Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki von der FDP will offenbar mal in die Medien kommen, was ihm auch gelungen ist, und um dies zu erreichen, stellte er eine ziemlich abstruse Forderung auf. Er meinte nämlich, man solle den US-Diplomaten Richard Grenell ausweisen und somit zur Persona non grata erklären. Denn zum einen sei eher nicht so diplomatisch, wie es sich für einen Diplomaten gehöre, zum anderen habe er wiederholt der Bundesregierung in ihre Haushaltspläne hineinreden wollen, besonders die Verteidigungsausgaben seien ihm zu gering (womit Richard Grenell übrigens Recht hat).
Nun ja, Deutschland hatte ja immer schon die Tendenz zur Hybris und unter FDP-lern ist diese vielleicht noch ein wenig stärker verbreitet. Und wo Deutschland ja nun auch schon damit liebäugelt, die Gorch Fock in einen Flugzeugträger zu transformieren, ist ein derartiges Begehren ja eigentlich nur folgerichtig.
Glücklicherweise gibt es aber auch noch die Vernunft, die sich nicht ganz aus dem Bundestag zurückgezogen hat und dort teilweise noch wohnt.
Der FDP Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff widersprach Kubicki und stellte klar, dass dessen Haltung nicht diejenige der FDP sei.
Omid Nouripour, der außenpolitische Sprecher der Grünen, machte öffentlich ebenfalls klar, dass die Forderung von Herrn Kubicki absurd ist. Der US-Botschafter sei aufgrund seines Amtes die Schnittstelle für die politische Kommunikation zwischen Deutschland und den USA. Gerade zu Zeiten, in denen Donald Trump der Präsident in den USA ist, sei eine solche Schnittstelle so wichtig wie nie zuvor.
Warum Wolfgang Kubicki mit einem derartigen verbalen Ausfall gegen den US-Botschafter polemisierte, ist unklar. Möglicherweise liegt ihm noch das Derblecken vom Nockherberg im Magen, wo ja über alle möglichen Politiker Witze gerissen werden, so auch über ihn ein bisschen. Allerdings nur ein bisschen. Und nur ein bisschen ist kein gutes Zeichen, bedeutet es doch, dass man in der Politik nicht allzu stark wahrgenommen wird. Dieser Tendenz konnte Herr Kubicki mit seinem verbalen Ausfall nun allerdings deutlich gegensteuern. Möglicherweise wollte er sich auch nur ein Image als cholerischer Hardliner im öffentlichen Raum aufbauen und ein wenig den Gauland der FDP geben. Ist ihm tatsächlich gelungen. Oder ist es vielleicht Altersdemenz?
Ach ja, und sollte Herr Kubicki sich doch tatsächlich durchsetzen, was glücklicherweise nicht sehr wahrscheinlich ist, und den Botschafter ausweisen, und sollte dann Donald Trump beispielsweise seine NATO-Unterstützung für Deutschland auf Eis legen, und sollte dann weiter der russische Präsident auf die nicht ganz aus der Luft gegriffene Idee kommen, auch Deutschland ans russische Reich zu annektieren, dann hätte Deutschland ja noch seinen Panzer, mit dem es sich verteidigen könnte. Und die Gorch Fock. Also kein Grund zur Sorge.



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