In vielen Kulturen ist es so, dass ein neugeborenes Kind erst im Laufe der Zeit einen richtigen Namen bekommt. Die Eltern lassen sich Zeit und beobachten das Kind. Erst dann bekommt es einen Namen.
Mit den ersten Christen war es ähnlich. Ihren Namen bekamen sie erst im Laufe der Zeit von anderen. Nicht in Jerusalem, dem Entstehungsort der Gemeinde, sondern erst später in Antiochien. Die Leute sagten: “Das sind die Gesalbten, die Christen, die zu Jesus Christus gehören.”
“In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.” Apg 11,26b
Ein anderer Name, der ihnen gegeben wurde war: “Die des Weges sind”.Wahrscheinlich weil sie flexible und mobile Menschen waren. (Vgl u.a. Apg, 9,2).
Ihren Namen bekamen sie erst in Damaskus!
Mit anderen Worten: Die Jünger Jesu waren so beschäftigt, ihren Auftrag in der Kraft des Heiligen Geistes auszuführen, dass ihnen für solche Dinge wie Namensgebung keine Zeit und Konzentration blieb. Sie lebten auf ein Ziel zu.
Auch heute sind die Zielpunkte klar. Für viele Christen heute ist klar, dass die Zukunft verstärkt dezentrale christliche Kleingruppen und Netzwerke bringen wird.
Nicht der nur der Finanzkurs von Campus für Christus oder die vielen Alpha-Kurse zeigen, dass flächendeckend etwas über Kleingruppen erreicht werden kann. Viele Christen erleben sich und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes in Seminaren oft stärker als wenn sie passiv im Sonntagsgottesdienst sitzen.
Auch die Hauskirchen und Simple Churches und das Bedürfnis nach Gemeindehauskreise und Zellgruppen zeigen, dass in Kleingruppen oft mehr erreicht werden kann als wenn man sich ausschließlich im Gemeindegottesdienst trifft.
Wer dieses Ja zu solchen Kleingruppen hat, der muss auch loslassen können, alles vorgeben zu wollen, was die Zukunft für diese Kleingruppenbewegung bringt. Wir werden in diesem Bereich sicherlich noch einige Überraschungen erleben.
Totgesagtes wird auferstehen, sich mit neuen Dingen verbinden, die neuesten Dinge werden vielleicht die letzten bzw. unattraktivsten Dinge sein und es werden Formen entstehen, die unser menschliches, traditionelles Vorstellungsvermögen herausfordern werden.
Nur drei Beispiele: Wo sehen Sie die aktuellen Schnittpunkte zwischen Einfachen Gemeinden oder einer Hausgruppe und einem klosterähnlichen Lebensstil? Oder: Wie betreibt eine Seminargruppe “Christliche Finanzen” anschließend eine stadtweite Obdachlosenarbeit? Wie senden wir im losen Netzwerk verbindlich Missionare aus und wie erreichen wir gemeinsam unsere Stadt?
Einer der spannendsten Fragen der Zukunft in diesem Zusammenhang wird sein, wie können Kleingruppen und Netzwerke zu intensivem Gebet für die eigene Stadt beitragen.
Wir sollten also weder das Kind mit dem Bade ausschütten noch der Versuchung erliegen, ihm zu frühzeitig einen Namen geben zu wollen und anfangen über Begriffe zu diskutieren bevor die Absichten Gottes eine stabile Gestalt annimmt. Auch brauchen wir nicht immer gleich rechtlich verbindliche Organisationsformen.
Darüber können wir in Antiochien oder Damaskus nachdenken.
Ein wichtiges Wort für diese entstehende Kleingruppenbewegung, die momentan noch ein schlafender Riese ist, scheinen mir die Worte aus Prediger 11, 5+6; 1+2 zu sein.
5 Gleichwie du nicht weißt, welchen Weg der Wind nimmt und wie die Gebeine im Mutterleibe bereitet werden, so kannst du auch Gottes Tun nicht wissen, der alles wirkt. 6 Am Morgen säe deinen Samen, und lass deine Hand bis zum Abend nicht ruhen; denn du weißt nicht, was geraten wird, ob dies oder das oder ob beides miteinander gut gerät.
Lass dein Brot über das Wasser fahren; denn du wirst es finden nach langer Zeit. 2 Verteil es unter sieben oder unter acht; denn du weißt nicht, was für Unglück auf Erden kommen wird.
Darin sind die Prinzipien enthalten, die für den Aufbau eines dynamischen, flexiblen Netzwerkes von Kleingruppen notwendig sind.
1. Die Bereitschaft anzuerkennen, selbst wenn wir prophetisch begabt sind, dass wir das Kind im Mutterleib noch nie wirklich gesehen haben. – Unsere Erkenntnis bleibt immer bruchstückhaft (1.Kor 13)
2. Die Bereitschaft, in die verschiedenste Kanäle und Beziehungsgefüge selbstlos zu investieren. (Brot)
3. Frustrationstoleranz und Kreativität: Wir säen den Samen für die unterschiedlichsten Kleingruppen, auch auf die Gefahr hin, dass nicht alle Samen gleich aufgehen.
4. Die Bereitschaft fleißig zu sein und den Samen am Abend und am Morgen auszusäen.
Der Same ist das Wort Gottes. Ich freue mich über Vorschläge, wie wir hier in Berlin immer mehr von diesem Samen durch Kleingruppen und Inititiativen zu den Menschen bringen können!
Fragen Sie den Heiligen Geist nach kreativen Ideen. Hier ein paar weiterführende Gedanken zum Thema Kreativität
Wenn ich drei Wünsche frei hätte würde ich mir wünschen, 1. dass der Riese anfängt aus dem Babyalter hinauszuwachsen, 2. der Riese aufwacht und nicht einfach versucht, Wachstumsschmerzen durch Kleingruppenkuschelatmosphäre im Schlaf zu verdrängen und 3. dass die Kleingruppen einen aktiven Beitrag zu intensivem, gemeinsamen Gebet und zu dem Erreichen von geistlich bzw. menschlich bedürftigen Menschen leisten.
Bild: pixelio.de/Stephanie Hofschlaeger



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