Bei einem Faschingsumzug im baden-württembergischen Eppingen wurde eine 18-jährige an den Beinen schwer verbrüht. Zwei als Hexen verkleidete Teilnehmer hatten sie auf einem Umzugswagen über den dort installierten Hexenkessel, der der über einem Feuer stand und heißes Wasser enthielt, gehalten. Dabei sind die Beine der 18-Jährigen bis zu den Kniekehlen ins heiße Wasser gekommen, sodass sie schwer verletzt wurde.
Seit 2003 nimmt der Verein „Hexenzunft Eppingen eV“, dem der Wagen gehörte, an Faschingsumzügen teil. Gegen die Unbekannten wird derzeit wegen Körperverletzung und womöglich auch wegen unterlassener Hilfeleistung polizeilich ermittelt.
Seid Otfried Preußlers „Die kleine Hexe,“ oder auch schon davor sind Hexen ja alltagstauglich geworden. Auch Bibi und Tina haben die Herzen vieler Kinder erobert.
Bei den Gebrüdern Grimm in dem Märchen „Hänsel und Gretel“ trägt eine Hexe jedoch noch dämonische Züge, welche allein im Walde haust und Menschen frisst, im Fall von Hänsel und Gretel kleine Kinder. Auch der Film „Blairwitch Project“ greift diese dämonische Sichtweise auf.
Man könnte also sagen, Hexe is what you make of it.
In Eppingen wurden Hexen auf jeden Fall wieder in Richtung der dämonischen Betrachtungsweise hin entwickelt durch diesen Vorfall. Wenn gleichwohl noch unklar ist, weshalb das Ganze passierte. Möglicherweise ein dummer, ziemlich unbedachter Scherz, jedoch mit schwerwiegenden, gesundheitlichen Folgen. Ab einem gewissen Prozentsatz verbrannter Haut kann es ja durchaus lebensgefährlich werden. Und wenn beide Beine bis zu den Kniekehlen verbrannt sind, ist sicherlich schon einige Gefahr im Anzug.
Im alten wie im Neuen Testament der Bibel ist Hexerei etwas, vor dem man sich hüten soll und was stark abgelehnt wird. Spirituelle Kraft und Energie soll man dort nur von Gott erwarten.
Sicherlich hängt diese Sichtweise auch mit dem ersten Gebot zusammen, wonach man keine Götter neben Gott haben soll. Gott soll die Instanz sein, an die man sich vertrauensvoll wenden kann, nicht die vermeintliche oder vielleicht auch reale Magie einer Hexe. Nach katholischer und lutherische Lesart beinhaltet das erste Gebot zudem noch das Bilderverbot, demzufolge man sich kein Bild von Gott machen soll in der Art, dass man Gott nun auf dieses eine Bild festlegt. Diese Sicht spielt sicher auch mit in die Ablehnung von Hexerei hinein, weil man sich durch die Visualisierung in Form einer Hexe eine Macht verbildlicht, die aber allein Gott zustehen sollte. Man macht sich, zumindest dann, wenn man eine Hexe ernst nimmt, gewissermaßen ein goldenes Kalb, an das man glaubt, nur dass das Kalb daneben eine Hexe ist.
Was aber tun, wenn viele Kinder Hexen ganz nett finden? Ich denke, hier muss man wohl auch das Bilderverbot beachten.
Solange man nicht glaubt, eine Hexe stünde für Gott, für seine Macht, gebündelt aber in einer Hexe eben, ist es wohl nicht problematisch. Kinder beten eine Hexe ja nicht an, sondern sie spielen mit dem Gedanken, wie es wäre, fliegen zu können und zaubern zu können. Warum nicht. Das ist sicherlich unkritisch. Die Hexe ist hier quasi Sinnbild für fantasievolle Spielereien und Gedanken. Und in aller Regel sind die Hexen, die Kinder in ihren spielen vorfinden, ja nette und ethisch durchaus ambitionierte Persönlichkeiten.
Wenn man aber aus einer Hexe tatsächlich einen Gott macht, was man dann Götze nennen würde, von der man das erwarten würde, was man sonst von Gott erwartet, wäre davon aus christlicher Sicht abzuraten: wenn man sich also gewissermaßen von ihr und ihrer Magie und Lebensberatung abhängig machen würde. Denn nicht einer Hexe soll man vertrauen, sondern Gott.




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