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Brasilia: January 8. insurrection

Gestern stürmte in Brasiliens Hauptstadt Brasilia ein wütender Mob, der wohl hauptsächlich aus den Anhängern des abgewählten Präsidentin Bolzonaro bestand, die drei Hauptgebäude der Demokratie.

Viele trugen Trikots der brasilianischen Nationalmannschaft. Bilder der ehemaligen Präsidenten gerieten unter die Füße, die eindringenden Randalierer zerstörten zudem Möbel und Kunstwerke, während die Ausschreitungen von ihnen unter anderem auf Instagram und Facebook live gestreamt wurden.

Weil sich am Sonntag in den Regierungsgebäuden nur wenige Menschen befanden, wurde offensichtlich niemand schwer verletzt. Etwa dreihundert Eindringlinge wurden von der Polizei festgenommen.

Anders als beim Sturm auf das US-Capitol waren die Sicherheitskräfte in Brasilia eigentlich im Vorfeld gewarnt und wussten, dass bei den angereisten Demonstranten ein gewisses Gewaltpotential besteht. Dennoch war die Polizei recht unvorbereitet und reagierte wenig professionell. Der ehemalige Justizminister, der auch für die öffentliche Sicherheit in der Region zuständig ist, Anderson Torres, hätte zwar die besten Voraussetzungen mitgebracht, um Ruhe und Ordnung weitestgehend zu garantieren, befand sich aber während der Vorkommnisse in den USA im Urlaub. Weil er ein enger Vertrauter Bolsonaros ist, besteht nun der Verdacht, dass er durch seine Abwesenheit und mögliche Unterlassungen bei den Sicherheitsvorkehrungen vielleicht bewusst dazu beigetragen haben könnte, die Regierung unter Lula zu destabilisieren.

Ursache für den Aufruhr dürfte die politische Polarisierung Brasiliens sein. Am Neujahrstag war der neue Präsident, Lula, angetreten, der abgewählte Bolzonaro hatte jedoch das Amt des Präsidenten nicht, wie es bisher Usus war, direkt an seinen Nachfolger übergeben, sondern war während der Amtsübergabe in den USA unterwegs. Bolzonaro war mit 49,1% der Stimmen abgewählt worden. Ähnlich wie das Narrativ, das Donald Trump in den USA immer wieder genähert hatte, glauben viele dieser Anhänger, die Wahl sei ihnen gestohlen worden, sei also angeblich nicht rechtmäßig abgelaufen.

Wie eine schnelle Umfrage durch den Datenanalysten Quaest ergab, lehnen immerhin etwa 90% der Bürger*innen des Landes die gewaltsamen Aktionen komplett ab. Insofern gibt es vielleicht Hoffnung, dass der amtierende Präsident Lula, der angetreten ist, um die politische Spaltung im Land zu heilen, in dieser Hinsicht einiges wird bewirken können. Nötig ist es.

Quelle und weitere Informationen auf ZEIT ONLINE.

Symbolbild

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