Die aktuelle ZEIT Printausgabe berichtet über Menschen, die derzeit noch in Ostaleppo wohnen, sofern man in diesem Zusammenhang überhaupt noch von Wohnen sprechen kann. Die syrische Armee rückt vor und bietet angeblich Fluchtkorridore an, was sie über Flugblätter ankündigt und auch über die Smartphones. Dieser Mär glaubt jedoch keiner, da es genug Berichte gibt, wonach Flüchtende aus der Stadt von der Armee gefangengenommen wurden und danach nicht mehr auftauchten. Insofern gibt es de facto eigentlich keine Fluchtkorridore. Besonders erschreckend sind die Interviews, die in der ZEIT angeführt werden, unter anderem mit einem Ehepaar von Architekten und einem Lehrer. Momentan kann man sie noch übers Internet erreichen, aber ob das die kommenden Tage auch so bleiben wird, ist ungewiss. Einige von den interviewten Personen berichten davon, dass ihre Familie im Westteil der Stadt lebt, sie diese aber vermutlich niemals wieder sehen werden. Was das Ganze auch für Leser so grauenhaft macht, ist die Tatsache, dass man mit diesen Menschen noch reden kann, obwohl sie vermutlich dem Tode geweiht sind. Und hier kommt der Knackpunkt. Sie sind ja nicht dem Tode geweiht, weil es sich um eine Naturgesetzlichkeit handeln würde, dass sie nun demnächst sterben müssten. Sondern sie sind es, weil Menschen das so wollen. Und hier beginnt man spätestens, an den Menschen zu zweifeln. Und auch an denen, die sich nicht und in keinster Weise an die Menschenrechte halten, nämlich an dem Diktator von Syrien, Herrn Assad, dem offenbar alles recht zu sein scheint, um seinen Status als sogenannter Präsident zu erhalten und natürlich an den Russen, die seit einem Jahr massiv die Stadt bombardieren lassen, ohne Rücksicht auf Menschenrechte. Was in Grosny funktionierte, soll hier nun auch mit brachialer Gewalt durchgezogen werden, Menschenleben zählen ebenso wenig, wie in Russland. Nun könnte man natürlich anführen, dass auch andere Staaten zu anderen Zeiten übele Taten vollbracht haben oder zeitgleich vollbringen, aber damit hätte man sich dann einfach vom aktuellen Thema abgewandt und die Diskussion wäre beendet. Nein, dramatisch ist, was in Aleppo passiert. Dass Menschen dort demnächst sterben werden, mit denen man heute noch sprechen kann, und sterben werden zwar nur deswegen, weil andere Menschen es so wollen, um selbst die Macht zu behalten. Das ist das Grauen in Person, das ist das Böse im Menschen, das ist das Böse in der Welt. Die Bibel nennt es den Teufel, nennt es den Diabolos, die Macht, die das gute Leben durcheinanderbringt und Menschen zu etwas anstachelt, was zutiefst unmenschlich ist. Es ist die Macht, die das Böse, das vermutlich in jedem Menschen schlummert und hervorbrechen kann wie ein Unwetter, ungezähmt hervorkitzelt.

Symbolisches Foto



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