Es ist eines der dornigsten Themen zwischen der Politik und biologischen Ethik schlechthin: In wie weit darf aus medizinischen Gründen an embryonalen Stammzellen geforscht werden? Embryonale Stammzellen werden einem Embryo im frühen Status (meist vor dem 14ten Tag) entnommen. Dafür werden auch menschliche Embryonen verwendet. Der Embryo wird dabei vernichtet, nachdem er zuvor in-vitro gezüchtet wurde. Bisher darf in Deutschland generell nur an Stammzelllinien geforscht werden, die von Embryonen außerhalb Deutschlands kommen. Getötet werden müssen diese Embryonen deswegen im Ausland dennoch. Es soll hier nun ein Plädoyer für die Würde und Schutzbedürftigkeit des Embryos als Beginn menschlichen Lebens gehalten werden.
Befürworter aus dem Bereich der Forschung geben als Argumente gerne an, dass die deutsche Forschung hinterher hinke, während andere Länder längst in vollem Umfang an embryonalen Stammzellen forschen würden. „Im vollen Umfang“ bedeutet hier, dass so viele Embryonen gezüchtet werden dürfen – aus denen man die Stammzellen gewinnt – wie man für die Forschung angeblich benötige. Zunächst muss man zwischen totipotenten und pluripotenten Stammzellen unterscheiden: Die ersten können sich zum Menschen weiterentwickeln, die anderen können noch zu Zellen aller Art werden. Das Argument der Forschung, dem internationalen Wettlauf nachkommen zu wollen, kann aber in sich schon als ungenügend beurteilt werden, da hier ethische Gesichtspunkte nicht in Betracht gezogen werden, sondern nur der Wettbewerb als Grund angeführt wird; darum zum zweiten Argument seitens der Wissenschaft:
Immer wieder wird besonders in den Medien ein Bild propagiert, wonach mit einer Ausbreitung der embryonalen Stammzellenforschung schon bald sensationelle medizinische Erfolge gefeiert werden können. Was verschwiegen wird: Längst geben sich viele Forscher nicht mehr so optimistisch, denn de facto weiß man überhaupt nicht, welche Erfolge man erzielen könnte und zweitens sind schon einige erfolgsversprechende Aussichten von wissenschaftlicher Seite als sehr fraglich, ja utopisch eingestuft worden. Vielmehr geht in der heutigen Wissenschaft der Trend dahin, auf diesem gesamten Forschungsfeld auch am „new genetic design“ des Menschen zu arbeiten: Menschen sollen über ihre von Gott geschenkten genetischen Fähigkeiten, die auch Grenzen mit sich bringen, „genkonform“ gemacht werden, was soviel bedeutet, dass wir selber Menschen nach unseren Vorstellungen kreieren und sie mit Fähigkeiten ausstatten, die „übermenschlich“ sind. Dieses Thema ist längst kein Tabu mehr unter renommierten Forschern.
Ein drittes Argument geht dahin, dass man schlichtweg behauptet, dass die menschlichen Embryonen noch keine menschlichen Wesen seien. Philosophisch richtig argumentiert die katholische Kirche, dass menschliches, personales Leben mit der Verschmelzung von Samenzellen und Eizelle beginne. Andernfalls müsste man behaupten, dass der Embryo bis zu einem gewissen Stadium seiner Entwicklung ein Gegenstand wäre und dann ab einem bestimmten Zeitpunkt, den man unmöglich feststellen kann, dann zum Menschen und zur Person wird. Es ist jedoch von der Logik der Sache her absurd zu behaupten, dass aus einem Gegenstand eine geistige, personale und individuelle Person wird. Wir können im ganzen Universum nichts beobachten, was von einem Etwas zu einem Jemand wird. Daraus folgt, dass man von Anfang an, also seit der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle, entweder immer schon ein Mensch war oder es nie sein kann. Der Chromosomensatz, der bei der Verschmelzung kombiniert wird, verändert sich zudem bis zum Tod eines Menschen nicht mehr. Die Frage nach dem Zeitpunkt, wann ein Individuum der Art Mensch beginnt, ist eine empirische Frage. Biologisch beginnt es mit der Befruchtung von Ei- und Samenzelle, also der Zygote. Die Frage, ob man von personalem Leben erst ab der Nidation, der Einnistung, sprechen sollte, kann dabei offen bleiben. Dann aber, wenn das menschliche Leben das fundamentalste aller Güter ist, ist für dieses Rechtsgut auch der sicherste Rechtsschutz geboten, d.h. sein biologisches Anfang und Ende.
Somit dürfte klar geworden sein, dass Embryonen und die Stammzellen nicht einfach rechtlose Dinge sind, an denen man herumexperimentieren sollte. Auch eine so genannte Ethik des Heilens, welche gerne als Argument für die Liberalisierung der Stammzellenforschung daher genommen wird, ist aus ethisch moralsicher Sicht sehr bedenklich: Darf man unschuldiges Leben vernichten, damit wir noch länger Leben können? Die Frage nach der Endlichkeit des Menschen rückt hier in den Mittelpunkt und es scheint so, als ob wir mit unserem Ende nicht richtig umgehen können.
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Bild: Claudia Hautumm/pixelio.de



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