
Es ist eine seltsame Welt, in der wir leben. Eine Welt, in der ein Big Mac mehr diplomatische Macht zu haben scheint als so mancher UN-Sicherheitsrat. Eine Welt, in der McDonald’s, das amerikanische Symbol für Fast Food und Globalisierung, sich aus Russland zurückzieht, aber in München, der bayerischen Landeshauptstadt, immer noch mit einem russischen Schriftzug wirbt.
Am Stachus, einem zentralen Ort in München, steht es, das McDonald’s-Restaurant, das sich scheinbar nicht ganz sicher ist, auf welcher Seite des Eisernen Vorhangs es sich befindet. Es ist, als ob das goldene M inmitten der bayerischen Metropole plötzlich zu einem kyrillischen Leuchtturm mutiert wäre.
Man könnte meinen, dass McDonald’s, das Unternehmen, das sich stets als Botschafter der westlichen Werte präsentiert hat, ein wenig die Orientierung verloren hat. Oder vielleicht ist es ein opportunistischer Schachzug, ein Versuch, die russischen Kunden, die es in Russland verloren hat, in München zurückzugewinnen?
Aber Vorsicht, McDonald’s! Die Annexion der Krim und vieler weiterer ukrainischer Gebiete durch Russland sind noch in unseren Köpfen und der russische Angriffskrieg wütet in der Ukraine und legt ganze Städte in Schutt und Asche, verschleppt tausende ukrainischer Kinder nach Russland, macht 13 Millionen ukrainische Menschen zu Flüchtlingen. Wer weiß, vielleicht plant Putin bereits, das Münchner Restaurant als Teil des russischen Territoriums zu beanspruchen. Vielleicht wird der Stachus bald zum „Stachuskaja Ploshchad“, und der Big Mac wird durch den Big Россия ersetzt.
Es ist natürlich absurd, aber in einer Welt, in der ein Fast-Food-Riese sich unterschwellig in die internationale Politik einmischt, scheint nichts mehr unmöglich zu sein. Vielleicht sollte McDonald’s sich weniger um die Sprache seiner Werbung und mehr um die Qualität seiner Burger kümmern. Denn am Ende des Tages ist es das, was die Kunden wirklich wollen: Ein guter Burger, egal in welcher Sprache.
Also, McDonald’s, lass uns das politische Statement beiseitelegen und uns auf das konzentrieren, was du am besten kannst: Uns mit deinem Fast Food glücklich machen. Und vielleicht, nur vielleicht, könntest du den russischen Schriftzug am Stachus durch ein schönes bayerisches „Servus“ ersetzen. Denn im durchaus weltoffenen München spricht man – bislang zumindest – noch nicht russisch als Amtssprache, sondern Deutsch. Und das sollte, zumindest solange Deutschland noch nicht annektiert wurde, nach Möglichkeit auch noch ein paar Jahre so bleiben.
Nichts gegen die russische Sprache, viele Menschen sprechen sie und nicht jeder, der sie spricht, macht sich mit Putin gemeint. Aber sie ist eben aktuell nicht nur eine Sprache, sondern an exponierter Stelle wie am Stachus durchaus auch ein politisches Symbol, und zwar ein Symbol, das nicht für Demokratie steht, sondern für ihr Gegenteil, für Diktatur, Unterdrückung, Unterwerfung, Zerstörung.
Russischsprachige Menschen können ihre Sprache nicht einfach ablegen, denn wir sollten sie dies tun ? Aber McDonald’s kann diesen Schriftzug ablegen, ganz einfach. Schrift war schon seit jeher ein Statement.



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