
Bundeswehr in Alarmstimmung: Noch fünf Monate Zeit bis zur „vollen Einsatzfähigkeit“ – bis zum befürchteten russischen Angriff.
Im September stehen russische Panzer an der Grenze zu Polen und dem Baltikum – nicht im Angriff, sondern offiziell „nur zur Übung“ in Belarus. Doch wer noch daran glaubt, dass Russland in Zeiten seines aggressiven Expansionsdrangs „nur übt“, glaubt vermutlich auch an Einhörner und fliegende Schweine. Die NATO fürchtet, Russland könnte unter dem Deckmantel dieses Manövers tatsächlich angreifen. Und Deutschland? Deutschland ist beschäftigt – mit dem Messen des Durchschnittsalters seiner Soldaten (aktuell stolze 34 Jahre) und dem Zählen rechtsextremer Tattoos.
Die Bundeswehr, unsere tapfere Verteidigerin, steht vor dramatischen Personalproblemen. Das meldet jedenfalls Eva Högl, die Wehrbeauftragte, die jährlich dieselbe traurige Litanei rezitiert: fehlende Ausrüstung, überforderte Strukturen und mangelnde Wehrdaten. Denn Deutschland hat sich seit 2011 erfolgreich darin geübt, jegliche Übersicht darüber zu verlieren, wer überhaupt noch in der Lage oder gewillt wäre, eine Waffe zu halten.
Und nun? Jetzt, im Angesicht einer potenziellen Aggression vor der Haustür, fordert Högl mit rührender Dringlichkeit: „Mehr Tempo bei der Ausstattung! Schnellere Reformen!“ Nur, liebe Frau Högl, Ihr Appell gleicht der Aufforderung, einen Ozeandampfer spontan umzuparken – ganz nach dem Motto: „Beeilt euch langsam!“
Während unsere Nachbarn Frankreich und Polen längst umfassende Pläne zur nationalen Verteidigung haben, diskutieren deutsche Politiker noch immer über „verpflichtende Gesellschaftsjahre“ und träumen von der Reaktivierung einer Wehrpflicht, die realistischerweise ebenso wahrscheinlich ist wie der BER-Airport, der pünktlich fertig wurde.
275 Fälle von Extremismus bei der Bundeswehr im Jahr 2024. Ein tolles Signal an alle potenziellen Rekruten, die sich vermutlich fragen, ob sie lieber in den Schützengraben oder zum nächsten Nazi-Aufmarsch marschieren sollen. Högl tröstet uns jedoch: es sei ja „nur eine kleine Minderheit“.
In fünf Monaten also sollte die Bundeswehr bereitstehen, falls aus dem russischen „Manöver“ Ernst wird. Doch wer das glaubt, wird selig.
Hoffen wir also, dass im Falle eines Falles zumindest genug Betroffenheits-Posts auf Social Media erscheinen. Denn echte Wehrfähigkeit – die wird Deutschland wohl eher nicht liefern können.
Quelle ZEIT ONLINE



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