Eine Frage an die Evolutionstheorie

wpid-wp-1430496518708.jpgVor kurzem war ich auf einer eindrucksvollen Fortbildung zum aktuellen Menschenbild – aus Sicht der neuesten Gehirnforschung. Dabei verwies der Referent darauf, dass die Evolution aus wissenschaftlicher Sicht funktioniere, auch ohne dass eine gewisse Zielsetzung vorhanden gewesen sein müsste.

Einzige Zielsetzung sei das Selektionskriterium, das automatisch diejenigen Entwicklungen begünstigt habe, die die Survival of the fittest (nicht der Stärksten automatisch) zur Folge gehabt hätte.

Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland, katholisch und evangelisch, schließen sich prinzipiell der Meinung an, dass die Evolutionstheorie denkbar sei, allerdings mit dem Verweis, dass sie teleologisch ausgerichtet sei, also letztlich Gott eine gewisse Zielsetzung damit verfolge und ihr gewissermaßen – also der Evolution – den Startschuss gegeben habe.

Mich bewegten diese Gedanken seit einigen Tagen. Heute habe ich nachgerechnet:

Man nimmt an, dass sich vor 3,5 Milliarden Jahren einfaches Leben auf der Erde in der Tiefsee entwickelt haben könnte.

Ein erwachsener Mensch besteht aus ca. 100 Billionen Körperzellen.

Daraus ergibt sich eine Rechnung. Wieviele Zellen müssten sich in einem Jahr verändern und in einem Lebewesen genetisch fortsetzen, damit dann ein Mensch herauskommt ?

Dabei müsste man noch berücksichtigen, dass Zellen in der Regel nicht eine Mutationsrate von 100% haben, sondern höchstens von 10%-40% und dass sich einfache Zellen natürlich schneller teilen und gewisse Phänotypen zunächst schneller reproduzieren (solange sie noch einfache Zellhaufen sind), dann aber immer langsamer (9 Monate Schwangerschaft beim Menschen, 22 Monate beim Elefanten).

Reduzieren wir der Einfachheit halber die Rechnung nur auf die Jahre, dann ergibt sich:

100 000 000 000 000 Körperzellen geteilt durch 3 500 000 000 Jahre.

Ergibt:  28571,42

Das heißt: pro Jahr müssten sich in einem Organismus 28571,428 Zellen so verändern (und damit nicht genug:) und dauerhaft mit ihrer Veränderung durchsetzen, sie also auch weiter vererben, damit nach spätestens 3,5 Milliarden Jahren ein Mensch herauskommt. Das wären jeden einzelnen Tag 78,27 mutierte Körperzellen – die also nicht sinnlos mutiert sind, sondern sinnvoll, sodass der Organismus dadurch einen Zugewinn im Sinne von „survival of the fittest“ hat, und dieser Zugewinn müsste dann auch innerhalb des Tages gleich ausgetestet, für richtig befunden und ins Erbgut geschrieben werden!

Das zu glauben und allein dem „Zufall“ zuzuschreiben übersteigt nun leider meinen Glauben und meine Vorstellungskraft. Ohne Gott als letzten Grund kann ich die Evolution nicht denken.

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Kommentare

34 Kommentare zu „Eine Frage an die Evolutionstheorie“

  1. Wahrscheinlichkeiten, wissenschaftlich mathematisch zu nehmen und damit zu belegen, dass Evolution unwahrscheinlich ist, kann man machen. Ohne jetzt darüber zu texten ob der Ansatz logisch schlüssig ist, lassen wir das mal so stehen.
    Aber daraus ergibt sich ja nicht eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine andere Idee, Theorie. Wie wahrscheinlich ist es denn mathematisch, dass es zufällig einen Gott gibt, einfach mal so. dieser allmächtig ist und einfach mal so, weil ihm so ist, ein Universum schafft. Dann weil er immer noch Lust hat, eine Erde und auf ihr einen Garten Eden. Vor weiterer Langeweile und weil Grünzeug und Tiere ja nicht reichen, einen Menschen schafft, damit sich dieser nicht langweilt, aus diesem Menschen eine Frau. Beide, weil es nicht besser geht, aus Milliarden Zellen. Im ersten Versuch gleich richtig, weil ja allmächtig. Dann, weil sie nicht artig sind (Was hat er denn an seinem Entwurf verbockt?) , werden sie aus diesem Paradies geschmissen…..usw. Berechne mal! Was noch schlimmer ist, es beantwortet nichts! Woher kam Gott? Wer hat Gott erschaffen? Wenn schon ein paar Zellen nicht wahrscheinlich sind, warum soll dann ein Gott wahrscheinlicher sein?
    Jede Wahrscheinlichkeit spricht eher für Evolution als für so ein Zauberwesen das Menschen wie Fische im Aquarium hält und mal füttert oder mit Viren und Pilzen überschüttet.


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  2. Danke für deinen Kommentar. Ich schließe die Evolution ja auch nicht aus, sie ist ja die Entwicklungstheorie, mit der wir am besten die Entstehung der Arten und des Lebens erklären können. Ich für meinen Teil denke halt, dass hinter allem noch etwas steht, was ich dann Gott nenne. Aber klar, das darfst du natürlich völlig anders sehen. Wie wäre denn deine Erklärung dafür, dass es nicht nichts gibt? Bzw umgekehrt, dass es etwas gibt?

  3. Das Schwierige wenn man an den Entstehungspunkt des Universums kommt besteht darin, dass unsere Vorstellungskraft an die Grenzen kommt. Wenn du das mit dem Nichts oder Etwas meinst.
    Selbst die Gesetze und Dinge die wir für unsere Orientierung brauchen lösen sich auf. Kein Raum, keine Zeit usw.. Wir und unser Denken orientiert sich immer an unserer materiellen Existenz und den „Naturgesetzen“ . Es ist also nicht zu Erfassen, zu Denken, wenn das alles nicht existiert unsere Vorstellungskraft gerät da an Grenzen.

  4. Da stimme ich dir voll und ganz zu.

  5. Interessante Rechnung. Leider ist sie biologisch falsch. Alle deine Zellen mit Ausnahme der Geschlechtszellen sind genetisch angenähert identisch. Kann mal sein, dass eine Zelle mutiert, aber das ist eher die Ausnahme. Die unterschiedlichen Funktionen im Körper wird durch Gene gesteuert. Jede Zelle hat das Potential Nervenzelle, Knochenzelle oder Leberzelle zu werden. Nur im Rahmen der Spezialisierung während der Schwangerschaft verlieren die Zellen ihr Potenzial. Das ist ähnlich wie bei unseren Berufen in der Gesellschaft. Auch ein Chemiker muss nicht mehr Gedichte interpretieren können oder der Deutschlehrer Integrale lösen.

  6. Naja, gut, aber es muss ja doch im Laufe der Evolution festgelegt werden, wo welche Zelle mit welcher Funktion sitzt. Drum sehe ich nicht, inwiefern ich da so falsch liegen sollte.

  7. Wenn du den Menschen als Ziel definierst, dann wird es schwierig. Aber warum sollte bei der Evolution eben der Mensch das Ziel sein? Auf einem anderen Planeten mit einer anderen Evolution hätte doch auch eine andere Form von intelligenten leben entwickelt worden sein können.

  8. Ja, der Mensch muss nicht das Ziel sein. Aber es ist erstaunlich, dass derart komplexe Lebewesen durch Try & Error herauskommen (sollen). Kann ich, wie gesagt, ohne transzendenten Hintergrund nicht denken.

  9. Was meinst du denn, woher die Lebewesen kommen?

  10. Haben sich aus unbelebter Materie irgendwie entwickelt

  11. Und wofür brauchen wir dann Götter?

  12. Dass die Materie sich ohne transzendenten Hintergrund entwickelt, können viele Menschen sich nicht vorstellen. Auch ich nicht.

  13. Aber ist es denn relevant? Würdest du dich anders verhalten, wenn es keine Götter gibt?

  14. […] In einem anderen Artikel wurde mit der Mutationsrate von Einzellern argumentiert. Darin heißt es, dass ein Mensch aus etwa 100 Billionen Zellen besteht. Um einen solchen Organismus wie den Menschen aus Einzellern in 3,5 Milliarden zusammen zusetzen, wo die Zellen sich im menschlichen Körper in Form und Funktion unterscheiden, hätten 100 Billionen Zellen in 3,5 Milliarden Jahren oder etwa 78 Zellen pro Tag mutieren müssen. […]

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