Der Imperialismus ist zurück

Der neue Imperialismus: Beutezüge unter dem Deckmantel des Friedens

In einer Welt, die sich zunehmend als globalisiert und zivilisiert begreift, offenbart sich ein altbekanntes Muster mit neuer Härte: der Imperialismus. Doch dieser zeigt sich nicht mehr in der Form von Kolonialherren in Tropenhelmen – sondern in Anzugträgern mit geopolitischen Landkarten und Rohstofftabellen in der Hand. Die Ukraine, insbesondere die Krim, ist zum Symbol dieses modernen Imperialismus geworden.

Imperialistische Strategien im 21. Jahrhundert

Was heute unter dem Begriff „Friedensverhandlungen“ diskutiert wird, ist oft nicht mehr als ein taktisch verschleierter Plünderungsversuch. Donald Trumps Friedensdeal, der scheinbar eine Lösung des Ukraine-Krieges herbeiführen soll, ist in Wahrheit eine Übereinkunft zur Ausbeutung ukrainischer Ressourcen. Unter Druck soll Kyjiw gezwungen werden, seine Bodenschätze, Atomkraftwerke und Agrargüter russischen Oligarchen und amerikanischen Investoren zu überlassen. Es ist ein Geschäft – ein Deal zweier imperialer Mächte, bei dem die Ukraine als Beute dient.

Die Krim – strategisches Filetstück

Schon in der Antike war die Krim ein umkämpfter Raum, heute ist sie geostrategisch bedeutender denn je. Wer sie kontrolliert, beherrscht das Schwarze Meer – und mit ihm den Zugang zum Mittelmeer. Nicht umsonst begann Putin seine Aggression genau hier. Doch auch die USA unter Trump versuchen, an diesem imperialen Kuchen mitzunaschen.

Eine Geschichte wiederholt sich

Die Ukraine ist nicht nur seit 2014 Spielball imperialer Machtinteressen. Ihre Nationalstaatsbildung war von Anfang an geprägt von Fremdherrschaft. Habsburger, Zaren, Osmanen – sie alle teilten das Land unter sich auf. Selbst in den Weltkriegen war die Ukraine stets Objekt fremder Interessen, nie Subjekt eigener Souveränität. Auch heute wird sie gezwungen, sich zwischen Machtblöcken zu positionieren – nicht aus freien Stücken, sondern unter Druck.

Der Westen: Lippenbekenntnisse statt Solidarität?

Während Europa heute so gerne von Antiimperialismus spricht, bleibt offen, ob es sich dabei um echte Unterstützung oder bloßes Geschwätz handelt. Der Kampf der Ukraine um ihre territoriale Integrität ist ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit westlicher Werte. Werden Deutschland, Frankreich und Großbritannien diesem Anspruch gerecht – oder wird auch diesmal wieder weggeblickt, wenn imperiale Interessen über die Souveränität eines Volkes hinwegfegen?

Ein neuer Kalter Krieg – mit heißem Kern

Der Blick auf die Ukraine offenbart: Die alte Logik des Imperialismus ist nie verschwunden – sie hat nur ihr Gesicht verändert. Es geht nicht mehr um Flaggen auf Landkarten, sondern um Zugriff auf Rohstoffe, Transportwege und Märkte. Doch die moralische Dimension bleibt dieselbe: Ein schwächeres Land wird ausgebeutet – von Mächten, die sich das Recht zur Herrschaft nehmen.


Quellenangabe: Herfried Münkler: Ukraine: Die Krim als Beute, in: ZEIT ONLINE, 29.04.2025.


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