Heiter scheitern

​Wir leben in einer Kultur, die von uns Perfektion verlangt. Vom optimierten Körper über die makellose Karriere bis hin zum perfekten Familienfoto auf Social Media: Der Druck, alles „richtig“ zu machen, ist immens. Doch die Realität sieht anders aus. Wir scheitern, wir irren uns, wir verletzen andere und uns selbst. Die beruhigende Nachricht ist: Wir müssen gar nicht alles richtig machen. Aber wir können uns zumindest darum bemühen. Dieser kleine, feine Unterschied ist der Schlüssel zu psychischer Gesundheit und spirituellem Wachstum.

​Aus psychologischer Sicht ist das krampfhafte Streben nach Fehlerfreiheit, auch Perfektionismus genannt, oft ein Motor für Angstzustände und Depressionen. Wer sich keine Fehler erlaubt, lebt in ständiger Anspannung. Die Psychologie lehrt uns, dass Selbstmitgefühl – die Fähigkeit, freundlich mit sich selbst umzugehen, wenn man versagt – essenziell ist. Wenn wir akzeptieren, dass wir unvollkommen sind, nehmen wir uns die Last ab, ein unmögliches Ideal erreichen zu müssen. Das Bemühen steht hierbei für den Prozess, nicht das Ergebnis. Es ist der Unterschied zwischen einem starren Selbstbild und einem, das wachsen und lernen darf.

​Theologisch betrachtet ist die menschliche Unvollkommenheit eine Grundkonstante. Wir müssen uns eingestehen: Fehler zu machen, ist Teil unserer Existenz. Das Bemühen, das Gute zu tun, obwohl wir wissen, dass wir scheitern können, ist ein Akt der Hingabe und des Glaubens. Der Weg ist oft wichtiger als das Ziel.

​Wenn wir also das nächste Mal stolpern – und das werden wir –, dürfen wir uns daran erinnern, dass nicht die Fehlerfreiheit unser Maßstab ist. Die Absicht zählt. Der Versuch, es gut zu machen, ist bereits ein gutes Werk. Es ist das Licht des Bemühens, das in unserer Unvollkommenheit leuchtet und uns den Weg weist, auch wenn wir nicht jeden Schritt perfekt setzen.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Heiter scheitern“

  1. Das passt zur Fastenaktion in diesem Jahr:
    Sieben Wochen ohne Härte

  2. Ja, stimmt

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