Trump wird plötzlich zum Empörten – wie unerwartet!

Von unserem Kolumnisten

Donald Trump ist wieder einmal empört. Diesmal über Kamala Harris und ihre Herkunft, ihre Hautfarbe und ihre Identifikation. Wie originell. Man könnte fast meinen, er habe einen neuen Trick aus dem alten Hut gezogen, aber nein, es ist die gleiche alte Show.

Trump behauptet, er habe nicht gewusst, dass Kamala Harris schwarz ist, bis sie „plötzlich“ schwarz wurde. Welch bahnbrechende Entdeckung! Dass Harris immer schon eine schwarze Frau war, scheint in Trumps Weltanschauung irrelevant. Seine Worte implizieren, dass sie sich plötzlich als schwarze Frau ausgibt, um bei schwarzen Wählern zu punkten. Klingt bekannt? Vielleicht, weil Trump selbst in der Vergangenheit jede Gelegenheit genutzt hat, um sich als den wahren Retter der „vergessenen“ weißen Arbeiterklasse darzustellen, selbst wenn seine milliardenschwere Herkunft und sein goldener Thron in Mar-a-Lago etwas anderes erzählen.

Man fragt sich, auf welcher Grundlage Trump selbst plötzlich ein Interesse daran entwickelt hat, als wahrer Vertreter des „einfachen Volkes“ wahrgenommen zu werden. Seine konstante Empörung über die „liberalen Eliten“ und seine Affinität für Verschwörungstheorien – von Wahlbetrug bis hin zu geheimen satanischen Kulten – scheint ja nichts anderes als ein verzweifelter Versuch zu sein, sich als „einer von uns“ zu verkaufen. Also, Donald, bist du der Milliardär oder der Mann des Volkes? Diese Frage ist genauso rhetorisch wie die, ob Harris nun indisch oder schwarz sei. Aber klar, Trump respektiert beides, aber irgendwie doch nicht. Ironie?

Kamala Harris antwortet auf diese Attacken mit der Gelassenheit, die Trump so offensichtlich fehlt. Sie spricht von einer alten Show aus Spaltung und Respektlosigkeit. Und in der Tat, das amerikanische Volk verdient einen Anführer, der die Wahrheit sagt, der nicht sofort mit Feindseligkeit und Wut reagiert, wenn er mit Fakten konfrontiert wird. Man könnte meinen, das sei eine direkte Beschreibung Trumps. Jedes Mal, wenn jemand ihn zur Rede stellt, scheint sein natürlicher Reflex die Verunglimpfung und Herabsetzung zu sein. Vielleicht ein Überbleibsel seiner Reality-TV-Tage?

Interessant ist auch Trumps Vorwurf, Harris sei ein Chamäleon, das seine Farben nach Bedarf wechselt. Ein Vorwurf von jemandem, der sich selbst je nach Publikum als frommer Christ, knallharter Geschäftsmann oder echter Kumpel inszeniert. Ein bisschen wie die wechselnden Haarfarben seiner Ehefrauen – heute blond, morgen brünett, je nachdem, was gerade passt.

Das Weiße Haus hat es auf den Punkt gebracht: Niemand hat das Recht, jemandem vorzuschreiben, wie er sich identifiziert. Doch Trump, der selbsternannte Beschützer der amerikanischen Identität, scheint da anderer Meinung zu sein. Während er anderen die Authentizität abspricht, bleibt seine eigene Identifikation als „wahrer Amerikaner“ unantastbar. Natürlich, wer sonst könnte besser über die „wahre“ amerikanische Identität wachen als ein Mann, der wie kein anderer von den Privilegien des Systems profitiert hat?

Am Ende bleibt nur die Frage, ob Trumps Masche, die seit Jahren aus demselben Werkzeugkasten der Spaltung und Ressentiments bedient wird, immer noch verfängt. Das amerikanische Volk verdient wirklich einen Anführer, der über Spaltung und billige Tricks hinausgeht. Und vielleicht, nur vielleicht, einen, der weniger an seiner Hautfarbe und mehr an seinen Handlungen gemessen wird. So wie Kamala Harris.

Quelle ZEIT ONLINE


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