
Bundeskanzler Friedrich Merz hat kürzlich mit einer Äußerung zum „Stadtbild“ im Zusammenhang mit Migration für Aufsehen gesorgt.
Die zentrale, wörtliche Aussage fiel laut Berichten (u.a. Deutschlandfunk) am 14. Oktober 2025:
„Bei der Migration sind wir sehr weit. Wir haben in dieser Bundesregierung die Zahlen August 24/August 25 im Vergleich um 60 Prozent nach unten gebracht. Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem.“
Verbindung zu Abschiebungen
Merz selbst stellte unmittelbar nach dieser Äußerung den Bezug zu Abschiebungen (Rückführungen) her. Er fügte laut Berichten (u.a. Bayerische Staatszeitung) an:
„…und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.“
Diese Verknüpfung wurde von Kritikern so interpretiert, dass Merz Menschen mit Migrationshintergrund als „Problem im Stadtbild“ bezeichne und dies als Begründung für Abschiebungen nutze.
Bekräftigung der Aussage
Angesichts der aufkommenden Kritik bekräftigte Merz seine Haltung wenige Tage später (um den 20. Oktober 2025) nach einer Präsidiumsklausur seiner Partei mit den Worten:
„Ich habe gar nichts zurückzunehmen – im Gegenteil.“
Ergänzung zum Thema Sicherheit
Um seine Aussage zu verteidigen und zu konkretisieren, was er mit dem „Problem“ meine, fügte Merz einen weiteren viel zitierten Satz hinzu. Er verwies dabei auf die Sicherheit im öffentlichen Raum, insbesondere für Frauen.
„Fragen Sie Ihre Kinder, fragen Sie Ihre Töchter, fragen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis herum: Alle bestätigen, dass das ein Problem ist – spätestens mit Einbruch der Dunkelheit.“
In einem direkten Gespräch mit einem Journalisten (laut DER SPIEGEL) fiel die Formulierung leicht abgewandelt:
„…ich weiß nicht ob Sie Kinder haben und wenn unter diesen Kindern Töchter sind dann fragen Sie mal Ihre Töchter. was ich damit gemeint haben könnte…“
Diese Aussagen lösten eine breite öffentliche Debatte über Rassismus, Populismus und die Sicherheit in deutschen Städten aus.
Was daran als problematisch wahrgenommen wird
Die Kritik an diesen Äußerungen ist vielschichtig und entzündet sich an mehreren Punkten:
- Rassistische Konnotation: Der Kern der Kritik ist der Vorwurf des Rassismus. Kritiker werfen Merz vor, die bloße sichtbare Anwesenheit von Menschen, die als migrantisch oder nicht-weiß wahrgenommen werden, als „Problem“ zu definieren. Die Ästhetik des „Stadtbildes“ werde über die Menschenwürde gestellt.
- Direkte Verknüpfung mit Abschiebungen: Besonders problematisch wird die Aussage durch die unmittelbare Verknüpfung von „Problem im Stadtbild“ mit der „Lösung“ Abschiebung. Dies wird so verstanden, dass Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Herkunft abgeschoben werden sollen, um das Stadtbild zu „säubern“.
- Nähe zur AfD-Rhetorik: Kritiker (u.a. von Grünen und Linken) sehen in der Wortwahl eine Anbiederung an rechtspopulistische und rechtsextreme Rhetorik. Der Begriff „Stadtbild“ im Zusammenhang mit Migration wird auch von Parteien wie der AfD als Kampfbegriff verwendet, um Stimmung gegen Zuwanderung zu machen.
- Pauschalverurteilung: Die Äußerungen gelten als pauschalisierend. Sie werfen undifferenziert eine ganze Gruppe von Menschen (Migranten) in einen Topf und machen sie für diffuse Probleme wie ein gestörtes „Stadtbild“ oder mangelnde Sicherheit verantwortlich.
- Spaltung der Gesellschaft: Es wird argumentiert, dass solche Worte eines Bundeskanzlers die Gesellschaft spalten, Hass schüren und rassistische Anfeindungen legitimieren. Sie vermitteln Millionen von Bürgern mit Migrationshintergrund das Gefühl, sie seien ein „Problem“.
- Verschiebung des Diskurses: Die spätere Einordnung als Sicherheitsthema („Fragen Sie Ihre Töchter“) wird von vielen als rhetorisches Manöver gesehen. Es verknüpft pauschal Migration mit Kriminalität und einer Bedrohung für Frauen, was statistisch so nicht haltbar sei und Ängste schüre, anstatt reale Sicherheitsprobleme (wie z.B. Gewalt im häuslichen Umfeld) zu adressieren.



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