Mir war der Name Selma Lagerlöf bis vor Kurzem nicht bekannt. Als ich mich an meine Bekannten wandte und meine Wissenslücken, nein, meine totale Unwissenheit zu obiger Dame offen legte, gab es ordentlich Schelte, wie man(n) diese Berühmtheit nicht kennen könnte. Das wurmte mich irgendwann und ich ging auf die Suche. Das wäre doch gelacht, wenn ich nicht herausbekäme, wer oder was Selma denn war.
Wer lesen kann, hat mehr vom Leben
Selma wurde am 20. November 1858 geboren und ist in Mårbacka, einem Herrenhaus aus Sunne im Värmland, Schweden aufgewachsen. Der Vater war Offizier und Gutsbesitzer. Als Kind hörte sie leidenschaftlich den Erzählungen ihrer Eltern und Grosseltern zu. Spannend, diese Märchen, Mythen und Legenden! Und als sie selbst lesen konnte, eroberte sie diese Welt der Geschichten und Erlebnisse. Und es prägte sicherlich ihre spätere Entwicklung.
Dass sie später Schriftstellerin werden will, hat Selma sich schon im Alter von sieben Jahren vorgenommen. „Wenn ich erst so alt bin, dass ich Romane schreiben kann“, ist einer ihrer Standardsätze. Als eigenständiger Typ entschied sie sich gegen den Wunsch ihres Vaters, nach Stockholm in ein Mädchengymnasium zu gehen und machte ab 1885 eine Ausbildung als Lehrerin. In diesem Beruf arbeitete sie zehn Jahre. Während dieser Zeit entstand auch ihr erster Roman „Gösta Berling, über Geschichten von Menschen ihrer Heimat.
Bekannt
Als zweites Werk schrieb sie „Jerusalem“, welches ihren Durchbruch als Schriftstellerin bedeutete. Sie wurde über die Landesgrenzen bekannt. Das nächste Projekt sollte ein Schullesebuch werden, in dem die Kinder ihr Heimatland Schweden besser kennen lernen sollten. Heraus kam ihr wohl bekanntestes Buch: „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ – in der ein Junge, weil faul und bösartig, in ein Wichtelmännchen verzaubert wird. Als solches zieht er mit einer Schar Wildgänse durch ganz Schweden und erlebt viele Abenteuer. Am Ende geht die Geschichte gut aus. Übrigens ist dieses Buch in einer damals neu in Schweden eingeführten Rechtschreibung erschienen.
Vielseitig
Selma Lagerlöf war eine besondere Frau ihrer Zeit. Als Schriftstellerin hatte sie sich einen weltweiten Namen gemacht. Aber sie war auch als Frauenrechtlerin gesellschaftlich engagiert und setzte sich für das Frauenwahlrecht ein. Im Jahr 1940 verhalf sie der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs und deren Mutter zur Flucht nach Schweden und rettete so deren Leben. Für ihr Erstlingswerk Gösta Berling bekam sie 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur der Schwedischen Akademie, deren erstes weibliches Mitglied sie 1914 wurde. Nach dem Erscheinen von „Nils Holgersson“ wurde Selma Lagerlöf zum Ehrendoktor der Universität Uppsala ernannt. Ihre Bücher wurden übrigens in mehr als 40 Sprachen übersetzt.
Selma Lagerlöf starb am 16. März 1940 im Alter von 82 Jahren.
Neugierig
Diese Frau hat mich bei den Recherchen neugierig gemacht. Wer so schreibt, dass er verstanden wird, wer sogar einen Bildungsauftrag fürs eigene Volk verspürt und sein literarisches Talent dazu benutzt, neues Wissen zu vermitteln, der hat meine Hochachtung.
150. Geburtstag von Selma am 20. November – ich hoffe, nicht nur Literaturexperten und meine Autorenfreunde werden an diesen Tag denken.
„Schenken heißt, einem anderen das geben, was man selber behalten möchte.“ – Selma Lagerlöf
Foto: krister67 / pixelio



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