In einem der vorigen Artikel ging es darum, dass eine Lawine ein Dorf fast überrollt hätte, aber kurz vor einer Straße gestoppt hat. Einige Leute aus dem Dorf sehen es als Gnade Gottes an, der gewissermaßen die Lawine gestoppt habe. Daran wird in diesem Artikel sogleich Kritik geübt, mit der einerseits einleuchtenden Frage, warum Gott dann dieses Dorf verschont habe, andere Dörfer aber nicht und warum es überhaupt das ganze Leid auf der Welt gebe.
Nach der Lektüre dieses Artikels könnte es aber schnell so wirken, als wäre Gebet nutzlos. Das wäre aber wohl ein Trugschluss. Und entspräche wohl auch nicht der Darstellung, die an vielen Stellen in der Bibel immer wieder aufzufinden ist. Unser tägliches Brot gib uns heute, heißt es im Vaterunser. Dies ist eine Bitte, die natürlich nur Sinn macht, wenn man davon ausgeht, dass Gott durchaus segnend und behütend in dieser Welt zugegen ist. Als Jesus, der gewissermaßen selber ein Teil Gottes ist, in seiner menschlichen Erscheinungsform am Kreuz im Sterben begriffen ist, betet er zu Gott, dem Vater, und fragt, warum Gott ihn verlassen habe. Gott hat ihn aber nicht verlassen, obwohl es selbst Jesus in dieser Situation so vorkommt. Jesus macht in diesem Moment offenbar eine zutiefst menschliche Erfahrung, dass man nämlich das, was man nicht sieht, für irreal hält. Gott, wo bist du? Gott ist da, denn er lässt Jesus nicht im Tod, sondern es ereignet sich das, was man in christlicher Sprache als Auferstehung bezeichnet. An anderer Stelle im Neuen Testament rät Jesus, man soll nicht zur „Show“ vor anderen beten, sondern sich in sein stilles Kämmerlein zurückziehen und keine großen Worte machen, sondern das beten, was einem auf dem Herzen liegt. Unabhängig davon, dass Gott es ja im Grunde schon weiß. Gebet macht aber nur Sinn, wenn man mit dem Möglichkeit rechnen kann, dass Gott auch in dieser Welt eingreifen kann. Deshalb kann man Bewahrung für möglich halten, im Alltag, in jeder kleinen Situation und auch bei einer Lawine. Die Frage, warum jedoch das eine Dorf von einer Lawine verschont wird, das andere aber nicht, bleibt wohl offen. Luther sprach hier vom Deus absconditus, über den man im Grunde nichts aussagen kann. Über den verborgenen Gott nämlich. Allerdings hat sich dieser Gott, den wir ja nicht sehen und mit unseren Sinnen auch nicht wirklich wahrnehmen können, in Jesus bereits gezeigt und etwas von sich preisgegeben. Nun sehen wir, wie Paulus sagt, zwar noch ungenau, wie durch einen Spiegel, einst einmal, wenn wir bei Gott sein werden, werden wir aber verstehen. Bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig, als in und auf Gott zu vertrauen, auch in Situationen, die wir nicht verstehen. Wenn beispielsweise ein Dorf von einer Lawine verschont wird, ein anderes aber nicht. Aber dennoch sollen und dürfen wir beten und auch um Bewahrung bitten und können durchaus davon ausgehen, dass Gott solche Gebete auch erhört. Denn würde man davon ausgehen, dass Gott in dieser Welt nicht eingreife, hätte man sich einem deistischen Gottesbild angeschlossen. Dies entspräche allerdings nicht der biblischen Darstellung und auch nicht der Botschaft Jesu. Die Theodizeefrage, also die Frage, warum es das Leid auf der Welt gibt, konnte auch durch Leibniz nur ansatzweise beantwortet werden, bleibt aber letztlich ein Rätsel. Ihm zufolge wäre ein Lawinenabgang einfach eine Folge der Naturgesetze. Da ist kein Gott im Spiel. Das heißt aber nicht, dass Gott nicht rettend eingreifen könnte.
Über Gott können wir einerseits nicht reden, wie Karl Barth in seiner dialektischen Theologie sagt, weil wir Menschen sind. Andererseits sind wir Menschen und sollen über Gott reden, wie Karl Barth fortfährt. Und wenn wir über Gott reden, indem wir uns daran orientieren, was Jesus über ihn gesagt hat, können wir davon ausgehen, dass Gebet Sinn macht, weil es erhört wird bzw. werden kann. Vielleicht nicht immer so, wie wir es uns wünschen, aber wohl so, wie es gut ist. Der Lord schenkt uns nicht einen Mercedes Benz, wie Janis Joplin singt. Dein Wille geschehe. Aber bewahren kann er uns sicherlich. Auch die Heilungswunder Jesu sprechen in ihrer Essenz im Grunde von einer Erfahrung, von der Bewahrung des Menschen durch Gott nämlich.



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