
Der Sinneswandel des Experten
In dem aktuellen Artikel der ZEIT „Wo die USA auf den fünf Stufen des Faschismus stehen“ geht es um folgendes:
Der renommierte us-amerikanische Historiker Robert Paxton, der lange Zeit davor warnte, den Begriff Faschismus zu leichtfertig auf Donald Trump anzuwenden, hat seine Meinung grundlegend geändert. Ausschlaggebend war der Sturm auf das Kapitol im Januar 2021. Für Paxton wurde damit eine rote Linie überschritten, da Trump offen zivile Gewalt gegen ein Wahlergebnis förderte.
Merkmale faschistischen Verhaltens bei Trump
Paxton definiert Faschismus weniger als starre Lehre, sondern als politisches Verhalten. Bei Trump und der MAGA-Bewegung sieht er deutliche Parallelen zu den Bewegungen des 20. Jahrhunderts:
- Opferrolle und Niedergang: Die Besessenheit von der Vorstellung, die Nation sei gedemütigt und werde von internen und externen Feinden bedroht.
- Feindbilder: Die Markierung von Liberalen, „Globalisten“ und Migranten als Verschwörer gegen das „wahre Volk“.
- Kult der Stärke: Ein Anführer, der über Emotionen und Massenkommunikation statt über klare Programme führt.
- Expansionismus: Die Drohungen gegen Venezuela oder das Streben nach Grönland zeigen einen kriegerischen Drang zur Landnahme, der typisch für faschistische Systeme ist.
Gewalt und die Zersetzung des Rechtsstaats
Ein Kernmerkmal des Faschismus ist die politische Gewalt. Trump nutzt laut Artikel zwar keine eigenen Schlägertrupps wie die historischen Faschisten, biegt aber bestehende staatliche Strukturen wie die ICE oder die Nationalgarde für seine Zwecke um.
Es entsteht ein sogenannter Doppelstaat:
- Ein Maßnahmenstaat, in dem der Präsident willkürlich gegen Gegner und Migranten vorgeht.
- Ein Normenstaat, der für den Rest der Bürger scheinbar normal weiterfunktioniert, was den Widerstand schwächt.
Trump versucht zudem systematisch, die Gewaltenteilung auszuhebeln, indem er Richter einschüchtert und bisweilen die Justiz missachtet.
Die fünf Stufen des Faschismus
Der ZEIT-Artikel ordnet die USA Anfang 2026 auf der fünften und letzten Stufe von Paxtons Modell ein:
- Entstehung: (MAGA 2016)
- Verwurzelung: (Übernahme der Republikaner)
- Griff nach der Macht: (Wahlsiege durch Unterstützung konservativer Eliten)
- Machtausübung: (Umgestaltung des Lebens, erste Risse in der Bewegung)
- Radikalisierung oder Niedergang: Hier stehen die USA jetzt. Die Ziele werden immer drastischer verfolgt (siehe Venezuela, Grönland), während gleichzeitig Flügelkämpfe innerhalb der MAGA-Basis ausbrechen.
Ein Blick auf das, was kommt
Obwohl es Unterschiede zum klassischen Faschismus gibt – etwa Trumps egoistisches, libertäres Menschenbild im Gegensatz zum kollektiven „Volkskörper“ –, ist das Urteil der Forschung düster. Trump nutzt faschistische Methoden und Rhetorik, um seine Macht zu sichern. Die aktuellen Risse in der Bewegung und die anstehenden Midterms werden zeigen, ob das System sich weiter radikalisiert oder an Kraft verliert. Sicher ist jedoch: Die Bewegung wird so schnell nicht verschwinden und hat den Weg für ein autoritäres Amerika geebnet.
Quelle: ZEIT, Wo die USA auf den fünf Stufen des Faschismus stehen, 12.01.2026



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