
Es hat schon fast etwas Romantisches: Da draußen peitscht der Wind über die Pisten von Cortina d’Ampezzo, und drinnen im US-Konsulat in Mailand machen es sich ein paar Herren gemütlich, deren Arbeitgeber normalerweise eher für schwarze Vans und das spurlose Verschwinden von Menschen ohne Papiere bekannt ist. Die Rede ist von ICE (Immigration and Customs Enforcement). Ja, genau die Jungs, die laut Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala eher eine „Miliz, die tötet“ sind als ein freundlicher Sicherheitsdienst.
Diplomatie mit Schlagstock-Aura
Die offizielle Version klingt natürlich viel diplomatischer: Die Spezialeinheit HSI (Homeland Security Investigations) ist vor Ort, um das US-Außenministerium zu unterstützen. Man wolle lediglich „transnationale kriminelle Netzwerke“ im Auge behalten und die Sicherheit der US-Delegation (inklusive Vize-Präsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio) garantieren. Ein Sprecher der US-Botschaft betonte mehrfach, dass die Agenten in Italien keine rechtsstaatlichen Befugnisse haben und niemanden in dunkle Gassen ziehen werden – zumindest nicht offiziell.
Doch das Timing ist, gelinde gesagt, unglücklich. In den USA brennt die Hütte: Erst vor wenigen Wochen sorgten tödliche Schüsse von Bundesagenten in Minneapolis auf US-Bürger für landesweite Unruhen. Dass genau diese Behörde jetzt im beschaulichen Norditalien „beratend“ tätig wird, sorgt bei den Einheimischen für eine Begeisterung, die man sonst nur bei einer drohenden Lawine empfindet.
Ein Hauch von „Black Van“ in den Alpen?
Während die italienischen Behörden hektisch versichern, dass die Carabinieri das Sagen haben und die ICE-Leute quasi nur zum Kaffeetrinken im Hinterzimmer sitzen, rüstet sich der Widerstand. Für den heutigen Tag der Eröffnung ist in Mailand bereits eine „ICE OUT“-Demo angekündigt.
Der Zynismus der Geschichte ist kaum zu übersehen: Eine Behörde, die zu Hause für das Aushebeln von rechtsstaatlichen Standards bei Abschiebungen kritisiert wird, soll nun in Europa für die Sicherheit der „demokratischen Werte“ der US-Athleten sorgen. Vielleicht bringen sie ja ihre berühmten schwarzen Vans mit – als VIP-Shuttle für die Bobfahrer? Sicher ist sicher.
Quellen:
- The Guardian (2026): „’A militia that kills‘: uproar in Italy over ICE security role at Winter Olympics.“
- AP News (2026): „US sending ICE unit to Winter Olympics for security, prompting concern and confusion in Italy.“
- CBC News (2026): „Why members of ICE will be in Italy for the Winter Olympics.“



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