In Liebe geborgen – Der Tod hat nicht das letzte Wort

Wir haben heute Abschied von Ernst genommen. In einer Trauerfeier, die weltlich gehalten war, haben wir uns an sein Leben erinnert, an den Menschen, der er für uns war. Und doch, in der Stille des Abschieds, durchbrachen Momente tiefster menschlicher und spiritueller Wahrheit die weltliche Form. Es waren diese Augenblicke, die mehr sagten als viele Worte.

Als eine Enkelin, von Tränen überwältigt, ein Gedicht für ihren Großvater vorlas, spürten sicher viele von uns diesen Stich im Herzen. Es war nicht nur Trauer, es war die sichtbar gewordene Liebe, die über Generationen hinweg verbindet und die selbst der Tod nicht auslöschen kann. Und als dann, auf Wunsch der Ehefrau und wohl auch im Sinne des Verstorbenen, das Vaterunser gesprochen wurde, sahen wir erneut Tränen. Tränen der Rührung, vielleicht auch des Trostes. In diesem Moment wurde der Raum gefüllt von einer Ahnung, dass unsere menschliche Gemeinschaft in einer größeren Geborgenheit gehalten wird.

Diese Momente sind wie Fenster, durch die ein Licht aus einer anderen Welt scheint. Sie zeigen uns, dass hinter dem sichtbaren Vorhang des Todes und des Schmerzes eine tiefere Wirklichkeit liegt. Als Theologe und Christ glaube ich fest daran: Die Liebe, die wir für Ernst empfinden und die in den Tränen so kraftvoll zum Ausdruck kam, ist nicht vergänglich. Sie ist ein Abglanz der ewigen Liebe Gottes, in der wir alle unseren Ursprung und unser endgültiges Ziel haben.

Der Tod, so endgültig er uns erscheint, ist in der Perspektive des Glaubens nicht das Ende, sondern ein Durchgang. Er ist eine Trennung auf Zeit, aber keine endgültige Scheidung. Ernst ist uns nur vorausgegangen. Die Liebe, die uns mit ihm verbindet, bleibt als ein unzerstörbares Band bestehen. Wir sind und bleiben in der Liebe Gottes, die alles umfängt, unauflöslich miteinander verbunden.

Das gemeinsam gebetete Vaterunser war ein starkes Zeugnis dafür. In einem Moment der eigenen Ohnmacht und Trauer haben wir uns an den gewandt, der alle Existenz und das Leben erschaffen hat und in seiner Hand hält. Es war ein Akt des Vertrauens, dass Ernst nun heimgekehrt ist. Sein langes Leben mit 87 Jahren war ein Geschenk, das nun vollendet und in Gottes Frieden zurückgelegt wurde.

So trauern wir um einen wertvollen Menschen, aber wir tun es nicht ohne Hoffnung. Unsere Trauer ist durchdrungen von der Gewissheit, dass Ernst nun schauen darf, was wir glauben. Er ist geborgen in der Liebe Gottes, die stärker ist als der Tod.

Möge er in dieser ewigen Liebe leben in Gott und möge dieser Glaube allen, die um ihn trauern, Zuversicht und Hoffnung schenken, auch für den Weg, den wir letztlich alle gehen werden.

Wir alle kommen aus Gott, wir leben auf der Erde unser von Gott geschenktes Leben und bekommen eine eigene Biographie, und dann dürfen wir heimkehren zu Gott. Nach unserer langen Lebensreise sind wir wieder zu Hause.


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