliche ist, dann MUSS es etwas anderes sein. Ich zweifle allerdings an der Richtigkeit der Voraussetzung.
    Ich suche ja noch nach dem Humanisten, der behauptet, Menschen sind ie Größten, können alles und jeder sollte sich rücksichtlos gegen alles und jeden durchsetzen…

    naja, es ist auf jeden Fall eine der Großen Gefahren des Humanismus, dass man sich seinen eigenen Götzen schafft, indem man sich selbst als das Maß aller Dinge sieht. Und das tun die Humanisten. Sie nehmen den Menschen als das Maß aller Dinge.
    Ich hab nichts gegen Humanisten prinzipiell – sofern sie keinen radikalen Humanismus leben, der andere Meinungen beseitigen will – , aber sie schaffen sich eigentlich selbst ihre Götzen.

  4. @MountainKing

    „Da daran auf den ersten Blick nichts spezifisch christliches ist, taugt das natürlich auch schlecht als Beispiel. Dies würde sich allerdings ändern, wenn du erstens sagst, dass die Hetero-Ehe deswegen richtig ist, weil Gott die Menschen als Mann und Frau füreinander geschaffen hat und deinen Kindern zweitens die Bibel als geoffenbartes Wort Gottes nahelegst. Dort könnten sie dann allerdings einen etwas anderen Standpunkt zu gleichgeschlechtlichem Verhalten nachlesen.“

    Wie ich etwas weiter unten ausführe, ist der „ewige Vorwurf“ 🙂 dass meine Argumentation aufgrund meines Glaubens Gottes Existenz miteinschliesst, fehl am Platz, weil er 1) der Versuch einer Irreführung ist und 2) aufgrund der argumentativ unhaltbaren Position des naturalistischen Humanismus pure Ablenkung von den eigenen Schwächen darstellt.
    Und zum bibelorientierten Seitenhieb betreffend gleichgeschlechtlichem Verhalten „Dort könnten sie dann allerdings einen etwas anderen Standpunkt zu gleichgeschlechtlichem Verhalten nachlesen“ sage ich an dieser Stelle in aller Kürze
    i) Historisch gesehen ging es um die Geschichte von Sodom und Gomorrha, die den Anlass bot, jede Form von Wollust und Perversion zu verurteilen (dieser Bann der Wollust führte später zur Sodomitenverfolgung, die gerne als „Homosexuellen-Verfolgung“ interpretiert wird, es aber nicht ist). Nach heutigem Stand der Erkenntnis ist gleichgeschlechtliches Verhalten ganz sicher keine Perversion, und ausserdem haben wir heute mit den Vorkommnissen in Sodom herzlich wenig zu tun.
    ii) Die moderne Bibelexegese spricht diese Verurteilungen „sodomitischen Verhaltens“ einmaligen Vorkommnissen jener Zeit zu, die für heutige Interpretationen überhaupt nicht taugen.

    “Im Gegenteil: In der Bibel heisst es “Wenn man euch an einem Ort nicht hören will, dann zieht in das nächste Dorf” – Beißt sich mit “macht zu Jüngern alle Völker”.

    Wie wir beide wissen, kann man in der Bibel so manches lesen; verstehen (wollen) geht dann ein Stück darüber hinaus. Es lässt sich auch vieles verzerren, oder einfach missinterpretieren, dieses wiederum bewusst oder unbewusst. Vor letzterem bin ich natürlich auch nicht gefeit. Aber so einfach sollte man es sich nicht machen, ein Kurzzitat aus dem Zusammenhang mit einem anderen widerlegen zu wollen. Aus meiner Sicht gilt beides: Die Botschaft Christi soll in die ganze Welt getragen werden, aber dort wo man erkennt, dass die Verkündigung nachhaltig nicht aufgenommen wird, darf und soll man konsequenterweise weiterziehen. Die kirchlichen Missionare haben sich zeitweise daran überhaupt nicht gehalten, in anderen Zeiten wurde die Verkündigung mehr im Sinne der Schrift gehandhabt: So lässt das von Missionaren und der Bevölkerung Ostafrikas formulierte christliche Glaubensbekenntnis grossen Respekt vor dort heimischen Traditionen und Vorstellungen erkennen.

    Es gibt Lebensthemen, die beispielsweise unter Humanisten überhaupt nicht genannt werden, die da lauten Liebe, Sünde, Gnade und Hoffnung. Weiters gibt es Themen, die ich mit Christentum verknüpfen kann, aber nicht muss: Die von uns schon öfter diskutierten Themen Homo-Ehe oder Kindererziehung. Hier wird gar nichts versteckt, denn man muss schon auf drei Augen blind sein, um sich nicht im klaren zu sein, dass ich in beiden Fragen zum einen auf meinen Glauben zurückgreife und zum anderen auf meine ratio. Für dich möglicherweise erstaunlich: Es gibt hier keinen Konflikt der Glaubens- und Vernunftwelt, jedenfalls nicht in den von mir geschriebenen Kommentarteilen.

    Eines lässt sich an dieser Stelle auf den Punkt bringen: Humanisten berufen sich auf Evolutionsbiologen, um festzuhalten, einen intelligenten Plan gäbe es nicht, wobei dieselbe Evolutionsbiologie in Person des R.Dawkins festhält, dass er eigentlich noch auf seine Kollegen aus der Physik wartet, um dann eventuell alles belegen zu können („Einen entsprechenden „Kran“ für die Physik kennen wir nicht“, Der Gotteswahn, S.223). Was diese Humanisten im besprochenen Manifest tun, ist nichts anderes, als eine aus evolutionsbiologischer Sicht wahrscheinliche Position festzuschreiben, die die Physik aussen vor lässt; und wie unwohl sie sich dabei fühlen, zeigt sich deutlich an den ganz und gar unnötigen Seitenhieben auf alles Religiöse.

    Christentum und Humanismus sind beide nicht in der Lage, ihre Positionen im „wissenschaftlichen Sinn“ zu belegen. Unangenehmer ist das für die Naturalisten/Humanisten, weil sie so sehr auf ihre Wissenschaftlichkeit angewiesen sind. Hat diese Darwinsche Schöpfung eigentlich a priori festgelegt, dass der Mensch seine Vorgehensweisen und Lebensformen ausschliesslich nach von ihm selbst entwickelten Forschungsmethoden zu entscheiden hat?? (Noch dazu, wo er ja mitten im Spiel aktiv ist, also von vorneherein das Problem jedes Spielers hat, der sich nicht als Teamchef von ausserhalb als Beobachter betätigen kann.) Mit der erfolgreichen Entwicklung von Kühlschränken, Autos, Ipods und Krankenversorgungsanstalten kann ich Vorschriften der Kindererziehung sicher nicht rechtfertigen.

    – Humanisten wissen nicht, sie glauben bestenfalls davon ausgehen zu können, dass es keinen intelligenten Plan gibt, und scheitern damit bis dato an ihren eigenen Ansprüchen. [siehe oben (1) ]
    – Es gibt kein naturalistisches Schöpfungsgesetz, dass die Vernunft oberste respektive alleinige Entscheidungsinstanz zu sein hat.

    Diese Punkte führen zur eingangs zitierten Irreführung [siehe oben (2) ], denn

    – wie sehr schön gezeigt wurde ist die humanistische Position um nichts in der Welt gerechtfertigter als die christliche. Dies wiederum bedeutet dass die Voraussetzung eines Diskurses auf gleicher Höhe – unter wechselseitiger Anerkennung der Positionen – gegeben ist.

    Was steht also einem Gespräch zwischen Atheisten/Humanisten und Christen entgegen? – Papst Benedikt XVI. hat die Tür zur Diskussion mit dem Judentum geöffnet, indem er die Position des grossen Rabbis Jakob Neusner als Voraussetzung des Dialogs akzeptiert hat [„Jesus von Nazareth“]. Umgekehrt hat Neusner [„A Rabbi talks with Jesus“] die Position des Christentums als gerechtfertigt anerkannt, ohne sie deshalb für sich zu akzeptieren. Beide reden miteinander, obwohl ihre Erwartungshaltung ist, ihre eigenen Positionen zu behalten, vielleicht sogar zu vertiefen.

    Bis dato verhindert die aggressive und herabwürdigende Argumentationsschiene atheistischer Proponenten jede sinnvolle Auseinandersetzung.

  5. Avatar von Sandra

    Ob Atheisten, Humanisten oder sonstige ähnliche Strömungen. Ehrlich gesagt finde ich sie alle wesentlich ungefährlicher als Christen die sich „Christen“ nennen aber Jesus Christus gar nicht nachfolgen. (Sollte jetzt nicht unbedingt auf diese Seite bezogen sein)

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