Seit heute morgen ist es amtlich: der älteste Reiseveranstalter der Welt, Thomas Cook, ist insolvent. Gegründet in Großbritannien 1942 war der Konzern durch die Billigangebote auf dem Reisemarkt in den letzten Jahren stark unter Druck.
2012 wurden in Großbritannien viele Banken vor der Pleite gerettet, seitdem ist das Unternehmen Thomas Cook in Milliardenhöhe verschuldet.
Die Bildzeitung schlägt einen Bogen zum Brexit. Durch die starken Wechselkursschwankungen des britischen Pfunds hätten 43 % der Thomas Cook Kunden in einer Umfrage angegeben, in der EU keinen Urlaub mehr machen zu wollen, weil dieser aufgrund der Kursschwankungen für sie teurer geworden ist. Thomas Cook jedoch konzentrierte sich bei vielen Reisen weiterhin auf Länder in der EU.
Aktuell sind ca. 600.000 Touristen von der Insolvenz betroffen, 22.000 Arbeitsplätze, davon 9000 in Großbritannien und 4500 in Deutschland.
Der Brexit kam ja übrigens überhaupt erst zustande, weil der ehemalige Ministerpräsident David Cameron glaubte, das Volk könne einfach mal so über derart Weitreichendes wie einen Brexit abstimmen und sei ausreichend gut darüber informiert. Zudem glaubte Cameron, dass das Brexitreferendum ein Heimspiel sei und ohnehin ein „remain“ in der EU herauskommen würde. Er hatte seinen Plan ohne die Falschmeldungen einiger Politiker und die massive Befeuerung durch die Presse und die sozialen Netzwerke gemacht. Auch Cambridge-Analytica, durch deren Daten die Facebook-Trends massiv beeinflusst werden konnten, kam auf dem Plan. Und, so wird ja vermutet, wohl auch russische Trolle und Bots, die das ihre taten, um die Zwietracht in der britschen Gesellschaft zu befeuern.
Sollte es also das Ziel gewesen sein, Großbritannien zu spalten und zu destabilisieren und zudem das Fernziel, die gesamte EU zu destabilisieren, so muss man nun, nach mehreren Jahren des Brexit-Gerangels, zerknirscht zugeben: dieser Etappensieg ist denjenigen, die das vorhatten, leider gelungen. Und dieser Etappensieg könnte, so wie es aussieht, leider noch lange nicht das Ende vom dem sein, das da noch alles kommen könnte.
Vielleicht sollte Großbritannien jetzt endlich die Notbremse ziehen und zum Beispiel Neuwahlen ansetzen, damit klar wird, was die Bürger des Landes denn tatsächlich wollen. Allerdings muss man auch hier davon ausgehen, dass eine massive Desinformationswelle das Land vor den Neuwahlen sofort wieder überrollen dürfte. Aber vielleicht haben die Briten aus den Wirren der letzen Jahren gelernt und lassen sich nicht mehr so leicht ein A für ein O vormachen. Vielleicht.



Kommentar verfassen