
In den unendlichen Tiefen der Ewigkeit, bevor es ein Vorher oder Nachher gab, existierte nur das Wort. Dieses Wort war weder laut noch leise, weder geschrieben noch gesprochen – es war reine Existenz. Es war die Quelle allen Seins, die unerschöpfliche Quelle von Licht und Leben.
Als das Wort beschloss, die Zeit zu erschaffen, sprach es: „Es werde.“ Und mit diesem einzigen, alles durchdringenden Ruf brach die Zeit hervor wie ein mächtiger Strom, der sich in alle Richtungen ausdehnte. Die ersten Sekunden des Universums waren wie eine Symphonie aus Licht und Bewegung. Sterne wurden entzündet, Galaxien geformt, und die Erde, klein und unscheinbar, begann, ihre Bahnen zu ziehen.
Das Wort hatte einen besonderen Plan für die Zeit. Es war nicht einfach ein unendliches Kontinuum – sie hatte einen Anfang und sollte eines Tages ein Ende finden. In der Mitte dieser Zeit setzte das Wort die Menschheit ein, seine Geschöpfe, die sein Ebenbild trugen. Die Menschen bekamen die Gabe, innerhalb der Zeit zu leben, aber ihr Herz sehnte sich nach der Ewigkeit.
Eines Tages fragte ein Engel den Schöpfer: „Warum hast du die Zeit erschaffen, wenn doch die Ewigkeit bereits vollkommen ist?“ Der Schöpfer lächelte und antwortete: „Die Zeit ist die Leinwand, auf der Liebe gemalt wird. Sie hat einen Anfang, damit die Menschen erkennen, dass alles von mir ausgeht. Und sie hat ein Ende, damit sie zu mir zurückkehren.“
Die Zeit verging, und die Menschheit erlebte Höhen und Tiefen – Momente des Lichts und der Dunkelheit. Doch die Propheten und Weisen erinnerten immer wieder daran, dass die Zeit nicht das Ziel sei, sondern der Weg. Das Wort selbst trat in die Zeit ein, um die Menschen daran zu erinnern. Es lebte, liebte und opferte sich, um den Kreis der Ewigkeit zu vollenden.
Am Ende der Zeit, als die letzten Sterne erloschen und das Universum in Stille verfiel, erklang erneut das Wort: „Es ist vollbracht.“ Die Zeit löste sich auf wie ein Traum, der beim Erwachen verschwindet. Die Seelen, die in der Zeit gelebt hatten, wurden in die Ewigkeit hineingerufen, wo kein Anfang und kein Ende mehr existierten.
Dort sahen sie den Schöpfer auf einem Thron aus Licht sitzen, und sie verstanden: Die Zeit war nicht ihr Gefängnis gewesen, sondern ihr Lehrer. Sie hatte ihnen Liebe, Verlust, Hoffnung und Glauben gelehrt. Und so traten sie ein in die unendliche Gegenwart, wo das Wort immer war, immer ist und immer sein wird.



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