Coronavirus. Die Stigmatisierung

In München müssen an einigen oder vielleicht mittlerweile auch allen Schulen diejenigen Schülerinnen und Schüler, die in den Faschingsferien in Südtirol waren, die aktuelle Woche noch zu Hause bleiben.

Grund ist, dass Südtirol Ende letzter Woche vom Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet in Bezug auf das Coronavirus erklärt worden war.

Eine gewisse Unlogik und ein plötzlich aufgetretene Aktionismus bei der ganzen Sache lässt sich natürlich schon erkennen.

Da sind also Schüler eine Woche lang in die Schule gegangen, die zuvor in Südtirol waren. In dieser Zeit könnten sie, sofern sie selbst infiziert sein sollten mit dem Virus, unzählige andere Menschen in der Schule und auf dem Schulweg in S-Bahn und U-Bahn und Bus angesteckt haben. Und nun sollen sie also zu Hause bleiben.

Das Ganze wirkt gut gemeint, ist aber nicht so richtig konsequent. Hätte man vorher darüber nachgedacht, hätte man entweder Fahrten nach Südtirol von vornherein verhindern sollen, oder zumindest die Heimkehrer gleich zu Beginn der letzten Woche auch nach Hause schicken oder sie nach den Ferien gar nicht erst in die Schule lassen kommen sollen.

Die Anweisungen sind auch keine Muss -Bestimmungen, sondern Soll-Bestimmungen. Die Schüler sollen zu Hause bleiben und möglichst wenig enge Kontakte haben. Das macht natürlich Sinn, aber über das Sollen hinaus könnte ein sogenanntes Muss nur durch eine Auflage des Gesundheitsamtes oder einer andere Behörde erfolgen. Die ganze Sache ist also momentan ein bisschen Goodwill.

Dennoch scheint in Deutschland nach und nach eine gewisse Hysterie um sich zu greifen, zumindest bei den einen Leuten. Die anderen sind Menschen, denen das Ganze aufgrund der oben erwähnten Verfehlungen ohnehin etwas absurd und wie ein Kampf gegen Windmühlen vorkommt.

Drum sollte man sehr aufpassen, dass gesellschaftlich diejenigen Menschen, die rein potentiell und eventuell mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen sein könnten, weil sie vor zwei Wochen in Südtirol waren, wo es zu diesem Zeitpunkt nur einen einzigen bestätigten Fall mit dem Coronavirus gab, nicht stigmatisiert werden. Es handelt sich bei ihnen um keine gehirnfressenden Zombies, die jeden anderen Menschen sofort anfallen. Sondern es handelt sich nach wie vor um Menschen. Und wenn man die Hygienevorschriften ernst nimmt, indem man sich öfters mal die Hände desinfiziert und einen gewissen Abstand zu anderen Menschen hält, am besten ein oder zwei Meter, sollte schon viel erreicht sein. zudem macht es wahrscheinlich Sinn, Besuche bei älteren Menschen um ein paar Wochen zu verschieben, weil diese Menschen offenbar zu einer besonderen risikogruppe gehören, zumal dann, wenn sie noch unter Vorerkrankungen leiden. Und besonders diese Gruppe von Menschen sollte natürlich Desinfektionsmittel immer in der Tasche dabei haben und sich die Hände öfters desinfizieren sowie große Menschenansammlungen in besonderer Weise meiden.

Darüber hinaus sollte man davon ausgehen, dass die Fallzahlen ähnlich wie in Italien in den nächsten Wochen immens in die Höhe schnellen werden, ganz egal, was man nun tut. Man kämpft gegen Windmühlen.

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