Ein aufgepumpter Reifen: Herr Samsas Weg zur sozialen Verantwortung

Herr Samsa, ein Bewohner der pulsierenden Stadt München, hatte sich aus Praktikabilität und Liebe zur Umwelt dazu entschieden, die täglichen Pendelwege mit den MVG-Leihrädern zu bestreiten. Einen Monat zuvor hatte er ein ziemlich ruppiges Erlebnis mit einem Leihrad, welches in einem verbesserungswürdigem Zustand war. Aber heute, gegen alle Erwartungen, hatte er ein Fahrrad in nahezu perfektem Zustand gefunden. Nur der Vorderreifen war etwas schlaff, als bräuchte er einen Hauch mehr Luft.

Auf seinem Weg zur Arbeit kam er an einer MVG Fahrradstation vorbei, die eine automatisierte Luftpumpe für genau solche Fälle bereitstellte. Trotzdem fuhr er vorbei, ohne anzuhalten und den Reifen aufzupumpen. Vielleicht war es die morgendliche Eile, vielleicht die Bequemlichkeit, oder vielleicht hatte er einfach das geringe Defizit an Luft ignoriert, da das Rad sonst in ausgezeichnetem Zustand war.

Am Abend, nachdem er das Fahrrad abgestellt hatte, saß Herr Samsa in seiner Wohnung und begann über seinen Tag nachzudenken. Sein Gedankenstrom führte ihn unweigerlich zu dem Fahrrad, das er den ganzen Tag benutzt hatte.

Er dachte an den etwas schlaffen Vorderreifen und seine Entscheidung, ihn nicht aufzupumpen. Obwohl es ihm zu diesem Zeitpunkt keine Probleme bereitet hatte, war er jetzt etwas unzufrieden mit seiner Entscheidung. Schließlich wusste er, dass der nächste Nutzer dasselbe Problem haben würde. Und das, obwohl er die Chance hatte, es leicht zu beheben.

Es war eine kleine Sache, aber sie stellte ihn vor eine Art moralisches Dilemma. War er zu selbstzentriert gewesen? Hatte er zu sehr an seine eigenen Bequemlichkeit gedacht und die potentiellen Probleme des nächsten Nutzers ignoriert?

Herr Samsa schlief die Nacht nicht gut. Er war unruhig, gequält von seinem eigenen moralischen Urteil. Am nächsten Tag, als er ein neues MVG-Leihrad auswählte, traf er eine Entscheidung. Es war ein kleines Versprechen an sich selbst, aber es gab ihm eine Art Frieden.

Er würde von nun an mehr auf die kleinen Dinge achten, nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen. Wenn ein Reifen aufgepumpt werden musste, würde er ihn aufpumpen. Wenn ein Sattel eingestellt werden musste, würde er ihn einstellen. Nicht nur für sich, sondern für den Nächsten, der nach ihm kommt.

Es war ein kleiner Schritt, aber für Herrn Samsa war es ein großer Schritt in Richtung eines verantwortungsbewussteren Lebens.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Ein aufgepumpter Reifen: Herr Samsas Weg zur sozialen Verantwortung“

  1. Silche klein wirkenden Begebenheiten können durchaus das Gewissen beschäftigen 😉

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