Waldsterben 2.0: Wie die deutsche Tradition, Bäume zu verlieren, sich weiterentwickelt

Es scheint, als hätten die deutschen Wälder ein unglückliches Abonnement auf die ständige Konfrontation mit existenziellen Bedrohungen abonniert. In den 1980er Jahren war das Schlagwort „Waldsterben“ in aller Munde. Ein Begriff, so dramatisch deutsch, dass ihn selbst die Franzosen ohne Übersetzung übernahmen. Es war eine Zeit, in der saurer Regen als der große Baummörder galt, eine ökologische Bedrohung, die in kühnen Umweltkampagnen bekämpft wurde.

Heute, einige Jahrzehnte später, stehen die Wälder erneut auf der Liste der bedrohten Spezies. Diesmal jedoch ist der Schurke ein anderer: der Klimawandel. Es ist, als hätte man den alten Bösewicht in einem Drehbuch ausgetauscht, um die Serie frisch zu halten. Die Symptome sind ähnlich, die Diagnose ist neu.

Das Waldsterben erlebt also eine Renaissance, fast wie ein Klassiker, der für das moderne Publikum neu aufgelegt wird. Die Bäume fallen weiterhin, nur die Ursache hat ein modernes Gewand bekommen. In dieser neuesten Episode des Umweltdramas scheint der deutsche Wald seinem Schicksal treu zu bleiben – immer am Rande des Untergangs, doch stets gerade noch genug am Leben, um als lehrreiches Mahnmal für menschliche Fehltritte zu dienen.

Dieser Wechsel der Bedrohungsursachen wirft ein bezeichnendes Licht auf unsere Gesellschaft, die offenbar gerne Katastrophen austauscht, statt sie zu beenden. In einem Zeitalter, in dem alles von Software-Updates bis hin zur Mode zyklisch erneuert wird, warum nicht auch Umweltkrisen? Ein wenig nachdenklich stimmt es dabei schon, dass wir es kaum erwarten können, neue Wege zu finden, unseren Wäldern das Leben schwer zu machen.

Während wir also darauf warten, dass die nächste Generation an Forschern einen neuen Begriff für das Waldsterben erfindet, bleibt die Frage: Werden sie noch genug Wald übrig haben, um ihre Studien durchzuführen? Oder sollten wir allmählich auf Kakteen umsteigen?


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Kommentare

2 Kommentare zu „Waldsterben 2.0: Wie die deutsche Tradition, Bäume zu verlieren, sich weiterentwickelt“

  1. Avatar von Rainer Kirmse , Altenburg
    Rainer Kirmse , Altenburg

    Der Mensch macht sich die Erde Untertan,
    getrieben vom ewigen Wachstumswahn.
    Autos werden größer, Straßen breiter,
    die Wälder dagegen schrumpfen weiter.
    Es ist höchste Zeit für uns, zu handeln,
    endlich uns’ren Lebensstil zu wandeln.
    Ökologischen Fußabdruck verschlanken,
    der blaue Planet wird uns danken.

    WALDZUSTANDSBERICHT

    Vielen Tieren Lebensraum,
    für den Sauerstoff ein Quell,
    für gesundes Klima essenziell;
    das ist unser Freund, der Baum.

    Ohne Bäume in Wald und Flur
    wär‘ die Erde ein öder Planet nur.
    Wir sehnen uns nach diesem Grün,
    der Zeit, wenn wieder Bäume blüh’n.
    Profitgier lässt die Wälder schwinden,
    fördert weltweit Umweltsünden.

    Unwetter, Hitze, Wassernot;
    die grüne Lunge ist bedroht.
    Feuer wüten in Wald und Flur,
    Klimawandel zieht seine Spur.

    Borkenkäfer in der Kiefer,
    auch zur Fichte zieht Geziefer.
    Statt sattes Grün und Waldeslust,
    kranke Bäume und Förster’s Frust.

    Jeder Baum, der zum Opfer fällt,
    macht etwas ärmer uns’re Welt.
    Wenn’s mit dem Wald zu Ende geht,
    stirbt letztlich der ganze Planet.
    Den Niedergang abzuwenden,
    liegt in unser aller Händen.

    Raubbau und Profitstreben beenden,
    das Anthropozän zum Guten wenden.
    Was nützt uns Wohlstand und alles Geld,
    wenn am Ende kollabiert die Welt?

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Einige Verse war’n schonmal da,
    das Klima bleibt auf der Agenda.😉

    Herzliche Grüße aus Thüringen

    1. Danke für das gute Gedicht! Es ist jetzt online auf god.fish.

      Herzliche Grüsse aus München

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