Waffenlieferungen versus Bergpredigt. Theologie und Psychologie.

Soll Deutschland schwere Waffen an die Ukraine für die Landesverteidigung liefern oder nicht? Theologen sind sich uneins. Die einen berufen sich auf den Pazifismus der Bergpredigt, die anderen sagen, die Bergpredigt beziehe sich auf den Einzelnen und auf die Gewissensbildung, nicht aber auf das Staatswesen.

Was ist denn nun richtig?


Die Sache ist die, dass mit der Bergpredigt kein Staat zu machen ist.


Deswegen gibt es unterschiedliche theologische Konzepte, wie man mit der Bergpredigt umgehen muss.

Radikaler Pazifismus ist eine geniale Sache in der Theorie, aber wenn ein anderer Staat mit Waffen und Gewalt angreift, funktioniert dieser Pazifismus nicht sonderlich gut: ein Staat, der sich nicht wehrt, wird überrannt, seine Bürger*innen ermordet oder vergewaltigt oder massakriert oder gefangen genommen, seine Städte ausgelöscht.

Die Diskussion hat neben der theologischen Komponente auch eine psychologische, die vielleicht sogar die wesentliche und handlungsleitende Komponente ist:

Die einen Theolog*innen haben Angst, dass der Krieg nach Deutschland oder in den Westen kommen könnte, die anderen genauso. Die einen meinen, das könne man verhindern, wenn der deutsche Staat Russland nicht provoziere und keine Waffen liefert, wenn der Staat sich also „brav“ verhalte, die anderen meinen das genaue Gegenteil, dass man, wenn man Russland jetzt nicht stoppt, morgen oder übermorgen den Krieg hier irgendwo im Westen hat.

Diese beiden unterschiedlichen psychologischen Sichtweisen sind wohl der zentrale Hintergrund für die unterschiedlichen theologischen Bewertungen.

Welche Sichtweise die richtige ist im Hinblick auf den russischen Angriffskrieg, wird die Zukunft zeigen.

Auch, wenn man nicht immer Analogien zur Hitler-Diktatur ziehen sollte, haben wir doch die deutsche Geschichte und sollen andererseits auch Analogien zur Hitler-Diktatur ziehen. Diese zumindest hatte sich durch Appeasement-Politik nicht eindämmen oder ausbremsen lassen. Ob Appeasement bei Putins Diktatur funktionieren würde, fraglich.

Es steht im Grunde bei diesen theologischen Diskussionen immer auch die Frage im Hintergrund, welche politische These man für die richtige hält, und diese wird dann theologisch untermauert.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Waffenlieferungen versus Bergpredigt. Theologie und Psychologie.“

  1. „Radikaler Pazifismus ist eine geniale Sache in der Theorie, aber wenn ein anderer Staat mit Waffen und Gewalt angreift, funktioniert dieser Pazifismus nicht sonderlich gut: ein Staat, der sich nicht wehrt, wird überrannt, seine Bürger*innen ermordet oder vergewaltigt oder massakriert oder gefangen genommen, seine Städte ausgelöscht.“ So sehe ich das auch!

    1. Ja.

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