Wie Orban den russischen Angriffskrieg mitfinanziert

In der Architektur der europäischen Solidarität gibt es Risse, die man nicht mehr mit bloßer Diplomatie zuspachteln kann. Besonders deutlich wird dies im Februar 2026, wo die moralische Statik des Kontinents durch ein widersprüchliches Doppelspiel auf die Probe gestellt wird. Es ist das Bild eines Mannes, der mit der einen Hand die Fördermilliarden aus Brüssel entgegennimmt, während die andere Hand den Zapfhahn für russisches Öl hält, das direkt in die Kriegskasse Moskaus fließt. Ein Spagat, der theologisch betrachtet dem Versuch gleicht, gleichzeitig zwei Herren zu dienen – ein Unterfangen, das laut biblischer Weisheit selten ohne den moralischen Bankrott einer Seite endet.

​Der Preis der Freundschaft und das Schweigen der Pipelines

​In Deutschland blickt man mit wachsender Fassungslosigkeit auf die Eskalation im Osten. Die Süddeutsche Zeitung berichtet aktuell über einen verschärften Konflikt zwischen Budapest, Kyjiw und Brüssel, nachdem die Druschba-Pipeline – ironischerweise „Freundschaft“ genannt – nach Drohnenangriffen trockenlief. Während die Ukraine technische Gründe anführt, wertet der Deutschlandfunk die ungarischen Reaktionen als gezielte Erpressungstaktik: Viktor Orbán droht nun damit, das 20. Sanktionspaket der EU zu blockieren und lebenswichtige Notstromlieferungen an die Ukraine einzustellen. Es ist eine Form der politischen Alchemie, bei der fossile Brennstoffe in moralisches Gift verwandelt werden. Die taz ergänzt hierzu treffend, dass die EU-Außenminister sich gegenseitig Untreue vorwerfen, während der ungarische Außenminister Péter Szijjártó die Blockadehaltung als Schutz der nationalen Souveränität verkauft. Dass diese Souveränität am Tropf eines Aggressors hängt, scheint in der Budapester Rhetorik lediglich ein vernachlässigbares Detail der Realpolitik zu sein.

​Ein Wahlkampf auf dem Rücken der Geopolitik

​Im innerungarischen Diskurs zeigt sich die Lage noch nuancierter, wenn auch nicht weniger paradox. Das unabhängige Portal Telex meldet, dass Orbán sogar Truppen zum Schutz der Energieinfrastruktur entsandt hat, getrieben von der Sorge vor weiteren ukrainischen „Sabotageakten“. Es ist ein interessanter ethischer Twist: Wer den Diebstahl der Zukunft eines Nachbarlandes mitfinanziert, sorgt sich plötzlich um die Integrität seiner eigenen Rohre. Laut HVG wird dieser Konflikt massiv für den anstehenden Wahlkampf im April instrumentalisiert. Orbán stilisiert sich als Friedensfürst, der sein Volk vor dem „Kriegstreiber“ Kyjiw schützt, während er in Wahrheit lediglich die günstigen Konditionen eines Despoten sichert. 24.hu weist darauf hin, dass der neue Oppositionsführer Péter Magyar diese Abhängigkeit zunehmend thematisiert und die Frage stellt, wie viel die ungarische Seele eigentlich pro Barrel kostet. Selbst das regierungsnahe Portal Index.hu kann die Spannungen nicht mehr verbergen und zitiert Orbán mit der Aussage, die Ukraine sei durch ihre Energiepolitik zum „Feind“ Ungarns geworden – eine theologische Verkehrung von Täterschaft und Opferschaft, die man fast schon bewundern müsste, wäre sie nicht so zerstörerisch.

​Das Echo aus Kyjiw: Blut im Getriebe

​In der Ukraine, die seit nunmehr vier Jahren gegen die Vernichtung kämpft, wird dieses Spiel nicht mehr als politische Nuance, sondern als Beihilfe wahrgenommen. Ukrinform betont, dass jede Transaktion für russisches Rohöl direkt in Raketen investiert wird, die auf die Infrastruktur von Kyjiw niedergehen. Es ist eine bittere Ironie, dass die Ukraine einen Teil ihres Stroms aus Ungarn bezieht, der möglicherweise mit eben jener Energie erzeugt wird, deren Erlös den Krieg befeuert. Die Ukrainska Pravda zitiert Regierungsvertreter, die das ungarische Vorgehen als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnen, insbesondere die Drohung, mitten im Winter die Energieversorgung zu kappen.

​Das Kyiv Post berichtet zudem über die moralische Leere hinter Orbáns offenem Brief an Wolodymyr Selenskyj, in dem er eine Änderung der „anti-ungarischen Politik“ fordert. Es ist der klassische Fall eines Erpressers, der sich beschwert, dass sein Opfer beim Würgen zu laut röchelt. NV.ua weist ergänzend darauf hin, dass die EU derzeit versucht, Orbán mit einem „gesichtswahrenden Deal“ zur Freigabe von 90 Milliarden Euro an Ukraine-Hilfen zu bewegen – ein Ablasshandel moderner Prägung, bei dem man sich die Kooperation eines Partners erkauft, der die Werte des Clubs längst an der Tankstelle abgegeben hat.

​Die Ethik des Zapfhahns

​Man könnte fast darüber lachen, wenn die Konsequenzen nicht so blutig wären. Es ist ein bizarrer Kreislauf: Die EU überweist Fördergelder nach Ungarn, Ungarn überweist Geld für Öl nach Russland, und Russland schickt dafür „Grüße“ in Form von Marschflugkörpern zurück in Richtung Westen. Ein ökonomisches Perpetuum Mobile des Grauens. Dass Deutschland, wie Der Spiegel kritisch anmerkt, über seine EU-Beiträge indirekt ein System mitfinanziert, das sich offen nach Moskau orientiert, ist eine moralische Bankrotterklärung der europäischen Finanzpolitik. Es scheint, als hätte man in Brüssel vergessen, dass man Frieden nicht durch das Füttern von Krokodilen sichert, in der Hoffnung, man werde selbst zuletzt gefressen.

Verwendete Quellen:

  • Deutschland: Süddeutsche Zeitung (SZ), Der Spiegel, taz.die tageszeitung, Deutschlandfunk (DLF).
  • Ungarn: Telex.hu, HVG.hu, Index.hu, 24.hu.
  • Ukraine: Ukrinform, Ukrainska Pravda, Kyiv Post, NV.ua (The New Voice of Ukraine).

​Möchten Sie, dass ich ein tiefergehende Analyse zu den spezifischen Wahlprognosen für Péter Magyar im Vergleich zu Viktor Orbán erstelle?


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