Das Buch
„Darf ich bekannt machen? – Das ist mein mir angetrautes Buch“ – so stelle ich mir Mina Devi (60) aus dem Bundesstaat Assam vor, wenn sie mir mit der Shrimad Bhagavad Gita, einer heiligen Schrift des Hinduismus unterm Arm als Ehepaar gegenüberstehen würde.
Das ist kein Scherz. Die Inderin hat tatsächlich kürzlich ein Buch geheiratet. Richtig offiziell. Sie hätte keine Lust, einen Mann zu heiraten, erklärte sie nach der Trauung. Sie wolle ihrem Glauben leben und durch diese Ehe ihre Seele reinigen.
Als bisher unverheiratete Frau hatte sie es enorm schwer, von der Dorfgemeinschaft anerkannt zu werden. Um diesen Brüskierungen als Alleinstehende zu entgehen, hatte sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Und es funktioniert wohl – inzwischen wird sie akzeptiert.
Die Schlange
Wenn man sich im Bundessaat Orissa in eine Kobra verliebt, dann kann Frau sie auch heiraten. So kürzlich bei Bimbala Das (30) geschehen, die sich eine Schlange als Ehepartner aussuchte und sich nach allen üblichen Zeremonien durch einen Hindu-Priester mit ihr vermählte. Sie würden auf eine besondere Art miteinander kommunizieren und „er“ hätte ihr auch noch nie wehgetan.
Der Bräuigam sei zwar nicht zur Hochzeit erschienen und in seinem Ameisenhügel geblieben, wurde aber durch eine Messing-Nachbildung vertreten. Die Verwandten bauten dann der Frau eine Hütte ganz in der Nähe des Ameisenhügels.
Nach Überzeugung der dortigen Dorfbewohner kann mit einer Hochzeit Unglück abgewendet werden. Auf die Liebe zwischen den Partnern käme es dabei nicht so sehr an.
Der Hund
Pushpa, ein siebenjähriges Mädchen aus dem Bundesstaat Jharkand wiederum hat einen verwachsenen Zahn, was als böses Vorzeichen gilt. Auf Rat der Stammesältesten musste sie einen streunenden Hund ehelichen. Über hundert Gäste nahmen an der Hochzeit teil, die das Schicksal für die Familie gnädig stimmen soll.
Europa
Was bin ich froh, dass ich nicht in Indien lebe und auch keine Frau bin. Ob Buch, Hund, Schlange oder sonst ein Gegenstand oder Tier – ich kann mir eine „Ehe“ damit so gar nicht vorstellen.
Und: Gott hat sich beim Schöpfungsakt von uns Menschen das Ganze auch anders vorgestellt.
„Gott, der Herr, dachte: ’Es ist nicht gut, dass der Mensch so allein ist. Ich will ein Wesen schaffen, das ihm hilft und das zu ihm passt.’“ (1.Mo. 2,18).
Es werden in diesen Tagen dreiunddreissig Jahre, dass ich mit meiner Frau zusammenleben darf. Ich trage sie weder unterm Arm oder stelle sie ins Bücherregal, sie lebt auch nicht in einem Ameisenhügel oder ich führe sie an der Leine spazieren – ganz im Gegenteil. Unser Austausch und gegenseitige Ergänzung erfüllt unser Leben und bereichert unsere Beziehung. Dafür bin ich echt dankbar…
Foto: A. Meissner
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